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Regional Kunstwerk des Monats Mai
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18:40 29.04.2013
Buhlen um Aufmerksamkeit: die Künste umschwärmen den Künstler. Quelle: EF
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Göttingen

Die bildenden Künste wurden im Verlauf der Renaissance selbst zum Thema der Kunst. Dabei spielten Allegorien mit Personifikationen der Künste eine zentrale Rolle. Diese konnten auf Buchtiteln erscheinen, Künstler auf ihren Selbstporträts begleiten oder im autonomen Galeriebild sich selbst präsentieren.

Auf einer Zeichnung der Uni-Kunstsammlung, die dem Prager Hofkünstler Bartholomäus Spranger (1546-1611) zugewiesen wird, ist ein junger Mann in einem Innenraum zu sehen, der von drei halbentblößten Frauen bedrängt wird. Es handelt sich offensichtlich um einen Künstler, um dessen Aufmerksamkeit die Künste Malerei, Skulptur und Architektur buhlen.

Spranger war ein Hofkünstler Kaiser Rudolf II., der in seiner Kunstkammer auf der Prager Burg Kostbarkeiten versammelt hatte und manieristische Maler beschäftigte. Im Umkreis von Rudolf II. entstanden zahlreiche Allegorien, die die Künste zum Thema hatten. Dabei ging es immer wieder um den Aufstieg der bildenden Künste vom Handwerk zu den Freien Künsten, der 1595 sogar durch ein kaiserliches Dekret besiegelt wurde.

Sprangers Zeichnung scheint in diesen Kontext zu gehören. Denn auch sie thematisiert die bildenden Künste in ihrer Dreizahl sowie das Künstlerselbst, das sich zwischen ihnen zu entscheiden hat.

Die erotische Aufladung der Szenerie dürfte noch auf einen anderen Gedankenkreis hinweisen, der um 1600 zum künstlerischen Allgemeingut gehört, nämlich die Vorstellung von der Liebe zu Malerei. Nur wenn der Künstler mit Liebe („con amore“) seine Werke ausführt, gelingen ihm diese außerordentlich.

Das Göttinger Blatt ist eine Kunst- und Liebesallegorie zugleich, die mit bekannten ikonographischen Versatzstücken aus der Bibel und der Mythologie arbeitet. In der Göttinger Kunstsammlung sind eine Reihe von Allegorien in Vorzeichnungen und zeitgenössischen Kopien erhalten, die für Rudolf II. entstanden sind. Sprangers „Junger Maler mit drei Frauen“ wird daher auch im Kontext des Prager Manierismus um 1600 diskutiert.

Von Michael Thimann

Der Autor Michael Thimann stellt das Kunstwerk am Sonntag, 5. Mai, um 11.30 Uhr im Auditorium, Weender Landstraße 2, vor.

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