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Klaus Berg inszeniert „Danse macabre“ am Theater im OP

Bildgewaltig Klaus Berg inszeniert „Danse macabre“ am Theater im OP

Mit „Danse macabre“ inszeniert Klaus Berg am Theater im OP (ThOP) ein bildgewaltiges Stück. Die „Revue aus dem Warschauer Ghetto“ thematisiert das Elend und die Hoffnung der von den Nationalsozialisten eingesperrten Juden.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Überlebenskampf und drohender Tod gehören zur Normalität, ebenso wie der berühmte jüdische Witz. Für die Darsteller des Revuetheaters „Melody Palace“ lässt sich beides nicht vermeiden – im Gegenteil, nur durch eine gewisse Prise Humor wird das Leid überhaupt erträglich.

Berg findet mit den Showansagern Roznblat (Martin Liebetruth) und Aplboim (Tobias Wojcik) zwei Dramenfiguren, die das Elend mit bissigem Witz vorführen und dem Publikum Schrecken und Kichern zugleich abgewinnen: „Bombardierung berechtigt nicht zum Nichtzahlen der Telefonrechnungen.“

Die Grundlage des zynischen Spektakels bildet die Notizensammlung „Kronika Getta Warszawskiego“ von dem Ghettoinsassen Emanuel Ringelblum. Zwischen 1939 und 1943 bündelte Ringelblum darin eine Vielzahl von Anmerkungen, von banal bis brisant, von Geschwätz bis politischer Ausführung.

„Es ist eben nur Theater“

Diese Sammlung von sehr unterschiedlichen Eindrücken aus dem Leben im Ghetto werden in „Danse Macabre“ wirkungsvoll zusammengestellt. Da tänzelt bedächtig eine Dame (Alina Halverscheid) im schreiend roten Mantel über die Bühne und erzählt von misshandelten Juden – nicht mahnend, nicht eingeschüchtert, sondern leise aber unerschütterlich im Tanz.

„Eine Revue ist nie verkehrt“, tönt es und meint, dass die Katastrophe mit Kunst besser auszuhalten sei. „Es ist eben nur Theater“ – nicht nur bei den jüdischen Opfern.

Die Reden der nationalsozialistischen Figuren verhallen in dröhnender Musik. Auch sie verstecken sich hinter Kunst und Show, denn das Zweifeln an ihrem Tun wird übertönt vom triumphalen Klang der Wagner-Weisen.

Doch die Unterdrücker fürchten kein Ende. Den Revuedarstellern dagegen offenbart sich der Tod als großes Showfinale: „Verbeugen, Applaus, und aus ist’s“. Am Schluss verneigen sie sich vor einem toten Publikum und sehen ihrem eigenen Ende entgegen: „Verbeugen, Applaus, dann gehen wir duschen und aus ist’s.“

Von Daniela Lottmann

Weitere Vorstellungen an jedem Abend von Mittwoch, 15.  Mai, bis Sonnabend, 18. Mai, sowie von Mittwoch, 22. Mai, bis Freitag, 24. Mai, um 20.15 Uhr.
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