Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Kinostarts in Göttingen und der Region
Nachrichten Kultur Regional Kinostarts in Göttingen und der Region
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:26 08.08.2018
Lily James als Journalistin Juliet Ashton und Michiel Huisman als Dawsey Adams in einer Szene des Films "Deine Juliet". Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Das sind die Filmstarts der Woche in Göttingen und der Region:

Geheimnisse im sanften Honiglicht

Herz und Schmerz auf Guernsey: In „Deine Juliet“ entschärft Mike Newell die Tragik

Von Martin Schwickert

Mit knapp 80 Quadratkilometern ist Guernsey nach Jersey die zweitgrößte britische Kanalinsel. Sie hat eine wechselvolle Geschichte: Während des Zweiten Weltkrieges fiel Guernsey 1940 unter deutsche Besatzung. Auf zwei Bewohner kam ein deutscher Soldat, und die Küste der Insel wurde von den deutschen Besatzern zu einer wahren Festung ausgebaut.

Diesen ungewöhnlichen zeitgeschichtlichen Kontext nutzt Regisseur Mike Newell – dem Roman von Mary Ann Shaffer und Annie Barrows folgend – für seine Dramödie „Deine Juliet“. Im Fokus steht die junge Schriftstellerin Juliet Ashton (Lily James), die ein Jahr nach Kriegsende in London ihren ersten Bestseller feiert.

Juliet verlor ihre Eltern bei einem Bombenangriff über der britischen Hauptstadt. Da flattert ein Brief von der Insel Guernsey ins Haus. Der Absender hat Juliets Adresse in einem antiquarisch erworbenen Buch entdeckt und bittet sie, den Literaturclub mit weiteren Werken zu versorgen. Juliet nutzt die Gelegenheit, um London zu entfliehen.

Auf der Kanalinsel entpuppt sich nicht nur der Briefeschreiber Dawsey (Michiel Huisman) als sensibler und dazu noch attraktiver Schweinebauer, auch die jüngste Geschichte der Insel ziehen die Autorin mehr und mehr in ihren Bann. In gediegener Rückblendenakrobatik schwingt der Film zwischen Nachkriegs- und Besatzungszeit hin und her. Geheimnisse werden nach und nach von der neugierigen Schriftstellerin aus London gelüftet.

Im Zentrum steht dabei Elisabeth (Jessica Brown Findlay), die von den Deutschen deportiert wurde und ihr uneheliches Kind bei eben jenem Buchclub-Betreiber Dawsey zurücklassen musste. Juliet wittert eine Story für ihren nächsten Roman, verfängt sich aber zunehmend im insularen Beziehungsgeflecht.

„Deine Juliet“ reiht sich ein in die Reihe britischer Filme, die sich momentan mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen. Während Jonathan Teplitzky und Joe Wright mit ihren beiden Churchill-Filmen und Christopher Nolan mit „Dunkirk“ das Sujet frontal angingen, suchte Lone Scherfig in „Ihre beste Stunde“ einen indirekten Zugang. Diese Erzählstrategie des zeitgeschichtlichen Seitenblicks treibt Regisseur Newell in „Deine Juliet“ weiter voran. Newell („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“), verkleinert tragische Kriegserlebnisse ins putzige Nostalgieformat. Die pittoreske Insel, das honigfarbene Licht und die Provinzbücherwürmer lassen die düstere Vergangenheit beinahe gemütlich wirken.

Die dunklen Geheimnisse werden in therapeutischer Mission gelüftet, Verluste beweint, um die Tränen bald wieder mit den Glücksversprechungen der Gegenwart wegzuspülen. Regisseur Newell beweist sich als Brit-Kitsch-Meister, dessen Mischung aus Sentimentalität und Understatement allerdings immer noch deutlich besser zu ertragen ist als die aggressive Rührseligkeit äquivalenter Hollywood-Produkte.

„Deine Juliet“, Regie: Mike Newell, mit Lily James, Michiel Huisman, Matthew Goode, 124 Minuten, FSK 6, Cinemaxx Göttingen, Neue Schauburg Northeim

Hai-Alarm für Jason Statham: „Meg“

Mag ja sein, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren und Haie den Menschen in der Regel kein Haar krümmen: Im Kino macht sich der Fisch trotzdem besser als ein Sturz beim Fensterputzen von der Leiter. Folglich fährt Jason Statham („Fast & Furious“) nun auch lieber als Taucher Jonas aufs Meer hinaus und nimmt es in „Meg“ mit einem riesigen Urviech auf. Jonas hatte – siehe auch Kapitän Ahab, sein Holzbein und den Weißen Wal – schon früher mit dem Hai zu tun gehabt. Das Tier ist so gewaltig, dass sich Steven Spielbergs weißer Hai dagegen wie ein Goldfisch ausnimmt. Aber Größe ist auch nicht alles. (rnd)

