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Regional „Kleiner Mann – was nun?“ feiert Premiere
Nachrichten Kultur Regional „Kleiner Mann – was nun?“ feiert Premiere
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11:00 10.10.2018
Die Probenfotos zeigen Andreas Krüger und Jacqueline Sophie Mendel und in den Hauptrollen des Johannes Pinneberg und seiner Freundin Lämmchen. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Mit der Inszenierung von Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun?“ gibt Peter Christoph Grünberg seinen Abschied vom Jungen Theater. Premiere ist am Sonnabend, 20. Oktober, um 20 Uhr.

1930 in Deutschland: Die Menschen leiden unter der Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und haben Angst vor der Zukunft. Johannes Pinneberg und seine Freundin „Lämmchen“ erwarten ein Kind und heiraten, obwohl ihnen dafür eigentlich das Geld fehlt. Ihr Sohn Horst, genannt Murkel, wird geboren. Pinneberg verliert seinen Anstellung und die finanzielle Situation der kleinen Familie wird immer angespannter. Doch Pinneberg und Lämmchen versuchen, die Hoffnung nicht aufzugeben und ihren Weg zu gehen.

„Kleiner Mann – was nun?“ ist die dritte und bisher größte Inszenierung von Grünberg, gleichzeitig aber auch sein Abschied vom Jungen Theater, denn der Schauspieler und Regisseur verlässt Göttingen und wechselt an das Ohnesorg Theater in Hamburg. Die größte Herausforderung sei es gewesen, die Geschichte auf das fünfköpfige Ensemble zuzuschneiden. Bei der Bearbeitung des Stoffes hat sich Grünberg auf die Inszenierung, die Michael Thalheimer 2013 für das Frankfurter Schauspielhaus erarbeitet hatte, gestützt. Als 2016 erstmals die ungekürzte Urfassung von Falladas Roman erschien, erweiterte Grünberg seine Inszenierung, weil „wunderschöne Dinge dazugekommen“ seien. So sei die Rolle der Lämmchen noch stärker, noch politischer geworden.

Auf drei Schwerpunkt konzentriert

In seiner Version habe er sich auf drei Punkte konzentriert, erklärt Grünberg: Zum einen auf die steigenden Preise und die zunehmende Arbeitslosigkeit, zum anderen auf die Liebesgeschichte und die Frage, was ein Paar in einer solchen Situation zusammenhält. Ihm sei bei der Bearbeitung deutlich geworden, dass Lämmchen der „Dreh- und Angelpunkt“ sei, diejenige, die „versucht, alles zusammenzuhalten“, sagt Grünberg. Der dritte Aspekt, den er in den Blick nimmt, ist die politische Orientierungslosigkeit in der damaligen Zeit. Das Stück endet 1932, als viele gedacht hätten, die Nationalsozialisten würden die Wahl verlieren. Tatsächlich aber übernahmen sie nur wenige Monate später die Macht.

Für Dramaturg Christian Vilmar gibt es in Falladas Roman viele Parallelen zu heute: Von den Arbeitnehmern werde immer mehr verlangt, zum Beispiel immer größere Flexibilität und weite Anfahrtswege. Welche Auswirkungen diese Umstände auf die sozialen Beziehungen von Menschen, auf ihre Freundschaften oder Familien haben, sei noch völlig offen. Auch die politische Entwicklung sei wenig vorhersehbar. „Es ist erschreckend, dass es immer aktuell bleibt“, ergänzt Grünberg.

Zwei neue Mitglieder im Ensemble

Die Überlegung, die Geschichte komplett in die heutige Zeit zu verlegen, sei nicht umsetzbar gewesen, denn sonst hätten bestimmte Konflikte ihren Kontext verloren – zum Beispiel, dass Lämmchen schwanger wird und erst danach heiratet oder auch dass es damals ganz selbstverständlich gewesen ist, dass der Mann die Familie versorgt. Doch es wird Bezüge zur heutigen Zeit geben, als Beispiel nennt Grünberg das Thema der drohenden Arbeitslosigkeit im Theaterbetrieb.

Die Hauptrollen übernehmen Jacqueline Sophie Mendel als „Lämmchen“ und Andreas Krüger als Pinneberg, die damit auch ihren Einstand als neue Ensemblemitglieder des Jungen Theater geben. Das Stück wird im ganzen Raum spielen, nur nicht auf der Bühne, sodass die Zuschauer auf den drei Seiten jeweils eine ganz andere Perspektive auf das Geschehen haben werden, erklärt Grünberg.

Wie er sein Stück enden lassen wird, steht noch nicht fest. Thalheimer habe den Liebenden damals ein Happy End verwehrt – eine Lösung, die Grünberg sich für seine Inszenierung nicht wirklich vorstellen kann. „Ich bin ja auch ein alter Romantiker“, sagt er und lacht.

Von Nora Garben

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