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Regional Konzert mit Zitterbart und den Lüneburgern
Nachrichten Kultur Regional Konzert mit Zitterbart und den Lüneburgern
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14:45 27.04.2017
Claviertage mit Gerrit Zitterbart und den Lüneburger Symphonikern in Göttingen. Quelle: Harald Wenzel
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Göttingen

Wunderschön und fein aufeinander abgestimmt muszierten Zitterbart und das Orchester unter Leitung von Thomas Dorsch zum Auftakt der Claviertage Göttingen. Der Pianist, der souverän die sperrigen Partituren des Komponisten meisterte, hatte eigens den historischen Nachbau eines Flügels der Beethoven-Zeit nach Göttingen geholt. Robert Brown hat das Instrument nach dem Vorbild eines Klaviers gebaut, das Jakob Bertsche 1815 in Wien geschaffen hatte. Den perfekten Rahmen für die drei Werke bot die Aula, die aus dem Jahr 1837 stammt, mit ihrer Akustik.
Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 19 (1795/1801) erklang am Mittwoch als zweites, ist aber das älteste der drei Werke. Es steht noch ganz in der Tradition der Wiener Klassik. Unverkennbar sind der haydnsche Esprit und die mozartsche Empfindsamkeit. Auf ein lyrisches Allegro con brio folgt ein poetisch-sanftes Adagio, bei dem die Klarinetten für eine besondere Klangfarbe sorgen. Zum Wegträumen schön spielten Zitterbart und Orchester. Mit einem forschen Rondo endete dieses Konzert.
Der beethovenschen Wille zur Gestaltung ist im Konzert Nr. 1 C-Dur op. 15 (1795/1800) zu spüren. Pauken und Trompeten setzen in dem größer und sinfonischer angelegten Werk heroisch-dramatische Akzente. Schroff und abrupt ist der Stil der Komponisten, die beethovensche Pranke schon zu hören. Mit einem für den Pianisten anspruchsvollen Allegro von brio geht es los. Weihevoll gestaltet sich das Largo. Rhythmischen Drive entwickelt das Rondo, das wie swingender Jazz klingt.
Die ganze Pause über verbrachte Solist Zitterbart damit, sein Instrument nachzustimmen. Der 85000 Euro teure Flügel hatte empfindlich auf die während des Konzerts gestiegene Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit reagiert.
Mit dem Konzert Nummer 3 c-Moll op. 37 (1803/04) ging es weiter. Beethovens einziges in Moll komponiertes Klavierkonzert entstand während seiner Sturm- und Drang-Zeit. Der Komponist hatte nun seinen Stil gefunden. Das unglaublich fein gearbeitete Werk klingt runder. Beim mittleren Satz, dem herrlich dahinströmenden Largo, springt Beethoven überraschend zu einer weitentfernten Tonart. Mit einem beschwingten Rondo ging das Konzert zuende. Das Publikum applaudierte begeistert.

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