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Klopfen, Kratzen, Klingeln, Knacken, Krachen

Solodrummer Tony Buck im Nörgelbuff Klopfen, Kratzen, Klingeln, Knacken, Krachen

Kalt ist es geworden in Göttingen. Nicht nur die Füße von Weihnachtsmarktbesuchern können da zuweilen einfrieren, auch vor der Technik macht die Kühle nicht halt. Am Donnerstagabend setzt sie im Nörgelbuff ein Effektgerät außer Gefecht. Als das Konzert aber etwas verzögert dennoch beginnt, wissen die Zuschauer sofort, dass sich das Warten gelohnt hat.

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Schafft eine angenehme Geräuschkulisse: Tony Buck.

Quelle: Pförtner

Als letzter Akt in der Reihe „Grenzwerte – Musikalische Improvisationen jenseits der Schubladen“ ist Tony Buck aus Australien zu Gast.  Der 1962 geborene Schlagzeuger ist Mitglied des Trios „The Necks“ und Leader der Band „Peril“, die er zusammen mit Yoshihide Otomo und Kate Hideki in Japan gründete. Neben seinem Erfolg in diversen Formationen ist er auch als Solist ein echter Hinhörer. Seine Projekte hat er in den gut 20 Jahren seiner Karriere zur Perfektion geführt, wobei sein Interesse vor allem der freien Improvisation gilt.

Mit klopfenden, kratzenden, klingelnden, knackenden und ab und an krachenden Tönen führt er die Konzertbesucher auf gekonnte Weise in ein Land der melodischen Schwingungen und Wiederhalle. Ihm gelingt es mit den zahlreichen Instrumenten (unter anderem: Gitarre, Schlagzeug, Glocken, Becken, Kastagnetten) die er synchron spielt, eine angenehme Geräuschkulisse zu schaffen.

Die Blicke des Publikums bannt er außerdem auf sich. Wie schafft es dieser Mann ganz allein so mannigfaltige Klänge zu produzieren? Woher stammt dieses Brummen, woher jenes Scheppern? Was dreht sich dort ohne Unterlass in der blechernen Klangschale und surrt dabei wohlklingend im Kreis?

Die Entstehungsorte der improvisierten Musik  lassen sich teilweise nicht zurückverfolgen, doch wiederkehrende Motive sind zu erkennen. Buck steigert sich, scheint sich nach und nach in seinen Songs wiederzufinden. Am letzten Zipfel der Endlosschleife aus Lauten mit unterschiedlichen Schattierungen angekommen, ist ein deliriumsähnlicher Zustand erreicht.

Nicht nur der Percussionist ist von der Musik völlig eingenommen, den Zuhörern scheint es ebenso zu gehen. Nicht umsonst gilt der Schlagzeuger als einer der besten und wandlungsfähigsten der jüngeren internationalen Generation. Mit technischem und musikalischem Können überzeugt er die begeisterten Göttinger.

Schade, dass die Reihe trotz allem nicht sehr viel Zulauf hatte, ziehen die Veranstalter Andreas Düker und Christian Dreher Bilanz, die als Duo vorab ebenfalls ihr Können unter Beweis gestellt hatten. Sie fragen, ob es sich lohnt ein ähnliches Projekt erneut zu initiieren. Wenn alle Tonkünstler dabei so kreative Performances abliefern wie Buck, sollte dem allerdings nichts mehr im Wege stehen.

Von Sarah Lodder

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