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Mit erstaunlicher Bravour

Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters Mit erstaunlicher Bravour

Bravorufe, stürmischer Beifall in der vollbesetzten Stadthalle: Das Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) am Freitag war ein voller Erfolg.  Auch für den Solisten Hong Yiu Lai am Kontrabass, der in letzter Minute für den erkrankten Bratscher Lawrence Power eingesprungen war.

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Quelle: Hänsch

Göttingen. Ursprünglich stand das Bratschenkonzert von William Walton im Zentrum des Abends. Erst am Tag vor dem Konzert erfuhr GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller, dass Lawrence Power reiseunfähig war. So musste er quasi auf die Minute umdisponieren – und dank der spontanen Bereitschaft des aus Hongkong stammenden Kontrabassisten Hong Yiu Lai, dessen Zeitvertrag am GSO gerade ausläuft, konnte er die Lücke füllen.

So gab es zum Ersatz das Kontrabasskonzert von Carl Ditters von Dittersdorf.Musikalisch ist dieses Werk ist vielleicht etwas leichtgewichtig. Es stellt aber enorm hohe virtuose Ansprüche an den Solisten. Und die bewältigte Lai – 19 Jahre jung, er spielt das Instrument erst seit sechs Jahren – mit erstaunlicher Bravour. Gewiss gab es hier und da ein paar nicht hundertprozentig saubere Töne, doch das wiegt wenig angesichts der bezaubernden Leichtigkeit, mit der Lai sein unhandliches Instrument bis in die höchsten Flageolettlagen behände und elegant traktierte.Das angemessen schlank besetzte Orchester war unter dem präzisen Dirigat Muellers seinem Solisten ein sehr kooperativer Partner.

Als der Beifall aufbrandete, schien Lai von der Begeisterung des Publikums beinahe schon überfordert.Einleitend hatte Mueller Schuberts fünfte Symphonie aufs Programm gesetzt, die er mit wunderbarer Schwerelosigkeit zum Klingen brachte. Den kleinen Moll-Trübungen im ansonsten unbeschwert leichten Melodienfluss verlieh er gerade so viel Nachdruck, dass die Aufmerksamkeit der Hörer sanft auf sie gelenkt wurde. Mehr wäre zu viel gewesen.In den „Enigma“-Variationen von Edward Elgar konnte zum Schluss das Orchester seine Brillanz prächtig entfalten.

Die vielfachen Farbnuancen dieser musikalischen Porträts aus Elgars Familien- und Freundeskreis brachte Mueller zu strahlendem Leuchten, arbeitete die Affektunterschiede der Variationen – hier in ungestümem Tempo jäh auffahrend, dort ganz sanft in zärtlichen Tönen – fein heraus. Die GSO-Musiker folgten ihm mit Enthusiasmus. Hervorgehoben seien der schöne Ton von Solo-Bratsche und Solo-Cello, der helle Glanz der Blechbläser, die filigran verzahnten Holzbläserklänge und die Pauke, die einmal ganz hintergründig-subtil einen Schiffsmotor zu imitieren hat. Perfekt.

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