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„La Tirata“ interpretiert barocke Fantasien des Orients in Duderstadt

Hochzeit statt Konzert „La Tirata“ interpretiert barocke Fantasien des Orients in Duderstadt

Eine Hochzeitsfeier möge man sich vorstellen – kein Konzert. Das empfehlen die Musiker gleich am Anfang ihres Auftritts. Vor dem inneren Auge soll man Mitteleuropäer in türkischen Gewändern und mit einem Turban auf dem Kopf sehen.

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Konzertieren bravourös und virtuos: Das Ensemble „La Tirata“ kombiniert kleinteilige Miniaturen mit komplexeren Werken.

Quelle: Thiele

Duderstadt. Genau so sei es um 1700 bei Feiern zugegangen, als die Herrschenden und Wohlhabenden von der „Turkomanie“ befallen waren. Wie die Musik auf dieser Hochzeit geklungen haben könnte, führte das junge Ensemble „La Tirata“ im Duderstädter Ursulinenkloster vor. Unter dem Titel „Le Parfum Ottoman“ spielte es orientalisch beeinflusste Barockmusik.

Modern sehen die schwarz gekleideten fünf Musiker aus. Geschichtlich inspiriert ist dagegen ihr Spiel auf den historischen Instrumenten. Mit ihnen nähern sich Leonard Schelb (Blockflöte und Traversflöte), Katharina Andres (Oboe), Claudia Engelhard (Violine), Renate Mundi (Viola da Gamba) sowie Dieter Weitz (Cembalo) dem warmen und weichen Klang spätbarocker Tafelmusik.

Der erste Teil des Konzertes war ganz der Verschmelzung europäischer und orientalischer Musik gewidmet: Mit programmatischen Stücken wie „L’Égyptienne“ von Rameau, „Da pena dall’oriente“ von Philidor oder „Marche Tartare“ von Marais spielte das Ensemble Miniaturen und Klang gewordene Fantasien über den Orient. Herausragend war das Solo-Spiel von Dieter Weitz am Cembalo bei „La Favourite“ von Couperin, das durch seinen spannungsgeladenen Spielfluss sehr emotional wirkte.

Im Zentrum des zweiten Teils  des Abends standen die größeren und komplexeren Werke – hier zeigte sich, wie das Quintett als Ganzes atmen kann: Bravourös und virtuos verspielt interpretierte es die facettenreiche „Sonate Nr. 1 h-Moll“ von Händel und Telemanns anspruchsvolles „Quartett G-Dur“ aus seiner Tafelmusik Nr. 1.

Verzückte Bravo-Rufe gab es, als Leonhard Schelb das „Concertino turco nominato izia semaisi“ von Toderini vortrug. Auf der Blockflöte schmückte er die Töne dieser türkischen Melodie so spannungsreich und phrasierte so authentisch, dass sein Spiel dem Duktus der Sufi-Kultur ganz nahe kam.

Das zufriedene Publikum in der sehr gut besuchten Klosterkirche spendete viel Applaus. Das Konzert bewies, wie inspirierend es ist, wenn zwei Kulturen aufeinander treffen. So gesehen war dieser musikgeschichtliche Rückblick zukunftsweisend.

Von Udo Hinz

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