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Bladerunner 2049 läuft an

Kinostarts Bladerunner 2049 läuft an

Mit "Bladerunner 2049" läuft am Donnerstag die fulminante Fortsetzung eines echten Filmklassikers in den Kinos an. Außerdem bei den Kinostarts: Savoir Vivre in Frankreich und ein Roadtrip mit Vater und Sohn. Und mit „My Little Pony“ läuft eine quitsch-bunte Rösserparade an.

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Quelle: HAZ

Brillante Fortsetzung

„Blade Runner 2049“

Von Stefan Stosch

Erst hören wir nur seine Stimme aus dem Dunkel, dann taucht das Gesicht mit dem schief sitzenden Mund auf: Der offiziell für tot erklärte Replikantenjäger Rick Deckard ist wieder da, sauertöpfisch dreinblickend wie immer. In einem geisterhaften Spielkasino hat er sich die vergangenen Jahrzehnte versteckt. Unterhaltung boten ihm allein die singenden Hologramme von Elvis, Marilyn und Sinatra.

In der Zwischenzeit hat sich der Ex-Polizist viel an der Bar aufgehalten. Er hatte auch allen Grund dazu, denn er schleppt eine tragische Geschichte mit sich herum. Zwischen den Zähnen quetscht er den Satz hervor: „Manchmal muss man, wenn man jemanden liebt, ein Fremder bleiben.“
Da ist dieser 165 Minuten lange und ausgesprochen kurzweilige Film schon mehr als zur Hälfte rum, und wir wissen längst: Regisseur Denis Villeneuve ist  das Kunststück gelungen, elegant an einem Meilenstein der Kinogeschichte anzudocken. Seine Fortsetzung ist Ridley Scotts „Blade Runner“ würdig, stellt große Fragen, knüpft an das Original an – und erzählt doch eine eigenständige Geschichte. Ein furioses Science-Fiction-Werk in einem atemraubenden Design hat der Regisseur geschaffen. Die düstere Melancholie, von der auch schon der Film von 1982 durchdrungen war, hat endgültig von der Erde Besitz ergriffen (Kamera: Roger Deakins).

Die Kinoerinnerungen werden wach, wenn der aktuelle Roboterjäger Officer K. – der Gedanke an Kafka liegt nahe – zu Beginn über Los Angeles heranschwebt. Der Moloch liegt immer noch in Dauerregen, Dreck und Dunkelheit versunken. Villeneuve nimmt die Noir-Krimi-Ästhetik des Vorgängerfilms bruchlos auf: Konzerne sind moralisch verrottet, und die Trennung zwischen Glücklichen und Unglücklichen auf dieser Erde wird brutal durchgezogen.

Damals schien Scott seiner Zeit voraus, sein Film wurde von vielen Zuschauern zunächst gar nicht verstanden. Gegen den zeitgleich im Kino auftauchenden niedlichen Außerirdischen „E. T.“ hatte dieser Deckard keine Chance, dessen Zweifel immer mehr wuchsen, ob nicht auch er selbst einer jener Replikanten ist, denen er bei seinen Verfolgungsjagden gnadenlos in den Rücken schießt. Nun aber müssen wir immer wieder mal schlucken: In einer Szene hocken Hunderte  Kinder in einer rostigen Werkhalle und recyceln Computerschrott. Wer da nicht an die Ausgebeuteten in Afrika oder Bangladesch denkt, muss blind sein.

Wir schreiben nicht mehr das Jahr 2019 wie im Originalfilm, sondern 2049. Eine Umweltkatastrophe hat den Planeten ereilt (wenn auch keine Klimaerwärmung), und bei einem globalen digitalen Blackout sind beinahe alle Daten aus der Zeit davor verschwunden. Die Menschen setzen alles daran, die Robotergenerationen früherer Jahre zu töten. Denn diese wagten es, sich gegen die Menschen zu erheben. Doch nun entdecken die aktuell Mächtigen, dass in der Vergangenheit Unerhörtes passiert sein muss: Ein Baby wurde geboren – gezeugt von Replikanten!

Polizist K. (Ryan Gosling, der vor Kurzem noch durchs „La La Land“ tanzte und hier ein bisschen zu emotionslos agiert) wird von seiner eiskalten Chefin (Robin Wright) in Marsch gesetzt. Er stößt bei seinen Nachforschungen auf Deckards Spur – und wird bald schon in noch tiefere Selbstzweifel gestürzt als sein Polizisten-vorgänger: Was macht den Menschen aus? Sind es die Erinnerungen? Oder lassen sich auch diese überzeugend implantieren? Wo ist der große Unterschied zwischen dem genetischen und dem binären Code als Grundlage der Existenz? Hat ein Wesen, das geboren wurde, automatisch eine Seele? Können nur Menschen über sich hinauswachsen und für eine Sache sterben?

Ja, gelegentlich wird es ein wenig pathetisch auf K.s. meisterhaft entschleunigtem Weg, und ab und zu dröhnt auch die Musik ein bisschen zu mächtig. Aber das sind kleinliche Einwände gegen diesen Film, der einen Sog ausübt und so reich an Assoziationen ist wie kaum ein anderer Science-Fiction-Film aus jüngerer Zeit (außer vielleicht Christopher Nolans „Inception“ und Villeneuves „Arrival“).

„Blade Runner 2049“ läuft rauschhaft ab. Auf simple Action verzichtet der Regisseur, fürs Romantische ist eine künstliche Erscheinung aus dem Gefühlssupermarkt zuständig (Ana de Armas).

