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Trio Laetare ließ Steine singen

Gregorianische Sphärenklänge Trio Laetare ließ Steine singen

Mystische Klänge hat Klaus Fessmann am Sonntag schweren Granitsteinen entlockt. Bei den Bursfelder Sommerkonzerten begleitete er gemeinsam mit einer Hackbrettspielerin gregorianische Gesänge. 100 Zuhörer verfolgten gebannt das Konzert in der romanischen Klosterkirche.

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Trio Laetare: Klaus Fessmann, Andrea Fessmann-Letzing und Georg Baum.r

Bursfelde. Mystische Klänge hat Klaus Fessmann am Sonntag schweren Granitsteinen entlockt. Bei den Bursfelder Sommerkonzerten begleitete er gemeinsam mit einer Hackbrettspielerin gregorianische Gesänge. 100 Zuhörer verfolgten gebannt das Konzert in der romanischen Klosterkirche.

Viele saßen mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen auf ihren Stühlen. Ganz in sich versunken lauschten sie in die Klangräume hinein, die das Trio schuf. Fessmann, der als Professor an der Universität Mozarteum in Salzburg Komposition lehrt, berührte mit dem Kopf fast die auf Hochglanz polierten Granitfelsen. Mit Wasser aus einer Schale befeuchtete er die Steine, rieb dann die Handflächen mit kreisenden Bewegungen am Granit. Die in den Stein geschnittenen Lamellen begannen zu schwingen.

Handballen

Drei Steine, der leichteste 30, der schwerste 70 Kilogramm schwer, hatte der Musiker nach Bursfelde mitgebracht. Zuhause musiziert er noch mit weit größeren, tonnenschweren Steinen, experimentiert mit unterschiedlichem Gestein: Basalt, Marmor oder auch Kalkstein. Mehrere Töne gleichzeitig kann der Musiker seinen Klangsteinen entlocken. „Klavier spiele ich nur mit den Fingerspitzen, Klangsteine mit der ganzen Hand“, sagt er. Mit den Fingergelenken erzeugt er helle, mit den Handballen tiefe Töne. Fessmann verwebt sie zu einem sphärischen Klangteppich, mit dem er auch Herz und Seele berühren will. Kennengelernt hat er die singenden Steine vor Jahrzehnten bei einem oberschwäbischen Bildhauer. Später erfuhr er, dass Klangsteine in China seit Jahrtausenden bekannt ist. Er hat das Spiel über die Jahre verfeinert und dabei die Zusammenarbeit mit Geologen gesucht. Sie ehrten ihn mit dem Preis „Stein im Brett“.

Hackbrett

Zum Trio gehören Sängerin Andrea Fessmann-Letzing und der Musiker Georg Baum, der die Keltische Harfe spielt. Aufgrund einer Krankheit konnte er jedoch nicht nach Bursfelde kommen. Für ihn sprang Lisa Schöttl ein, die seit ihrem sechsten Lebensjahr das Hackbrett spielt, ein Instrument der alpenländischen Volksmusik. Mit zwei Schlegeln werden – ähnlich wie bei einem Klavier – die Saiten angeschlagen. Ein wenig wie ein Piano klingt das Instrument auch, ist aber vielseitiger. Die Schlegel haben eine mit Leder bespannte Seite, mit der sich weiche, warme Töne erzeugen lassen. Auf der anderen Seite sind sie aus Holz, was die Töne härter und kälter macht. Die Saiten lassen sich zudem mit den Fingern zupfen. Das Instrument klingt dann ganz leise und zart. Virtuos wusste die junge Musikerin zu spielen. Harmonisch fügte sie sich in das Trio ein, mit dem sie erst das dritte Mal ein Konzert gab.

Marienlieder

Die gregorianischen Gesänge, Kompositionen des Trios, trug Fessmann-Letzing (Alt) vor. Die studierte Sängerin, die mit Fessmann verheiratet ist, wirkt als Solistin bei Oratorien mit, singt im Konzertchor des Bayrischen Rundfunks und leitet als Dirigentin zwei Vokalensemble. Lateinischen Marienlieder wie Regina Coeli („Himmelskönigin“), Salve Regina („Sei gegrüßt, o Königin“) oder Ave Maria („Gegrüßet seiest du, Maria“) gab sie mit ihrer klaren, raumfüllenden Stimme eine eindrucksvolle Tiefe. Auch das Vaterunser auf Aramäisch, der Muttersprache Jesu, sang die Altistin. In die romanische Kirche mit ihren mächtigen Säulen und den alten Engeldarstellungen am Deckenfries passte diese Musik besonders gut.

Von Michael Caspar

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