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Regional Wincent Weiss erwärmt (Beton-)Herzen
Nachrichten Kultur Regional Wincent Weiss erwärmt (Beton-)Herzen
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00:24 02.03.2018
Mit Gefühl nimmt er seine Fans in der Göttingen Stadthalle für sich ein: Wincent Weiss. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Wincent Weiss hat keine Berührungsängste. Er läuft durchs Publikum – nur auf Socken, es ist schließlich ein Wohnzimmerkonzert –, holt ein 13-jähriges Geburtstagskind mit seiner Mutter für zwei Songs auf die Bühne und singt ein Lied inmitten des Publikums, halb auf einer Stuhllehne, halb auf dem Schoß zweier Mädchen sitzend. Dafür bekommt er bei seinem ausverkauften Akustik-Konzert in der Göttinger Stadthalle viel Liebe von seinen Fans zurück: Sie schwenken Herzballons und Handylichter, schmeißen Kuscheltiere, eine schreit „Wincent, ich liebe dich!“.

Atmosphäre wird nach ein paar Songs lockerer

Es könnte der Verdacht aufkommen, die Musik werde zur Nebensache – die Anwesenheit des charmanten 25-Jährigen reiche, um das Herz der vorrangig weiblichen Fans höher schlagen zu lassen und die Konzertsäle Deutschlands zu füllen. Das stimmt vielleicht. Und trotzdem würde man dem Sänger und seiner Band damit nicht gerecht.

Zwar wirkt die Barszene am Anfang des Konzerts – die Bühne ist eingerichtet wie ein Wohnzimmer, darin eine Bar – etwas zu gestellt, doch die Atmosphäre wird nach ein paar Songs lockerer, auch gesangstechnisch kommt Weiss irgendwann mehr aus sich heraus. Mit „Unter meiner Haut“, dem Lied, das er vor drei Jahren mit dem DJ-Duo „Gestört aber Geil“ aufgenommen hat, lässt er plötzlich alles raus, seine Stimme nimmt mehr Kraft auf, das Publikum erhebt sich von den Sitzen und singt laut mit.

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Wincent Weiss auf „Irgendwas gegen die Stille Akustik Tour“ in der Göttinger Stadthalle.

Seine gefühlvollen – ja, oft schnulzigen – Lieder sind immer dann am besten, wenn das leicht Angeraute in Weiss’ Stimme durchkommt. Wenn er beispielsweise in seinem aktuellen Hit „Frische Luft“ das „Ich will wieder atmen“ etwas heiser wirkend singt. Dann kommen wirklich Gefühle an.

Einen stimmlich mindestens genauso sehnsuchtsvoll klingenden weiblichen Gegenpart hat der Deutschpop-Musiker auch dabei: Lea, deren Songs „Wohin willst du“ und „Leiser“ zurzeit wohl fast genauso oft im Radio gespielt werden wie Weiss’ Songs. Wer sich gewundert hat, dass sie das Lied, das sie bekannt gemacht hat, bei ihrem Kurzauftritt vor Weiss nicht gespielt hat, bekommt später die Antwort: Gemeinsam singen Lea und Weiss „Wohin willst du“ im Duett, Lea spielt dazu Klavier. Die Elektrobeats aus dem Song-Feature mit „Gestört aber Geil“ fehlen nicht. Und Lea zeigt, dass sie mit ihrer klaren Stimme, die so ein beklemmendes Liebeskummer-Gefühl hervorrufen und gleichzeitig tröstend wirken kann, auch allein Konzertbühnen bespielen kann.

Soloparts vom Streicherquartett

Weiss kann das definitiv. Und seine Band – darunter an diesem Abend auch ein Streicherquartett, das in Liedern wie „Ich tanze leise“ Soloparts übernimmt – hilft ihm dabei. Natürlich weiß der junge Sänger mit dem strahlenden Lächeln und den dunkelbraunen Haaren, das Durchwuscheln zwischendurch hat er perfektioniert, wie er sich präsentieren muss. Dass es gut ankommt, wenn er mit dem Publikum auf Tuchfühlung geht, jedem mal die Hand gibt, zwischendurch Selfies im Zuschauerraum macht. Aber das ist auch okay: Denn Weiss erwärmt nicht nur damit, sondern auch mit seiner Stimme und seinen Songs so manches „Betonherz“. So heißt eines seiner Lieder, in dem es darum gehe, dass man innerlich eine Mauer aufbaue, weil man nicht verletzt werden wolle, aber es bei bestimmten Menschen dann doch wieder zulasse, erzählt der Musiker. „Und das ist schön.“

Von Hannah Scheiwe

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