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20:26 18.09.2018
Norontaku Bagus Kentus Quelle: r
Göttingen

Tanz als Bindeglied zwischen Kulturformen, Tanz als Anlass zur Kommunikation und Kooperation zwischen Kulturschaffenden – Gedanken wie diese liegen der Tanz-Kultur-Woche in Göttingen zugrunde. Die 2018er-Auflage wird am Sonnabend, 22. September, eröffnet.

Live-Musik und Bewegung zusammenbringen, Literatur und Tanz, internationale und regionale Künstler, Nachwuchstalente und etablierte – Das Festival, das mittlerweile Veranstaltungen auch über die Alte Fechthalle hinaus anbietet, hat sich seit seiner ersten Auflage gemausert. „Seinerzeit wollten wir die Alte Fechthalle, dieses großartige Gebäude, einfach mit mehr füllen als nur einer Abendveranstaltung“, erklärt Judith Kara, die Künstlerische Leiterin. Schon damals habe sie möglichst umfangreiche, teils ungewöhnliche Kooperationen angestrebt. Im Mittelpunkt habe aber gestanden, die Tanzschule Art la Danse zu eröffnen. Heute ist diese eine bekannte Größe, ebenso wie die Tanz-Kultur-Woche, die sich von einer Eröffnungsveranstaltung zu einem angesehenen Festival ausgewachsen hat.

Seien es anfangs freundschaftliche Beziehungen gewesen, die die Künstler zusammengebracht hätten, gebe es inzwischen sogar Anfragen von Künstlern aus dem Ausland, die ein Interesse daran hätten, in Göttingen aufzutreten. „Göttingen hat sich zu einer besonderen Plattform für den zeitgenössischen Tanz entwickelt“, zeigt sich Kara erfreut darüber, dass sich „die Blicke der Tanz-Szene nun auch nach Göttingen richteten – wenn auch die künstlerischen Zentren eher in den Metropolen lägen. „Derzeit spielt sich ganz viel in Berlin ab“.

„Göttingen brauchte ein Festival, damit das gelingen konnte.“ Lia A. Eastwood vom Vorstand des Vereins Kultur in der Alten Fechthalle ist überzeugt davon, dass dies die einzige Chance gewesen sei, die Kunstform in Göttingen einem breiteren Publikum näherzubringen und auch das Netzwerk innerhalb der Region zu vergrößern und fester zu ziehen. „Wir haben schlicht kein Drei-Sparten-Theater“, begründet sie. Somit finde Tanz im öffentlichen Bewusstsein kaum statt.

Entsprechend seien die Kontakte unter den einzelnen Vertretern des Tanzes eher sporadisch gepflegt worden, teils auch Aktivitäten im Verborgenen geblieben. Das wollen die Initiatorinnen des Festivals aufbrechen. Auch den Konkurrenzgedanken hegten sie nicht, sagen sie. „Kooperation ist immer fruchtbarer als Konkurrenz“, so Kare. Erst wenn die Scheuklappen fielen, öffneten sich die Augen für Neues.

Tickets zu gewinnen

Das Tageblatt verlost anlässlich der „8. Tanzkulturwoche Göttingen“ vom 22. bis zum 30. September für jeden Veranstaltungstag zwei Tickets. Wer gewinnen möchte, kann am Donnerstag, 20. September, zwischen 8 und 20 Uhr unter Telefon 0137/8600273 anrufen und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer sowie das Stichwort „Tanzkulturwoche“ und die gewünschte Veranstaltung auf Band sprechen. (0,50 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden benachrichtigt, die Namen können im Tageblatt veröffentlicht werden.

Während sich Eastwood um Förderanträge und Verträge, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit kümmert – aber immer wieder auch als Beraterin in Fragen der künstlerischen Ausgestaltung des Festivals dient, ist Kara diejenige, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit offenen Augen durch die Kunstwelt zu gehen, Künstler zu kombinieren, das Programm zu entwickeln – und nun auch Orte zu finden, an denen das Programm zur Geltung kommen kann. Denn über die Jahre hinweg sei mehr und mehr der Wunsch entstanden, die Region einzubeziehen und spannende Göttinger Locations außerhalb der Alten Fechthalle mit Tanz-Kultur zu füllen. In der Vergangenheit gehörte das Apex dazu, nun werden auch das Deutsche Theater und das Junge Theater während des Festivals erstmals bespielt. Außerhalb Göttingens wird es ebenfalls einen Programmpunkt geben: Ein Gastspiel macht Station im Hann. Mündener Kulturcafé Aegidius.

Inhaltlich soll ein besonderes Augenmerk auf aktuelle Entwicklungen in der Szene gelegt werden, nicht so sehr auf eine möglichst breite Publikumswirkung. „Bei unseren Veranstaltungen sind selten mehr als 100 Menschen. Wir bedienen eine Nische. Und das ist unsere Chance: So können wir die Qualität hoch halten und Experimente wagen“, sagt Kara. Entsprechend würden schwierige Themen wie „Angst“ ebensowenig ausgeklammert wie schwer zugängliche Aufführungsformen wie Live-Schlagzeug und Tanz.

