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Kinderbuch-Klassiker „Pippi Langstrumpf“

Premiere im Deutschen Theater Kinderbuch-Klassiker „Pippi Langstrumpf“

Gut, der Surkus ist kein Zirkus, sondern ein Jahrmarkt, das Pferd namens Kleiner Onkel auf dem Balkon steht nur stocksteif da. Wenn Pippi es hochhebt, sieht man, dass es eigentlich an einer dünnen Schnur hochgezogen wird. Herr Nilsson ist gar kein Affe, sondern ein Mensch, der einen Affen spielt, und der starke Adolf ist eindeutig eine Frau.

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Pippi neckt die Polizisten: Karl Miller, Marie-Thérèse Fontheim, Gerd Zinck (v.l.).

Quelle: Winarsch

Aber ansonsten ist die Villa Kunterbunt auf der Bühne – die schöne Ausstattung stammt von Jeannine Simon, die Musik von Jan Exner – wirklich die Villa Kunterbunt, und Pippi Langstrumpf ist Pippi Langstrumpf, auch wenn das Mädchen mit den roten Zöpfen im wirklichen Leben Marie-Thérèse Fontheim heißt. Aber was ist schon das wirkliche Leben?

Joachim von Burchard hat Astrid Lindgrens unsterblichen Kinderbuch-Klassiker als Familienstück im Deutschen Theater (DT) inszeniert, für Menschen ab sechs Jahren aufwärts. Wer jetzt in der Zeit vor Weihnachten Kindern eine nachhaltige Freude machen möchte, ist bestens im DT aufgehoben – und hat auch als erwachsener Begleiter sein pures Vergnügen an dieser lebendigen, wunderschön anarchischen Geschichte.

Die muss man hier nicht nacherzählen – Pippi Langstrumpf ist schließlich schon seit Generationen Gemeingut. Aber man sollte doch wenigstens wissen, dass Marie-Thérèse Fontheim nicht nur die schönen steifen Pippi-Zöpfe trägt, sondern auch so hüpft und springt, wie sich das für eine Neunjährige gehört. Gerd Zinck kann perfekt äffisch mit über dem Boden baumelnden Armen agieren, gibt die feinsten Affenlaute von sich und ist ansonsten so höflich, wie man das von einem derart wohlerzogenen Tier erwartet.

Dabei übertreibt es der Regisseur klugerweise nicht mit der Lebendigkeit. Er gibt auch immer wieder leiseren Tönen Raum, so dass zwischen all dem Johlen über den Spaß am Spiel Momente zum Luftholen bleiben, ja sogar zum Nachdenken, ohne dass sich aber störend ein pädagogischer Zeigefinger reckt.

Auch die übrigen Rollen sind typgerecht besetzt. Norman Grüß als Tommy und Kathrin Müller-Grüß als Annika verwandeln sich in echte Kinder, Imme Beccard als Frau Prysselius ist herrlich sauertöpfisch, Karl Miller als Polizist Klang eine wunderbar skurrile Erscheinung, dem Gerd Zinck als ängstlicher Kollege Larsson zur Seite steht. Sarah Schermuly lässt als starker Adolf souverän die Muskeln spielen und gibt ebenso wie ihre Kollegen Moritz Pliquet, Lutz Gebhardt (der unter anderem Vater Langstrumpf spielt) und Jan Exner auch den weiteren kleinen Rollen Profil.
Gemessen klatschen würden nach einer solchen Aufführung wohl nur Frau Prysselius und die übrigen Damen des Kaffekränzchens. Die jungen DT-Premierenbesucher dagegen johlten vor Vergnügen.

Von Michael Schäfer

Die nächsten Termine: 26. und 29. November sowie 20 weitere Vorstellungen im Dezember und Januar. Kartentelefon 0551/496911.
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