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Regional „Die Herrlichkeit der Saturnringe“
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00:18 27.09.2017
Birgitta Assheuer und Gerhard Thiele Quelle: Peter Heller
Göttingen

Die Tagebuchaufzeichnungen des Physikers, der seit 1987 im Astronautencorps des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) Mitglied ist und 2001 elf Tage im Weltraum unterwegs war, bildeten einen Teil der Lesung. Birgitta Assheuer las dazu aus literarischen Texten von Johannes Kepler bis Rainer Kunze. Bardo Henning untermalte die Lesung mit teils sphärischen, von ihm komponierten, Klängen und mit bekannten Melodien: Star Trek, Space Oddity oder Fly Me To The Moon.

Bogen von der Wirklichkeit zur Fiktion

Heute sind die technischen Möglichkeiten gegeben, um per Bemannter Raumfahrt den Mond und den erdnahen Weltraum zu erkunden. Das ferne Universum muss ebenfalls nicht mehr nur durchs Teleskop interpretiert werden. Am Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) sind Instrumente, wie Bordkameras und Roboter, entstanden, die mit Satelliten ferne Planeten und Kometen ansteuerten und Foto- und Messergebnisse lieferten, die auf der Erde ausgewertet werden. Prof. Ulrich Christensen, Direktor am MPS, sprach denn auch von der Faszination der Erkundung ferner Sterne und Planeten: „Solche Überraschungen wie in der Weltraumforschung erlebt man auf keinem anderen Gebiet der Forschung.“ Die Lesung, so der MPS-Gastgeber in seiner Begrüßung, werde „den Bogen von der Wirklichkeit zur Fiktion spannen“.

Das ergab sich aus dem Konzept von Ulrich Woelk: Nüchterne Tagebucheinträge des Astronauten werden einer fein auf die Thiele-Erlebnisse abgestimmten Text-Collage gegenübergestellt. So nüchtern wie Thiele liest, so variationsreich setzt Assheuer ihre Stimme ein für die unterschiedlichen Textstile und -stimmungen. Darin beschreibt Kepler die Geistertour zu den Planeten mit betäubten Menschen, die als Schlimmstes die Aufstiegsbewegung der unwirklichen Reise fürchten müssen. Und Thiele erzählt von seinem Raketenstart am 11. Februar 2001, der ihm sieben Sekunden wie eine Ewigkeit vorkommen lässt – bis er endlich hört, dass die Feststoffraketen zünden.

Thiele erzählt von Alltäglichem an Bord des Space Shuttles: 19 Stunden-Schichten, Antennenprobleme, Nahrungsaufnahme und Gewöhnung an die Schwerelosigkeit – und immer wieder vom faszinierenden Blick auf die Erde, auf die Kontinente und Ozeane. Aber er blickt auch ins weite All: „Wie ein zerbrechliches Spielzeug“, beschreibt er, „die Herrlichkeit der Saturnringe“, die er aus 16 Millionen Kilometern Entfernung sieht.

Wie eine Reise durch unendliche Weiten

Und Assheuer wiederum lässt keck mit „es glitzert Venus, Juno lacht“ hören aus „Der Komet“ von Erich Mühsam. Oder bringt überraschend, aber doch auf titanische Quasare bezogen, mit einer Passage aus John Updikes „Bessere Verhältnisse“ ein literarisches Gegengewicht vor. Zu alle dem immer wieder schön, wenn auch im vorderen Bereich des MPS-Seminarraums oftmals zu laut, fast schrill, klingende Melodien von Jazzmusiker Bardo Henning. Das Konzept des Regisseurs Woelk ist aufgegangen: 90 Minuten wie eine Reise durch unendliche Weiten in einem gelungenen Mix aus wahrheitsgetreuen Tagebuchaufzeichnungen und fantasievollen literarischen Texten.

Der Abend „Über Sternenreisen und Weltraumalltag“ war Teil des gut dreiwöchigen Literaturfest Niedersachsen zum Thema „Raum“. Um „Beziehungen“ wird es im nächsten Jahr vom 6. bis 23. September gehen, kündigte der Veranstalter des Literaturfestes Niedersachsen, die VGH-Stiftung, an.

Von Angela Brünjes

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