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Liebesgeschichten zwischen Witz und Wehmut

Max Raabe Liebesgeschichten zwischen Witz und Wehmut

Max Raabe ist zurück. Nach etwas mehr als einem Jahr stehen der Weltstar und sein Palast Orchester wieder auf der Bühne der ausverkauften Göttinger Stadthalle. Und erneut beginnt eine phantastische Zeitreise mit dem Mann, der ins vergangene Jahrhundert gerutscht zu sein scheint.

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Humor und dezente Zurückhaltung: Max Raabe und sein Palast Orchester.

Quelle: Heller

Diesmal hat er andere Lieder mitgebracht. „Raabe-Pop“ nennt der 48-Jährige das. „Küssen kann man nicht alleine“ heißt sein erstes Album, bei dem er fast alle Stücke selbst komponiert hat, gemeinsam mit Annette Humpe (Ich & Ich,). Von ihr stammt auch die Textzeile für das Titelstück, die wie für Raabe erdacht scheint. „Vom Grundcharakter heiter“, nennt Raabe diese Musik, mit der er immerhin auf Platz 3 der Album-Charts gelandet ist.

Er trifft mit den Liedern den Humor der Zeit. Sein Publikum gibt ihm Recht. Gut amüsiert sind die Besucher des Stadthallen-Auftritts, daran lassen sie keinen Zweifel. Max Raabes dezente Zurückhaltung hat Stil. Er steht entweder im Scheinwerferlicht am Mikrofon, und wenn die Musik im Vordergrund steht, geht er drei Schritte zurück, lehnt sich mit gekreuzten Beinen lässig an Ian Wekwerths Flügel. Dass dieser Musiker ausgerechnet mit dem Film „Der bewegte Mann“ den populären Durchbruch schaffte, ist wohl Ironie des Schicksals. Dass der Bariton auch abrocken kann - für seine Verhältnisse – hat er kürzlich bei einem Auftritt mit Annette Humpe bei der Echo-Verleihung gezeigt, als er bei dem Ideal-Klassiker „Berlin“ mitgesungen hat.

Raabe ist bei seinen Konzerten sein eigener Moderator. „Wenn Sie unseretwegen hier sind, könnte es meinetwegen ein schöner Abend werden“, sagt er, nachdem er zum Auftakt „Ich bin nur wegen Dir hier“, gesungen hatte. Ein Stück von der neuen CD, das natürlich, wie fast jedes seiner Lieder, von der Liebe handelt, mal melancholisch, mal heiter. Allerdings auch, und das ist ungewöhnlich, von Eisbär Knut, Günther Jauch und Brad Pitt, einem einsamen Agenten (In geheimer Mission) oder einem schüchternen ICE-Fahrgast (Doktor, Doktor). Sechs Stücke spielt das Orchester von der aktuellen CD. Der übrige Teil des zweistündigen Programms besteht aus den gewohnten 20er- und 30er-Jahre-Klassikern: „Mein Gorilla hat ne Villa im Zoo“ ist dabei, der Tango „Eine Nacht in Monte Carlo“, eine kubanische Rumba und natürlich „Mein kleiner grüner Kaktus“.

Über das Palast Orchester kann man nur eins sagen. Die elf Musiker und Geigerin Cecilia Crisafulli spielen erstklassig, und sie überzeugen durch dasselbe Maß an Humor wie Raabe. Ein blubberndes Trompetenduett im Badewasser, Klingglöckcheneinlage, Pfeifkonzert und schmissige Choreografien untermalen die heiteren Texte. Und auch den rührenden, melancholischen Part der Stücke vertonen die Musiker perfekt. Zudem überzeugt das Orchester mit überraschenden Soli. Ganz groß: Rainer Fox am Basssaxofon und Crisafullis Geige.

Max Raabe und das Palast Orchester bescheren ein Konzert voller verträumter kleiner Liebesgeschichten zwischen Witz und Wehmut. Sie beschließen den Abend mit einem Schlaflied zum weiter träumen. „Die Erde wird sich weiter dreh’n“, heißt es dort. Und wenn Raabe in ein, zwei Jahren wiederkommt, wird es in der Stadthalle wieder voll sein. Vielleicht sind es diese unkomplizierten Geschichten über das wesentliche Thema der Menschen, die seine Musik so beliebt machen.

Von Eida Koheil

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