Das Programm 2018, „Runde 8 im Herbst“, sehe unter anderem „zeitgenössischen Berliner Großstadtflair“ in Göttingen vor mit dem jungen Siciliano Contemporary Ballet. Künstler aus dem europäischen Ausland seien ebenso dabei wie Vertreter der afrikanischen, argentinischen und javanischen Tanzkunst. Sie mixten Tradition und Folklore mit Moderne und Avantgarde.

„Auf ausdrücklichen Publikumswunsch wurden erneut Künstler eingeladen, die in vorangegangenen Jahren im Rahmen der TKW aufgetreten sind“, sagt Kara. Darunter Tina Essl aus Erlangen, faux pas, das Tango-Orchester aus Hannover, und regionale Künstler wie Lucile Chaubard, Ove Volquartz, Christoph Schütz sowie die Nachwuchstalente der Göttinger Ballettschule Art la Danse.

Das Programm

Sonnabend, 22. September, 19 Uhr, Alte Fechthalle, Geiststraße 6 in Göttingen: art la danse ensemble, „MIE-DO“.

Angst zum Einstieg? Ist das Thema nicht zu hart zu Beginn eines Festivals? Judith Kara meint nein. „Ich habe keine Angst vor der Angst“, sagt sie. Mit der Choreografie wolle sie die Talente ihrer Schülerinnen herausstellen. Gemeinsam werden sie mit Pamela Zacharias als Solistin auftreten. Die gebürtige Brasilianerin unterrichtet seit 2018 an der Göttinger Ballettschule. Angst werde in „MIE-DO“ in verschiedenen Facetten dargestellt, kündigt Kara an: als Herausforderung, als (Selbst-)Schutz, als Hinweis, als Konflikt und Lösung.

Sonntag, 23. September, 19 Uhr, Alte Fechthalle: Schütz, Morgenstern und Hanne, „Zwitscher-Konvent“

Tanz, Posaune und Stimme zugleich. Was Christoph Schütz sich für sein Programm mit Jürgen Morgenstern (Kontrabass, Stimme) und Willi Hanne (Perkussion, Stimme) vorgenommen hat, klingt nicht nur ambitioniert, sondern nahezu artistisch. „Das geht“, versichert Kara. Gäste der Performance, die als „Fest der schrägen Vögel“ angekündigt ist, erwarten Piepsen, Flirren und Gurren, Krähen, Läuten und Tirilieren: „Die klangliche Vielfalt der Vogelwelt und deren Darstellungen in Poesie und Liedern sind Grundlage der Performance“, heißt es im Flyer. Kara beschreibt es als „fröhliches Treiben und Spiel mit dem Tanz“. Dabei spiele sich die Performance, die für Freilicht-Aufführungen konzipiert sei, in Göttingen in einem besonderen Raum ab: Fänden im Frühjahr in der Alten Fechthalle Konzerte statt, berichtet Kara, sängen draußen die Vögel mit. Mit diesem Konzert werde der Gesang der Tiere nach innen geholt.

Montag, 24. September, 20 Uhr, Alte Fechthalle, Jazz for 4, „Panji“

„Internationale Künstler und Freunde in Göttingen“ – dieses Thema begleite die TKW bereits von Beginn an, berichtet Kara. So auch bei der Musik- und Tanzperformance mit Norontaku Bagus Kentus (Tanz), Gianni Lenoci (Klavier), Gianni Mimmo (Sopransaxofon) und Ove Volquartz (Bassklarinette). Sie bringen die Geschichte Panjis zur Aufführung, eines javanischen Prinzen aus dem 11. Jahrhundert, dessen Leben in einer Sammlung mythologischer Gedichte beschrieben wurde. „In dieser Performance werden die Archetypen der universellen Liebe, Abenteuer, Überwindung von Hindernissen in der Liebe und der Konflikt zwischen Gut und Böse mit traditionellen Gesten und Bewegungen sensibel interpretiert“, heißt es in der Ankündigung. Der Reiz bestehe in der Kombination aus folkloristischen und modernen Elementen, so Kara.

Dienstag, 25. September, 20 Uhr, Apex, Burgstraße 46 in Göttingen, Bardomaniacs: „In 80 Tagen um die Welt“

Eigentlich stelle das Programm eine Reise in achtzig Minuten um die Welt dar, erklärt Kara. Die Bardomaniacs, bestehend aus Bardo Henning (Akkordeon, Stimme), Conny Ottinger (Baritonsaxofon, Stimme) und Andy Kohlmann (Perkussion, Stimme) lassen sich auf diesen gewagten Trip ein. „Auf Ihrer musikalischen Weltreise treffen sie unter anderem auf Madame Gitane, eine italienische Wäscherin, eine orientalische Schönheit, auf Cajun-Tänzer, die untergehende Titanic, einen Didgeridoo-Aussie, auf die wilde Hilde, verfrorene Schweden und auf echte Berliner“, verrät das Programm. Das Ganze ergebe „urbane Folklore“ – und ein Konzert.