„Meg“, Regie Jon Turteltaub, mit Jason Statham, Bingbing Li, 114 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Schiller-Lichtspiele Hann. Münden, Filmcenter Feilenfabrik Duderstadt, Central-Lichtspiele Herzberg

Luftiges Familienabenteuer

Christopher Jenkins hat unter anderem das Drehbuch zu dem oscarnominierten „Könige der Wellen“ mitverantwortet. Nun legt der Waliser mit dem Animationsabenteuer „Gans im Glück“ sein Regiedebüt vor. Es geht hier um den kleinen Peng, der ein ziemlich großer Störenfried ist und mit seinen halsbrecherischen Flugmanövern ein ums andere Mal die anderen Gänse, die mit ihm unterwegs sind, in Gefahr zu bringen droht. Doch eines Tages wendet sich das Blatt für den Gänserich, der nach einem Absturz mit einem lahmen Flügel zurechtkommen muss – und von seiner Fluggruppe mit diesem Problem allein gelassen wird. Schließlich bitten Peng auch noch zwei ziemlich freche Gänseküken um Hilfe. (dpa)

„Gans im Glück“, Regie Christopher Jenkins, 91 Min., FSK ab 0, Cinemaxx Göttingen, Filmcenter Feilenfabrik Duderstadt,

Die Kunst des Lesens

Hommage an die Literatur: „Der Buchladen der Florence Green“ regt an zum Schmökern.

Von Margret Köhler

In Zeiten von Amazon & Co. einen Buchladen zu eröffnen, ist gewagt. Der Umsatz gedruckter Bücher fällt, E-Books können das Minus nicht auffangen. Noch gewagter war es aber Ende der 1950er Jahre, sich ausgerechnet im ostenglischen Hardborough den Traum vom eigenen Buchgeschäft zu erfüllen. Die junge Witwe Florence Green (Emily Mortimer) stürzt sich trotzdem mutig ins Abenteuer.

Ihr Elan stößt bei den spießigen Honoratioren nicht gerade auf Begeisterung. Der Banker traut ihr nicht über den Weg, der Anwalt spinnt Intrigen, und ganz schlimm ist die Generalsgattin Violet Garmart (Patricia Clarkson), die nicht nur ihren Mann unter der Fuchtel hat, sondern auch einen Großteil der Dorfbewohner. Dass Fischer und Arbeiter nach einer Schamfrist doch in den Regalen schmökern und sogar provozierende Werke wie Vladimir Nabokovs „Lolita“ oder Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ kaufen, erzürnt die bürgerliche Lady, die ganz andere Pläne mit dem liebevoll renovierten „Old House“ verfolgt. Der Einzige, der zu Florence hält, ist der zurückgezogen lebende Bibliophile Mr. Brundish (Bill Nighy), ein Außenseiter wie die Titelheldin. Und doch steht die sanfte Buchliebhaberin mit leicht feministischem Einschlag auf verlorenem Posten.

Die Spanierin Isabel Coixet („Elegy oder die Kunst zu lieben“) liefert eine fein gesponnene Hommage auf die fast vergessene Welt des Buches, die Liebe zur Literatur, die Kunst des Lesens. Nach der Romanvorlage von Penelope Fitzgerald raunt eine Off-Stimme allerdings etwas viel über Schönheit des gedruckten Wortes und in der am Ende dramatischen Geschichte sind die Rollen zwischen Gut und Böse allzu schnell zugeteilt. Versöhnlich stimmen die treffsicheren Dialoge und die überzeugenden drei Hauptdarsteller, vor allem eine emotionale Emily Mortimer als engagierte Frau mit Visionen, Herz und Hirn.

„Der Buchladen der Florence Green“, Regie: Isabel Coixet, 110 Minuten, FSK 0, Open-Air-Kino am Freibad Brauweg

Ein Selbstbetrug

Verdrängte Schuld: Das britische Drama „Vom Ende einer Geschichte“ mit Jim Broadbent und Charlotte Rampling taucht tief in eine schmerzhafte Vergangenheit ein. Schmerzhaft gutes Kino.

Von Martin Martin Schwickert / RND

Je älter wir werden, desto wichtiger werden unsere Erinnerungen. Wenn die Gegenwart ihren Ereignischarakter verliert, gewinnen die Geschehnisse der Vergangenheit an Bedeutung. Aber Erinnerungen sind trügerisch. Nicht nur, weil das Gedächtnis seinen Dienst versagt, sondern auch weil wir im Erinnern unsere eigene Geschichte formen. Unangenehmes wird verdrängt, vergessen oder zurechtgebogen. Das Erlebte wird sortiert, selektiert, in Erzählenswertes und Verschwiegenes unterteilt.

