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Konzert mit dem Ensemble „i dodici“ in Bursfelde

Intensive Ausdruckskraft Konzert mit dem Ensemble „i dodici“ in Bursfelde

Um Leben und Tod ging es am Mittwoch in der Klosterkirche Bursfelde. Das Göttinger Vokalensemble „i dodici“ sang Chormusik von Distler, Lechner und Schütz: ein ernstes, anspruchsvolles Programm zum Thema Sterben, das die zwölf Choristen ergreifend präsentierten.

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Intensive Ausdruckskraft: Konzert mit dem Ensemble „i dodici“ in Bursfelde.

Quelle: Michael Schäfer

Bursfelde. Das Konzert war das musikalische Beistück zur Finissage der Ausstellung „Mitten im Leben vom Tod umfangen“ mit großformatigen Holzschnitten der Künstlerin Lisa Huber, die seit 2. Juli im Obergaden – das ist die obere Wandfläche des Mittelschiffs einer Basilika – des Westteils der Klosterkirche gezeigt worden war. Huber hat das mittelalterliche Motiv des Totentanzes mit modernen Mitteln gestaltet. Das hat auf musikalische Weise auch Hugo Distler in seinem Totentanz für Chor a cappella getan, den das Vokalensemble in den Mittelpunkt seines Konzerts gestellt hatte. Dass in diesem Totentanz zwölf Menschen in einen Dialog mit dem Tod treten, passte zufällig, aber perfekt zur Zahl der Sängerinnen und Sänger.

Distler spricht in seinem 1934 uraufgeführten Werk eine gemäßigt moderne Sprache, die 14 Sätze haben beinahe aphoristische Kürze, sind sehr kontrastreich angelegt und fesseln mit ihrer intensiven Ausdruckskraft. Zugrunde liegen Sprüche aus dem „Cherubinischen Wandersmann“ (1675) von Angelus Silesius, denen Texte von Johannes Klöcking nach Motiven des Lübecker Totentanzes gegenübergestellt sind. Die meisten Menschen hadern mit dem Tod, etwa Kaiser, Bischof und Edelmann. Dem Greis aber, auch dem Kind macht der Tod Hoffnung: „Die Seele, welche hier noch kleiner ist als klein, wird in dem Himmelreich der schönste Engel sein.“

Große Intonationssicherheit, feines Ausdrucksvermögen

Die Rolle des Todes ist einem Sprecher anvertraut. Sie gestaltete Wolfgang Loch mit Ernst und Eindringlichkeit. Die Choristen – pro Stimme drei – bewiesen große Intonationssicherheit, feines Ausdrucksvermögen und eine beachtliche Pianokultur. Besonders bemerkenswert ist in im vierstimmigen Satz die Homogenität der Stimmen: Da sticht keine solistisch heraus, jeder achtet auf angemessene Farbgebung. In den kurzen, bisweilen harmonisch herben Sätzen Distlers zeichneten die Sängerinnen und Sänger mit wenigen musikalischen Strichen Gestalten mit Charakter. Für die Koordination sorgt umsichtig der Tenor Tilmann Prautzsch, einen Dirigenten brauchen „i dodici“ nicht.

„Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz

Umrahmt wurde Distlers Totentanz von zwei weiteren Chorwerken. Im transparenten Klang des Ensembles konnten sich die „Deutschen Sprüche von Leben und Tod“ von Leonhard Lechner (1553-1605) besonders schön präsentieren. Die „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz, deren dritter und zweiter Teil den Rahmen dieses fein komponierten Abends bildeten, gerieten dagegen etwas problematisch. Von doppelchörigen Stücken sind zwölf Vokalisten leicht überfordert, ebenso von der im dritten Teil vorgeschriebenen Aufteilung in Favorit- und Kapellchor. Pro Stimme sollten wenigstens zwei Sänger vorhanden sein, hier ergab sich – notgedrungen – eine Mischung aus chorischem und solistischem Gesang. Der lang anhaltende Beifall war dennoch hochverdient.

Das Programm ist noch zweimal zu hören: am Sonnabend, 4. November, um 20 Uhr in der Göttinger Nikolaikirche sowie am Sonntag, 5. November, um 18 Uhr in der Marktkirche in Eschwege.

Von Michael Schäfer

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