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Klaus-Ingo Pißowotzki inszeniert „Ein Inspektor kommt“ im Göttinger ThOP

Runter mit der Maske Klaus-Ingo Pißowotzki inszeniert „Ein Inspektor kommt“ im Göttinger ThOP

Der Engländer John B. Priestley (1894-1984) war ein fleißiger Autor, was an der Zahl seiner Veröffentlichungen abzulesen ist. Sein erfolgreichstes Stück „Ein Inspektor kommt“ schrieb er 1945, es heißt, in nur einer Woche. Klaus-Ingo Pißowotzki hat es im studentischen Theater im OP (ThOP) inszeniert, Premiere war am Mittwoch.

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Unter Druck: Sheila (Sophia Ahrens), Sybil (Caren Bergs),  Arthur (Tim Beissbarth), Eric (Arseniy Kogan) mit dem Inspektor (Sira Klare) (v.l.).

Quelle: Opitz

Göttingen. Eine festliche Tafel, Sofa, Tischchen, alles irgendwie altenglisch anmutend: Johannes Bondes und Ulf Janitschke haben ein eher schlichtes Bühnenbild für die Inszenierung entworfen. Doch dazwischen türmen sich Zaunpfähle – imaginär. Ständig wird mit ihnen gewunken. Denn die sozialkritische Handlung ist so vorhersehbar wie die Figuren stereotyp.

Die Industriellenfamilie Birling hat zu feiern, Gerald Croft, aus gutem Hause, will Tochter Sheila freien. Der Haussegen hängt leicht schief, weil Sohn Eric stichelt. Das wird sich im Laufe des Abends ins Dramatische wenden. Denn plötzlich taucht Inspektor Goose auf und reißt die Masken der feinen Gesellschaft herunter.

Eine junge Frau hat sich umgebracht. Alle Familienmitglieder inklusive des künftigen Schwiegersohns trugen ihren Teil zum sozialen Abstieg von Eva Smith bei. Das deckt der Kommissar auf, will uns das Stück glauben machen. Familienoberhaupt Arthur, ein egoistischer Kapitalist, entließ sie, weil sie zu den Rädelsführerinnen eines Streiks gehörte.

Wenig Überraschung

Tochter Sheila beschwerte sich snobistisch in einem Bekleidungsgeschäft über Eva, die dort untergekommen war und daraufhin ihre Stelle wieder verlor. Sie wird zur Geliebten, geschwängert und bei der Suche nach Hilfe abgewiesen. Zwei Wendungen hat Priestley noch eingebaut, wirklich überraschen können sie auch nicht.

Alle Akteure agieren in Echtzeit in einem einzigen Raum. Das heißt, es entwickelt sich ein Kammerspiel. Dafür braucht es starke Schauspieler, die auch präsent sind, wenn sie keinen Text haben und sich trotzdem auf der Bühne aufhalten. Für Freizeit-Mimen eine Herausforderung, die am ehesten Sophia Ahrens als Tochter Sheila und in Teilen Till Warning als Gerald Croft bewältigen.

Regisseur Pißowotzki hat sich eifrig an die Umsetzung der Vorlage gemacht und ihr viel Vertrauen geschenkt. Das heißt, er verzichtete weitgehend auf Regieeinfälle. Das filmische Einspielen einiger Szenen, die unmittelbar vorher bereits im Gespräch geschildert wurden, ist sein einziger Kunstgriff, doch der verlängert den eh schon langen Abend unnötig auf 150 Minuten.

Weitere Vorstellungen: am Freitag, 14. 3, sowie am 15.,18., 21., 22., 25., 26., 28. und 29. März um 20.15 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3. Kartentelefon: 05 51 / 39 70 77.
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