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Kasper, Gretel und der Kampftag der Arbeiter

Compagnia Buffo im Apex Kasper, Gretel und der Kampftag der Arbeiter

Die bunten Objekte scheinen zu schweben. Wie von alleine setzt sich ein Ofen zusammen. Er tanzt in der Luft. Das Feuer knistert. Willi Lieverscheidt bewegt nicht sichtbar hinter einem schwarzen Vorhang die Gegenstände. Die  Szene ist Teil der Aufführung des Märchens „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“: einer der Programpunkte in der Weihnachtsshow, die die Compagnia Buffo am Montag im Apex präsentiert hat.

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Wie war das noch mal? Kasper (Willi Lieverscheidt) und Gretel (Kascha B.) erinnern sich nicht an den Anlass des Weihnachtsfestes.

Quelle: EF

Schattentheater, Puppentheater, Tanztheater: Kascha B., Benedikt Hench und Lieverscheidt bieten in zwei Stunden den rund 100 Zuschauern im vollen Apex eine vielfältige Weihnachtsshow. „Oh du, du, du Fröhliche …“ ist ihr Titel.

Harmonisch und besinnlich geht es aber selten zu. Gescheiterte und Außenseiter spielen bei Lieverscheidt und Co eine Rolle. Das Mädchen mit den Schwefelhölzern – in der Bühnenfassung eine lebensgroße Puppe – stirbt in Dunkelheit und Kälte (tanzt aber im Himmel mit der Großmutter auf den Wolken). Ein Straßensänger – verkörpert von Lieverscheidt selbst mit Halbmaske, langem Mantel und Handschuhen – singt von dem Weg, der immer länger, dem Gürtel, der immer enger wird. „Ich bin ja nur ein kleiner Straßensänger und suche irgendwo ein bisschen Glück.“ 

An einen Straßenmusiker erinnert auch Hench, wenn er auf seinem Cello spielt. An einem  Kasten aus Holz, der ein wenig  aussieht wie ein Koffer, sind Griffbrett, Saiten und Percussion befestigt. Auf diesem Instrument Marke Eigenbau stimmt Hench zunächst Weihnachtslieder an – es schrammelt herzzerreißend. Unmerklich wechselt das Stück hinüber zur eigenen Musik.

Und hier kann das selbst gezimmerte Instrument seine ganze Würde entfalten. Schnelle Takte, auch die tiefen Töne auf den Saiten drängen voran: Hier spielt vielleicht ein Heimatloser den Soundtrack zum eigenen Leben. Im musikalischen Part schaut die Compagnia Buffo generell mit einem etwas anderen Blick auf Weihnachten. Auf Kuhglocken, Fahrradklingeln und Gläsern spielt Hench Weihnachtsklassiker.

Aber es geht auch weniger sanft zu auf der Bühne der Compagnia Buffo. Die Interpretation der biblischen Weihnachtsgeschichte ist nichts für die, die den Glauben noch nicht verloren haben. Da berlinert Kascha B. als Maria: „Dat soll ich jesagt haben?“ Immer wieder unterbricht sie die Vorstellung. Und sprengt sie am Ende ganz. Das Publikum muss nun mitmachen bei der Geburtsvorbereitung, die es doch in Wahrheit gegeben haben muss. Eine Geschichte von Ingrid Noll lieferte die Anregung für die Maria-Figur.

In der ersten Nummer hat sich die Gruppe vor allem bei Robert Gernhardt bedient: Lieverscheidt und Kascha B. haben sich als Figuren aus dem Kasperle-Theater kostümiert. Die leeren viele Flaschen Bier und stellen lallend Überlegungen zum Anlass des Weihnachtsfest an. Wie war das noch mal? „Das ist doch der Kampftag der Arbeiter.“

Von Telse Wenzel

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