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Regional „Anarcho-Clown“ Kurt Krömer
Nachrichten Kultur Regional „Anarcho-Clown“ Kurt Krömer
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00:28 19.04.2018
Oft anzüglich, aber mit Charme garniert: der Berliner „Anarcho-Clown" Kurt Krömer. Quelle: Foto: Linnhoff
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Göttingen

Der Komiker und Kabarettist Alexander Bojcan alias Kurt Krömer wuchs im Berliner Bezirk Wedding auf. Seinen Künstlernamen hat er von einem ehemaligen Deutschlehrer übernommen. „Stresssituation“ heißt sein neues Programm, mit dem er jetzt in der Stadthalle die Besucher zu rhythmischen Ovationen hinriss.

Erste Auftritte auf Kleinkunstbühnen

Eine Ausbildung zum Herrenausstatter ließ er ruhen, absolvierte ab 1993 erste Auftritte auf Kleinkunstbühnen und entschied sich für eine Ausbildung an der Schule für Tanz, Clown und Theater (TuT) Hannover. Seinen nationalen Durchbruch feierte Krömer 2002 bei Dieter Hallervordens Wühlmäusen. Was dann passierte, ist schon wieder Fernseh-Geschichte.

Auszeichnungen

Der „Kurt Krömer Show“ folgte die Talkshow „Bei Krömers“ und „Krömer – Die internationale Show“. Dafür erhielt er Auszeichnungen wie den Deutschen Fernseh- oder den Grimme-Preis. Im Dezember 2014 sagt er dem Fernsehen ade, weil er dort künstlerisch unterzuckert sei, so Krömer.

Bis zum Zerreißen fast überspannt

Zum Warm Up schaut Krömer erst mal ungläubig in die voll besetzte Halle. „Ich bin doch in Göttingen, und heute ist der 15. April?“, fragt er, um dann zurück in die Kulissen zu gehen und laut zu rufen, dass er nicht gewusst habe, dass seine Tour ihn auch in Altersheime führe. Er murmelt etwas von Falten, wie in einem Elefantengehege und fragt, ob er anfangen könne oder ob noch irgendwer auf seinem Zimmer sei. Dann muss die erste Reihe dran glauben, die er mit dem Kommentar „Oh seid ihr hässlich“ beglückt.

Bis zum Zerreißen fast überspannt

Man muss sie mögen, diese freche Berliner Schnauze, die den Bogen gerne mal bis zum Zerreißen fast überspannt. Einmal warm geworden, zündet Krömer ein Feuerwerk an Zoten, Erinnerungen, Beobachtungen, Spitzfindigkeiten und Wortspielereien, oft anzüglich bis vulgär, aber mit Charme garniert. Er arbeitet seine Kindheit mit Erinnerungen an kackbraune Sofas, Schrankwände und mit Fliesen bedeckte, höhenverstellbare Couchtische auf.„Ham wa eigentlich inzwischen ne Regierung?“, fragt er in die Runde und bezeichnet Deutschland als das größte Wartezimmer Europas, allerdings ohne Lesezirkel. Und es habe da einen Überfall gegeben, fährt er fort, bei dem der Täter „Hände hoch oder ich sondiere“ gerufen habe.

Batman, Pinocchio und Papa Schlumpf

Er wisse nicht, was die AfD noch erreichen wolle, die Autobahn hätte doch schon „Jemand“ gebaut. Und bei Gauland sei auffällig, dass er immer das gleiche anhabe. Das kenne er sonst nur von Batman, Pinocchio und Papa Schlumpf. Aber er habe die Hoffnung, das Gauland sich irgendwann die Maske abziehe und Hape Kerkeling darunter hervorkomme.

Punk im Körper eines Sparkassenangestellten

Einblicke in die eigene Biografie gibt er auch. Eigentlich sei er als Punk geboren im Körper eines Sparkassenangestellten. Sein ökologisches Jahr habe er im Berliner Zoo bei den Meerschweinchen abgeleistet, die er im Rudel für ganz hinterfotzige Tiere hält. So seien in Neuseeland 800 Meerschweinchen in ein Haus eingebrochen, hätten den Hausherrn verschleppt und diesen dann einen Abhang hinuntergeworfen.

Viel zu kleine Badewanne

Urkomisch ist seine akrobatische Darstellung des Versuchs, in der viel zu kleinen Badewanne des Hotels, die sich letztendlich als Bidet entpuppt, alle Körperteile zu baden. Und wenn er vergeblich mit ruckartigen Bewegungen versucht, seinen eigenen Hinterkopf auf der hinter ihm befindlichen Leinwand zu sehen, ist das slapstickartige Situationskomik.

Ins Herz geschlossen

„Für den Platz im Saal musstet ihr bezahlen, den im Herzen schenk ich euch. Macht´s gut Nachbarn. tschüss“, sind seine abschließenden Worte. Das Publikum hat ihn offensichtlich ins Herz geschlossen. Wie sonst wäre der donnernde Applaus zu bewerten. Krömer ist Kult.

Von Jörg Linnhoff

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