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Regional Leipziger Buchmesse: Göttinger Wallstein Verlag erhält Kurt-Wolff-Preis
Nachrichten Kultur Regional Leipziger Buchmesse: Göttinger Wallstein Verlag erhält Kurt-Wolff-Preis
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20:50 15.03.2013
Der Wallsteinverlag in Göttingen Quelle: Archiv
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Leipzig/Göttingen

Beim Bier in einer Göttinger Studentenkneipe entstand die Idee zur Gründung des Wallstein Verlags. Eigentlich wollten Thedel von Wallmoden, Dirk und Frank Steinhoff 1986 auf diese Weise nur die Endphase ihres Studiums finanzieren. Doch auf einen Kneipenführer, Busfahrpläne und Speisekarten folgten literarische Entdeckungen und 1992 mit Ruth Klügers „Weiter leben. Eine Jugend“ sogar ein Weltbestseller. Die Erinnerungen der gebürtigen Wienerin wurden seither allein in deutscher Sprache mehr als eine halbe Million Mal verkauft.

26   000 Euro dotierte Auszeichnung

Am Freitag wurde der Wallstein Verlag auf der Leipziger Buchmesse mit dem mit 26   000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Preis für besondere verlegerische Leistungen geehrt. Wallstein insbesondere für die sorgfältig und anspruchsvollen Editionen. „Ganz große Erfolge in unserer Branche sind oft ganz große Zufälle“, sagt Verleger von Wallmoden, der nach dem Ausstieg der Steinhoff-Brüder 72 Prozent der Inhaberanteile hält.

Als Doktorand am Institut für Germanistik der Uni Göttingen hatte Wallmoden die Gastprofessorin Klüger kennengelernt. Als der Suhrkamp Verlag die Veröffentlichung ihrer Autobiografie ablehnte, bekam der junge Wallstein Verlag den Zuschlag. „Das Buch hat eine ganz neue Art Holocaust-Literatur angestoßen“, sagt von Wallmoden. „Es war neu, in dieser Art über den Völkermord an den europäischen Juden zu sprechen, ohne die schrecklichen Details zu wiederholen.“ Der 54-Jährige möchte Bücher machen, die bleiben – Marksteine, wie er sagt.

Deutschsprachige Literatur im Zentrum

Schwerpunkte im Programm sind die Epoche der Aufklärung und die Zeit des Nationalsozialismus. Der Verlag kooperiert mit zahlreichen Institutionen, unter anderem ist er deutscher Partner der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Vor acht Jahren stieg Thorsten Ahrend als Gesellschafter mit 20 Prozent der Verlagsanteile ein. Der ehemalige Suhrkamp-Lektor hat ein Belletristik-Programm aufgebaut. „Im Zentrum steht die deutschsprachige Literatur. Wir machen viele Debüts“, sagt Ahrend. Zahlreiche Erfolge konnte seine Sparte seither verbuchen, etwa Maja Haderlaps Roman „Engel des Vergessens“ – für einen Auszug daraus wurde die Österreicherin 2011 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.

22 feste Mitarbeiter begleiten bei Wallstein 130 bis 140 Neuerscheinungen im Jahr. Der Umsatz liegt bei etwa drei Millionen Euro. Die Zukunft anspruchsvoller Bücher - ganz gleich ob Belletristik, Wissenschaft oder Editionen - sieht von Wallmoden nicht bedroht. „Das Buch hat den Weg ins digitale Zeitalter perfekt überstanden“, ist er überzeugt.

Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse ist nach der Buchmesse in Frankfurt die zweitgrößte Deutschlands. Sie ist nicht nur ein Besuchermagnet, sondern auch ein maßgeblicher Impulsgeber für den deutschen Büchermarkt: Auf der jährlich im März abgehaltenen Messe präsentieren die Verlage ihre Neuerscheinungen für den Frühling. Darüber hinaus ist sie nicht zuletzt mit dem Preis der Leipziger Buchmesse nationales Forum für die Ehrung von Autoren, Übersetzern und Verlegern.

Bis zum Sonntag präsentieren sich auf dem Frühjahrstreffen der Buchbranche mehr als 2000 Aussteller aus 43 Ländern. Sie zeigen mehr als 100 000 Titel, darunter 20 000 Neuerscheinungen. Länderschwerpunkt ist wie bereits im Vorjahr Literatur aus Polen, der Ukraine und Weißrussland.

Die 2800 Veranstaltungen an mehr als 365 Orten von „Leipzig liest“ tragen die Buchmesse auch in die ganze Stadt. Auf Europas größtem Lesefest treffen sich Literaturgrößen und Neueinsteiger zum publikumswirksamen Austausch.

Über 90 Schulen präsentieren in diesem Jahr die Neuigkeiten auf dem Jugendbuchmarkt. Zur Buchmesse gehört die Verleihung hochdotierter Preise. Die Leipziger Buchmesse dauert bis Sonntag, 17. März, und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet (leipzig-messe.de, leipzig-liest.de).

Von Christina Sticht

Die Leipziger Volkszeitung bietet einen Livestream mit allen Interviews bekannter Autoren unter http://bit.ly/YRTfPJ

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