In seinem Roman „Vom Ende einer Geschichte“ hat Julian Barnes dieses Phänomen in ebenso kompakter wie packender Form beschrieben. Nun hat sich der indische Regisseur Ritesh Batra, der vor fünf Jahren mit seiner melancholischen Romanze „The Lunchbox“ international reüssierte, des Stoffes angenommen. Kein leichtes Unterfangen angesichts der introspektiven Erzählhaltung der Vorlage.

Tonys Unruhe wächst

Jim Broadbent („Another Year“) spielt den geschiedenen Pensionär Tony, der einen Laden für gebrauchte Leica-Kameras betreibt und ein genauso zufriedenes wie ereignisarmes Leben führt. Eines Tages flattert ihm ein Anwaltsschreiben ins Haus, welches ihn in Kenntnis setzt, dass die Mutter seiner Jugendliebe Veronica ihm ein Tagebuch vererbt hat. Die Aufzeichnungen stammen von Tonys verstorbenem Schulfreund Adam, in den sich Veronica damals verliebte – was zu ihrer Trennung von Tony führte.

Das alles ist ein halbes Jahrhundert her, versetzt den alten Mann jedoch in Unruhe, zumal Victoria – wie Tony von der Anwältin erfährt - die Herausgabe des Tagebuchs verweigert. Tony erzählt seiner Ex-Frau Margaret (Harriet Walther), mit der ihn immer noch ein vertrautes Verhältnis verbindet, von Veronica. Zunächst nehmen die verklärten Erinnerungen an eine Jugendliebe und die enge Freundschaft zu Adam in Rückblenden Gestalt an. Aber je länger das juristische Ringen um das Tagebuch dauert, desto deutlicher wird, dass Tonys Gedächtnis die Ereignisse in geschönter Form gespeichert hat. Doch erst die Konfrontation mit Veronica (Charlotte Rampling) bringt die schmerzhafte Wahrheit und die dramatischen Folgen seiner jugendlichen Eifersucht zum Vorschein.

Es geht um ungemütliche Themen

Regisseur Batra erzählt diese Geschichte über die schwindende Kraft der Verdrängung in einem scheinbar sanften Erzählton, verschränkt Gegenwart und Rückblenden elegant miteinander und hat mit Broadbent einen Hauptdarsteller gewählt, der als älterer Herr alle Sympathien auf sich zieht. Aber der gemütliche, narrative Flow ist trügerisch, denn mit dem Fortschreiten der Geschichte wird klar, dass es hier um sehr ungemütliche Themen geht.

Es geht um Ereignisse, die nicht wieder gutzumachen sind. Um Schuldgefühle, die mit aller Kraft verdrängt werden. Um männlichen Narzissmus, der erfüllten Liebesbeziehungen im Wege steht. Um die blinden Flecken der eigenen Vergangenheit, die auch blind fürs mögliche Glück der Gegenwart machen.

Das alles köchelt auf kleiner Flamme und ohne große dramatische Gesten. Batra setzt auf Genauigkeit in der Beobachtung des Alltäglichen und in der Charakterisierung der Figuren. Dabei kann er auf ein herausragendes Ensemble zurückgreifen. Broadbent und die fabelhafte Harriet Walther spielen die Vertrautheit und die kritische Distanz eines ehemaligen Ehepaares nuancenreich. Und Charlotte Rampling, die erst spät im Film ihren ersten Auftritt hat, kann in nur einem schafottartigen Blick das Leid und die Verachtung eines ganzen Lebens bündeln.

Das deutsche Kino könnte sich ein Beispiel nehmen

Wieder einmal beweist das britische Kino, dass es für seine hervorragende Schauspielerriege im fortgeschrittenen Alter Rollen mit der notwendigen Tiefe findet. Daran könnten sich Hollywood, aber auch das deutsche Kino ein Beispiel nehmen.

„Vom Ende einer Geschichte“, Regie Ritesh Batra, 108 Minuten, FSK 0, Lumière Göttingen

Von rnd/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Regional Literaturherbst 2018 - Pamuk kommt nach Göttingen

Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk kommt zum 27. Göttinger Literaturherbst. Er ist einer der zahlreichen namhaften Schriftsteller bei der diesjährigen Auflage in der Zeit vom 12. bis 21. Oktober. Das Programm wurde jetzt vorgestellt, der Vorverkauf startet am Donnerstag, 9. August.

09.08.2018

Corvus Corax geht 2018 mit neuem Album auf Tour. In der Musa in Göttingen ist die Mittelalter-Band am Donnerstag, 11. Oktober, zu sehen. Karten gibt es unter gt-tickets.de.

08.08.2018
Regional Rock, Comedy und Kleinkunst in Nordhessen - Open Flair Festival in Eschwege startet

20 000 Besucher, rund 100 Bands und Solo-Musiker an fünf Tagen ab Mittwoch, 8. August, beim Open Flair Festival auf dem Werdchen in Eschwege. Und das Programm hat noch mehr zu bieten.

07.08.2018
Anzeige