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Regional Flut der Bilder
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11:46 06.04.2017
Die Künstlerin Sabine Göbel inmitten ihrer Bilderflut. Quelle: Peter Heller
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Hier das Porträt einer anmutigen Schönheit. Dort der Charakterkopf einer runzeligen Alten. Auf einem anderen Bild ein Teddybär, der, prächtig ausstaffiert, wie eine Jahrmarktsgestalt zu posieren scheint. Schiffe, die im Hafen liegen. Menschliche Figuren, die sich in einer archaischen Landschaft unter dramatischen Wolkenformationen tummeln. Bild um Bild gibt es in den Miniaturen eine Vielzahl an Details, an Figuren, Wesen und Orten zu entdecken, die Fantasiewelten entsprungen scheinen.

Info

Die Ausstellung „Bilderflut. Produktion und Reproduktion“ wird bis 27. April in der Alten Feuerwache in Göttingen, Ritterplan 4, gezeigt. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 13 Uhr.

Doch bei genauer Betrachtung sieht man auch, dass den so zart und flüchtig wirkenden Bildern reale Strukturen innewohnen. Denn für ihre „Findekunst“ verbindet Sabine Göbel Assoziationen, Projektionen und Imagination mit real Gegebenem. Und sie bringt Fotografie, Malerei und verschiedene technische Werkzeuge zusammen.
Bei ihren Spaziergängen, Ausflügen und Reisen achte sie „bewusst auf nicht gegenständliche Motive und Strukturen, die sie als Grundlage für ihre Bilder verwenden“ könne, sagt die Göttingerin. Wegesränder, Wände, Straßenbeläge, Bodenplatten, Kieswege und Schotterpfade finden so Eingang in ihre Arbeiten. Das Herangehen, eine reale Grundlage in Kombination mit Assoziationen, lässt beim Betrachten der Bilder auch kurz an die klassischen Rorschach-Testbilder denken. Zumal die künstlerische Autodidaktin bis 2009 als Psychotherapeutin und -analytikerin praktiziert hat.
Im PC gespeichert, landet das Gefundene auf einem Ausdruck schließlich auf dem Zeichentisch. Aus dem in Serie Fotografierten arbeitet Göbel dann in Mischtechnik malend heraus, was sie assoziiert. Eingescannt gehen die Arbeiten zurück in den Computer und können dann nach vielen Schritten in unterschiedlichen Formaten als Reproduktionen ausgedruckt werden.
„So reihen sich auch Sabine Göbels Bilder ein in die stetig zunehmende Bilderflut“, sagte Jörg Dreykluft vom Galerie-Team der Alten Feuerwache in seiner Eröffnungsrede. „Das klassisch traditionelle Handwerk der Ölmalerei habe ich zu erweitern versucht. Andere Malmittel, andere Werkzeuge machen andere Bilder“, formuliert Göbel ihre Intention.
Neben der „Findekunst“ in rund 100 Miniaturen und großen Drucken werden auch Assemblagen, also Collagen mit plastischen Objekten, als Scans gezeigt. Den Innenraum der Galerie dominiert eine Wandzeitung („My Paper Picture Paper Wall“) in meterlangen, herabhängenden Leporello-Bahnen. Zeitungsausschnitte und -bilder vermischen sich hier mit Bonbonpapierchen, Postkarten und anderem zu Bildergeschichten.

Von Karola Hoffmann

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