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Regional Hell strahlende Höhen
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12:16 04.05.2017
In der Johanniskirche: Volker Stegmann, Ludig Güttler und Friedrich Kircheis. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Eigentlich sollte das Konzert schon im Januar stattfinden. Doch eine Entzündung der Oberlippe – „das ist mir zum ersten und hoffentlich zum letzten Mal passiert“ – hatte den 73-jährigen Musiker außer Gefecht gesetzt. Nun holte er den Termin nach. Zwar nicht mit dem Leipziger Bach-Collegium, wie ursprünglich angekündigt. Aber niemand hatte etwas dagegen, dass Güttler stattdessen zusammen mit seinem Dresdner Trompeter-Kollegen Volker Stegmann und seinem jahrzehntelangen Orgelpartner Friedrich Kircheis ein Programm für Trompete(n) und Orgel präsentierte.

Güttler fasziniert sein Publikum mit einem strahlenden, mühelos bis in höchste Höhen reichenden Ton. Das ist in der Kombination mit Orgel besonders eindrucksvoll, denn im Gegensatz zum vergleichsweise starren Orgelklang kann ein Bläser seinen Ton an- und abschwellen lassen, ihn mit leichtem Vibrato schwingen lassen, ihn also sehr lebendig machen und damit die Orgel auf Rang zwei verweisen. Diese Kunst zeigte er in Stücken von Loeillet und Telemann, in einem Choralvorspiel von Bach und im festlichen Konzert für zwei Trompeten und Orgel von Henry Purcell aufs Schönste. An Strahlkraft und Virtuosität steht Volker Stegmann seinem berühmten Kollegen in keiner Weise nach, wie sich gerade in diesem pompösen Schlussstück des Abends zeigte.

Den etwas gedeckteren, weicheren Klang des von Güttler besonders geliebten Corno da caccia präsentierten die beiden Bläser in Choralvorspielen von Homilius und Bach sowie in einem Konzert von Johann David Heinichen. Dass dieses Instrument in der von Güttler entwickelten Bauart mit Ventilen kein originales Barockinstrument ist, tat der Schönheit dieser Musik keinen Abbruch.

Zum Glück hatte Friedrich Kircheis in seinen solistischen Beiträgen viel Gelegenheit zu zeigen, dass die Orgel keineswegs ein zweitrangiges Instrument ist: in Werken von Pachelbel, Händel, Buxtehude und vor allem in Bachs Präludium und Fuge e-Moll BWV 548, einem ausgesprochen virtuosen Werk. Den langen Legatolinien im Spiel des Organisten hätte allerdings eine etwas konturenreichere Phrasierung hier und da gut getan, dann wäre die rhythmische Orientierung für den Hörer deutlich präziser gewesen.

Die Zuhörer in der fast voll besetzten Johanniskirche klatschten so lange, bis sie mit zwei kurzen Zugaben für ihre Begeisterung belohnt wurden.

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