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Kunstsammlung der Göttinger Universität ist wieder zu sehen

„Wir haben eine Damen- und eine Herrenwand“ Kunstsammlung der Göttinger Universität ist wieder zu sehen

Drei Jahre lang war die Kunstsammlung der Universität Göttingen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Weil die Ausstellungsräume im Alten Auditorium am Weender Tor umfassend saniert werden mussten, waren die Kunstwerke ausgelagert. Inzwischen ist die Renovierung abgeschlossen, am Freitag, 15. April, wird die Dauerausstellung wiedereröffnet. Die Besucher können dann viele Entdeckungen machen: Die älteste universitäre Kunstsammlung Deutschlands präsentiert sich nicht nur in neu gestalteten Räumen, sondern auch mit einem neuen Konzept.

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Blick in die Skulpturengalerie: Kuratorin Anne-Katrin Sors rückt eine Madonna zurecht.

Quelle: Rink

Ein wesentlicher Unterschied zur früheren Präsentation wird sofort deutlich: Die Dauerausstellung erstreckt sich nicht mehr nur über einen Gebäudeflügel, sondern fast über das gesamte zweite Stockwerk. „Insgesamt haben die Räume eine Fläche von rund 500 Quadratmetern“, erläutert die Kuratorin der Kunstsammlung, Anne-Katrin Sors. Und noch etwas war ihr bei der Neukonzeption der Ausstellung wichtig: Die Besucher sollen immer wieder Neues entdecken können, deshalb wird es häufiger Veränderungen in der Präsentation geben. Dank eines neuen Hängesystems ist es sehr viel einfacher, einzelne Bilder auszuwechseln.

„Wir wollen auch immer wieder Werke zeigen, die noch nie zu sehen waren“, sagt die Kuratorin. Davon gibt es viele, denn die Sammlung ist beträchtlich. Aus der Zeit ihrer Gründung stammt ein großer Bestand an graphischen Blättern sowie niederländischen Gemälden des „Goldenen Zeitalters.“ Seitdem ist sie durch Stiftungen und Ankäufe stetig gewachsen. Derzeit umfasst sie rund 300 Gemälde, 2500 Zeichnungen, 15 000 Blatt Druckgraphik, dreißig Skulpturen und 150 Werke internationaler Videokünstler. Zu den besonderen Schätzen gehören neben Arbeiten von Dürer, Cranach, Rembrandt und Botticelli auch Werke der Moderne, unter anderem von Beckmann, Marc, Nolde und Modersohn-Becker.

Die neue Dauerausstellung ist mit rund 120 Gemälden bestückt. Sors hat sie nach „Kunstlandschaften“ geordnet. So ist ein Raum speziell der italienischen Malerei gewidmet. Hier hängt auch das älteste Werk der Göttinger Sammlung, ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes Gemälde von Lippo Vanni, einem Maler und Buchmaler aus der Schule von Siena.

Der große Ausstellungsraum im Südflügel wird durch Stellwände in verschiedene Themenbereiche unterteilt. Die unterschiedlichen Hintergrundfarben markieren die einzelnen Kunstlandschaften: Die niederländische und flämische Malerei wird vor grünen, die deutsche Malerei vor blauen Farbtönen gerahmt. Die Farbe rot bildet das Zentrum: „Hier zeigen wir die Glanzlichter aus allen Bereichen“, sagt Sors.

Der Flügel gegenüber beherbergt Landschaftsmalerei aus dem 19. Jahrhundert und eine Porträtgalerie. In dieser herrscht strikte Geschlechtertrennung: „Wir haben eine Damen- und eine Herrenwand“, sagt Sors schmunzelnd. Komplettiert wird die Ausstellung durch die Skulpturengalerie im Nebenraum.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde auch die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Klimamessgeräte, Luftbefeuchter, funkgesteuerte Heizkörper und dimmbare Strahler sollen dafür sorgen, dass die Kunstwerke weder durch Licht noch durch Feuchtigkeit Schaden nehmen. Wie gefährdet die bis zu 700 Jahre alten Schätze sind, zeigte sich, als die Gemälde und Skulpturen im Zuge der Auslagerung auf ihre Transportabilität untersucht werden mussten. Die Inspektion ergab, dass zahlreiche Gemälde teilweise erhebliche Schäden aufweisen. Die Universität wirbt deshalb unter dem Motto „Bild sucht Paten“ um Spenden für die Restaurierung der Gemälde.

Zur Wiedereröffnung hat die Kunstsammlung ihre Öffnungszeiten ausgeweitet. Besucher können die Dauerausstellung am Wochenende 16./17. April sowie vom Donnerstag, 21. April, bis zum Ostermontag, 25. April, und vom Donnerstag, 28. April, bis Sonntag, 1. Mai, von 11 bis 17 Uhr besichtigen. Außerdem findet am Donnerstag, 21. April, um 15 Uhr eine Kuratorenführung statt, bei der Sors die Neukonzeption erläutern wird. Am Sonnabend, 30. April, gibt es von 14 bis 16 Uhr eine Mitmachaktion für Kinder, bei der es um das Drucken mit Holz geht. Ab dem 8. Mai finden dann sonntags von 10 bis 13 Uhr wieder die „Sonntagsspaziergänge“ statt.

Von Heidi Niemann

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