Mittwoch, 26. September, 20 Uhr, Deutsches Theater Göttingen, Theaterplatz 11, Siciliano Contemporary Ballet: „Viole Somewhere“

Das Tanzstück von Salvatore Siciliano ist nach Angaben der Veranstalter inspiriert von Motiven aus Lewis Carrols „Alice im Wunderland“. Die Musik stammt von Matresanch, die Choreografie von Salvatore Siciliano. italienische Choreograf werde von Publikum und Presse dank seiner „ausgeprägten Fähigkeit, Ästhetik mit nackten Emotionen und einer Prise Sarkasmus zu kombinieren“, hochgelobt, erklären die Veranstalter. Seine 2015 in Berlin gegründete Compagnie habe sich inzwischen in der internationalen Tanzszene einen Namen machen können.

Donnerstag, 27. September, 19 Uhr, Junges Theater Göttingen, Hospitalstraße 6, Keiga Dance Company: „ Scars of Innocence“

Das Tanzstück von Jonas Byaruhanga unter Beteiligung von Ufuoma Essi thematisiert die Genitalverstümmelung von Frauen. Wie genau die Tänzer das schwierige Thema Beschneidung auf die Bühne bringen werden, ist derzeit noch unklar – das Stück soll erst unmittelbar vor dem Festival in Göttingen beginnen. „Als Auftakt des Abends werden Tanzszenen gezeigt, die Mitglieder der Keiga Dance Company mit Göttinger Schülern während der diesjährigen TKW im Rahmen eines Workshops erarbeitet haben“, kündigen die Veranstalter an.

Freitag, 28. September, 20 Uhr, Café Aegidius, Aegidiiplatz 1 in Hann. Münden, faux pas: „Noche de Tango“

Es tanzen Marina und Henning Buitkamp zur Musik des Tango-Sextetts faux pas. „Folge meinem Schritt, und bleib doch ganz bei dir. Sei einfach Du, und der Tango beginnt.“ – Unter dieses Motto haben die Veranstalter den Abend gestellt. Zu hören sein sollen Klassiker des Tango Argentino sowie Kompositionen von Astor Piazzolla und Richard Galliano, aber auch aktuellen Tangos von Marcelo Saraceni und Martín Palmeri. Die Veranstalter hoffen, den Mitgliedern der in der Region etablierten Tango-Szene einen Abend zum Hören und Schauen zu bescheren, laden aber auch zum Mittanzen ein.

Sonnabend, 29. September, 18 Uhr, Alte Fechthalle, Nightingale Projekt: „I wandered lonely as a cloud“

Lucy Nightingale wird an diesem Abend zu Musik von Lucile Chaubard (Cello) und Pierre Mancinelli (Klavier) tanzen. Inspiration soll ihnen dabei das Gedicht „I wandered lonely as a cloud“ des englischen Romantikers William Wordsworth bieten. Die Veranstalter versprechen eine „emotionale, sinnlich verträumte Reise“.

Sonntag, 30. September, 19 Uhr, Alte Fechthalle, RGB Ensemble: „1 Sekunde Augenblick / Zwischen der Mitte“

Live-Malerei und Tanz treffen an diesem Abend mit Tina Essl und Sascha Banck aufeinander. Musik liefert dazu Schlagzeuger Matthias Rosenbauer. Essl präsentiere eine „Hommage an das kleine Sein, den unerwartenden Moment“, kündigen die Veranstalter an. Ihr Tanzstück beziehe sich auf ein Erlebnis mit einem Straßenpianisten und beschwöre „die Magie des Unbeschreiblichen und das vergängliche Glück des Innehaltens“. Das 2013 von der Malerin Banck gegründete RGB-Ensemble verbindet die Kunstformen Malerei-Projektion, Tanz und Musik durch eine gemeinsame Partitur zu einer künstlerischen Einheit. Die gezeigten Ausschnitte aus dem audiovisuellen Gesamtkunstwerk „Zwischen der Mitte“ zeigen beispielhaft Interaktionen zwischen Tanz, projizierter Live-Malerei und Musik.

Karten im Vorverkauf

Karten gibt es zum Preis von 16,50 Euro pro Veranstaltung (11,50 Euro bei Ermäßigung) im Vorverkauf. An der Abendkasse kosten die Tickets 18 beziehungsweise 13 Euro. Ein Festivalpass für 85 beziehungsweise 60 Euro ist ebenfalls erhältlich. Er beinhaltet alle Veranstaltungen außer Workshops. Karten werden unter anderem in der Geschäftsstelle des Göttinger Tageblatts, Weender Straße 44, angeboten, online hier.

Von Nadine Eckermann

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