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Regional Killer Joe kennt kein Pardon
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14:05 09.09.2017
Killer Joe geht es nur ums Geld: Die Darsteller Anne Gaa und Jörn Pohlmann. Quelle: r
Göttingen

Ein altes, braunes Sofa, ein schmuddeliger Streifenvorhang, eine schmucklose Bretterwand und Couchtisch - das ist alles, was das Bühnenbild der neuen Inszenierung von Spielleiter Heiko Mathias im Theater im OP Göttingen zu bieten hat. Mehr braucht es nicht für die Tragikomödie Killer Joe: Düster, dreckig, bisweilen ekelerregend ist das Theaterstück von Tracy Letts, der auch das Drehbuch für die gleichnamige Verfilmung aus dem Jahr 2011 verfasst hat. Die Premiere am Freitag war gelungen, wenngleich von wesentlichen Aspekten des Stückes wenig geblieben ist.

Chris ist bei einem Drogenbaron hoch verschuldet, weil seine Mutter die in ihrem Haus versteckten Drogen versetzt hat, um das Geld für Reparaturen an ihrem Auto zu verwenden. Chris beschließt daraufhin mit seinem Vater Ansel, Stiefmutter Sharla und Schwester Dottie, dass die Mutter sterben muss. Alle erhoffen sich einen Geldsegen von der Lebensversicherung, die laut Chris auf seine Schwester Dottie ausgestellt ist.

Polizist und Auftragsmörder

Mit Ansel heuert Chris den Killer Joe an, einen Polizisten, der ein zweites Standbein als Auftragsmörder hat. Allerdings können sie sich die im Voraus zu zahlende Gebühr nicht leisten, woraufhin Killer Joe die jungfräuliche Dottie als Vorschuss verlangt, zumindest bis er seine Gebühr erhalten hat. Der ganze Plan misslingt, Joe tötet Chris’ und Dotties Mutter und lässt es wie einen Unfall durch Trunkenheit aussehen.

Dem studentischen Ensemble mit Denise Frerichs als Dottie, Anne Gaa als Sharla, David Bolik als Ansel, David Höhle als Chris und Jörn Pohlmann als Killer Joe war die Nervosität anlässlich der Premiere deutlich anzumerken. Sympathisch, denn dies zeigte, wie sehr sich die jungen Darsteller in den wenigen Wochen, die für Proben blieben, in ihre Rolle hineinversetzt hatten.

Killer Joe spielt sich warm

Abgesehen von wenigen Versprechern, war das Schauspiel des fünf-köpfigen Ensembles vor allem eins: unterhaltsam. Die Aufführung hatte Tempo, Biss und war an vielen Stellen sogar lustig, was das Publikum mit lauten Lachern und Applaus quittierte. Besonders taten sich dabei die Darsteller Höhle und Ferichs hervor, die in ihren Rollen als Geschwister Chris und Dottie merklich aufgingen. Auch der für seine brutale Rolle anfänglich etwas zu attraktiv und gepflegt wirkende Jörn Pohlmann als Killer Joe, hatte sich zum Ende des Stücks warm gespielt.

Trotz der Unterhaltsamkeit fehlte es dem Stück allerdings an Tiefe. Die vulgären, aggressiven und teilweise äußerst brutalen Ausbrüche wurden für die Aufführung im Theater im OP, wegen der hohen Anforderung an das schauspielerische Können zum Teil bewusst ausgespart oder abgeschwächt wiedergegeben. Die tiefen seelischen Abgründe der Familienmitglieder kommen dabei zu kurz, weil sie nur oberflächlich widergegeben werden. Dennoch war die rund zweistündige Aufführung mehr als kurzweilig. „Killer Joe“ ist empfehlenswert für den nicht zu anspruchsvollen Theatergänger.

„Killer Joe“ ist im Theater im OP, Käthe-Hamburger-Weg 3, noch bis zum 23. September jeweils am Dienstag, Mittwoch sowie am Freitag und Sonnabend um 20.15 Uhr zu sehen. Karten gibt es im Vorverkauf montags bis freitags von 12 bis 14 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5. Außerdem sind Tickets im Alten Rathaus und online unter www.thop-online.de oder unter Telefon 0551 / 397077 erhältlich. Das Kulturticket gilt für alle Aufführungen

Von Bernard Marks

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