Philip K. Dick, der Autor der Vorlage „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“, starb kurz vor der Premiere von Ridley Scotts Meisterwerk. Nun dient sein dystopischer Roman ein zweites Mal als Inspiration für einen faszinierenden Film, der die Themen des ersten klug fortspinnt. Bei der nächsten Oscar-Vergabe könnte tatsächlich mal wieder ein großer Studiofilm eine Rolle spielen.

„Blade Runner 2049“, Regie: Denis Villeneuve, 165 Minuten, FSK 16 Cinemaxx

Dennis Villeneuve liebt Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“

Sein Lieblingsfilm ist Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“. Der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve, der am Dienstag seinen 50. Geburtstag feierte, lässt gern mal die Wirklichkeit für einen Film hinter sich. Nicht nur als Zuschauer. In seinem kafkaesken Mysteryfilm „Enemy“ (2013) glaubt ein paranoider, isoliert lebender Mann (Jake Gyllenhaal), seinen exakten Doppelgänger gefunden zu haben, und beginnt, diesen auszuforschen. Mit bösen Folgen. Villeneuves faszinierender Science-Fiction-Film „Arrival“ (2016) schilderte den Versuch einer Kontaktaufnahme mit der Besatzung eines außerirdischen Raumschiffs. Amy Adams und Jeremy Renner spielten die Hauptrollen in einem Film, der Kubrick ehrte und Villeneuve bestätigte als jungen Meister außergewöhnlicher und zugleich außergewöhnlich unterhaltsamer Filme.
Villeneuve debütierte 1999 mit „Der 32. August auf Erden“, einem Roadmovie und Beziehungsdrama. Ein Kritikererfolg war „Polytechnique“ (2009)  über den Amoklauf am Montrealer Polytechnikum, dem 1989 14 Studentinnen zum Opfer fielen. „Die Frau, die singt“ (2010) über die Reise zweier kanadischer Geschwister zu ihren familiären Wurzeln in den Libanon war Drama und Politthriller in einem und brachte Villeneuve Vergleiche mit Bernardo Bertolucci ein. Publikumserfolge waren der Thriller „Prisoners“ (2013) um zwei verschwundene Mädchen und der kraftvolle und harte „Sicario“ (2015) über den harten Drogenkrieg zwischen den USA und Mexiko.    Big

Rösserparade  in kitschbunt

„My Little Pony“

Die putzigen Ponys und Einhörner aus dem Spielzeughause Hasbro leben in einem quietschbunten Fantasyreich namens Equestria. Das wird in ihrem Kinodebüt „My Little Pony“ bedroht.

Tempest Shadow – ein Einhorn, von der dunklen Seite der Macht – rückt im Auftrag des Sturmkönigs mit dessen Schergen an. Als einziger der vier equestrischen Prinzessinnen gelingt Twilight Sparkle die Flucht. Und sagt dem Sturmkönig den Kampf an.
Die Animation ist schlicht  die Story übersichtlich, Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt werden gut vermittelt. bra
„My Little Pony – Der Film“,  Regie: Jason Thiessen,  89 Minuten, FSK 0 Cinemaxx

Burgund ist das Leben

"Der Wein und der Wind"

Es ist Spätsommer im Burgund, und die Weinernte steht bevor. Der 30-jährige Jean kehrt nach vielen Jahren der Funkstille auf das idyllische Familienweingut zurück. Sein Vater liegt im Sterben. Seine Geschwister Juliette und Jérémie, die das Gut in der Zwischenzeit aufrechterhalten haben, können jede Unterstützung gebrauchen. Doch die drei merken schnell, dass manche Verletzungen auch noch nach Jahren wehtun. Eine harte Entscheidung steht bevor: Wollen sie das Weingut weiterführen? Oder sollen Jean, Juliette und Jérémie ihren eigenen Weg gehen und sich so von der Familientradition verabschieden?

Cédric Klapisch entführt das Kinopublikum in seinem neuesten Film in eine der berühmtesten Weingegenden der Welt, den Burgund, und entspinnt dort die Geschichte einer Familie - ein wunderbar mediterranes Feel-Good-Movie. r

Roadtrip mit Vater und Sohn

"Helle Nächte"

Michael lebt mit seiner Freundin in Berlin. Schon seit Jahren hat er kaum Kontakt zu seinem 14-jährigen Sohn Luis. Als Michaels Vater stirbt, reisen die beiden zusammen zum Begräbnis in die Einsamkeit des nördlichen Norwegens. Ihre erste gemeinsame Reise, von der sich Michael erhofft, seinem Sohn näher zu kommen, gestaltet sich schwieriger als erwartet. Nach der Trauerfeier überrascht Michael Luis mit dem Vorschlag, noch ein paar Tage in der Region zu verbringen. Es beginnt ein Roadmovie und eine Reise in eine Vergangenheit, die es nicht gab…

Helle Nächte handelt von dem schmerzhaften Versuch, den sich von Generation zu Generation wiederholenden Kreis der Geschichte zu durchbrechen und doch noch mal eine Annäherung zu wagen. Arslan findet starke Bilder und epische Landschaften, um den Kampf der Protagonisten gegen ihre eigenen inneren Widerstände sichtbar zu machen.

Der Film wird von zwei großartigen Schauspielern getragen: Da ist der grantige österreichische Schauspieler Georg Friedrich als verunsicherter Vater. Und daneben der 14-jährige Tristan Göbel, der zuletzt in dem Roadmovie "Tschick" überzeugte. Georg Friedrich erhielt für diese Rolle bei der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären als bester Schauspieler. r

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