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Regional „Liederabend“ mit Jochen Distelmeyer
Nachrichten Kultur Regional „Liederabend“ mit Jochen Distelmeyer
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14:39 27.09.2018
Jochen Distelmeyer im Literarischen Zentrum. Quelle: Jörg Linnhoff
Göttingen

Jochen Distelmeyer ist Sänger, Gitarrist und Texter der 1990 gegründeten und für gesellschaftskritische Texte bekannten Band „Blumfeld“. Nach der zeitweiligen Auflösung der Band begann Distelmeyer eine Solokarriere und veröffentlichte 2015 seinen ersten Roman „Otis“.

Aufgeräumt erscheint Distelmeyer gemeinsam mit Kaiser im gut besuchten Literarischen Zentrum. Er halte Mitchell für die wichtigste weibliche Künstlerin dieses Jahrhunderts. Die erste Frage Kaisers, wie Distelmeyer zur intensiven Auseinandersetzung mit Mitchell gekommen sei, führt gleich zum Thema der offenen Gitarren-Stimmungen. Als Musiker habe er diese „Open Tunings“ auch für sich entdeckt und sei dabei auf Mitchell gestoßen, deren Musik durch diese Technik geprägt sei. Dadurch scheinen ihre Akkorde eindrucksvoll frei und offen zu schweben.

Das Frühwerk Mitchells stelle für ihn eine gewisse Herausforderung dar, gesteht Distelmeyer. Bis zum Album „Court and Spark“ habe ihn der helle, feenhafte Gesang Mitchells gestört. Dieser wirke verstellt und dem damaligen Frauenideal angepasst, denn sie habe von Beginn an eine Alt-Stimme gehabt, die dann auf späteren Alben soulig, funkig klang. Außerdem sei sie Zeit ihres Lebens Chef ihres Tuns gewesen, ohne sich in irgendeiner Form anzubiedern und habe nach dem ersten jedes ihrer Alben selbst abgemischt.

Früh wird klar, dass der Abend kaum ausreicht, um alle Facetten Mitchells zu beleuchten. Und so werden einzelne Phasen mit teils großen Sprüngen unterhaltsam überbrückt mit Einspielern von Songs der jeweiligen Zeit.

Lieblosigkeit in dem puritanischen Elternhaus

Zwei tragende Schicksalsschläge haben Einfluss auf Michells Leben und ihre Songs gehabt. So sollte sie in der Vorstellung ihrer Eltern ein Junge werden. Zur Lieblosigkeit in dem puritanischen Elternhaus kam eine frühe Erkrankung an Kinderlähmung. Anderthalb Jahre verbringt sie daraufhin achtjährig in einem 150 Kilometer entfernten Lazarett, ohne dass die Eltern sie dort besuchen, schafft es aber, die Krankheit alleine zu besiegen. Zurück bleibt eine leichte Lähmung der linken Hand, die dazu führt, dass sie beim Gitarrespielen die offenen Stimmungen bevorzugt.

Ihr zweites Trauma ist eine Schwangerschaft während sie 1962 eine Kunsthochschule besucht. Völlig mittellos, muss sie das Kind in einem Armenhaus großziehen und dort zurücklassen, um es später zur Adoption freizugeben. Erst viele Jahre später kommt es zu einem Wiedersehen. So sei letztendlich der Preis, den sie gezahlt habe, um sich als Künstlerin durchzusetzen, groß gewesen, erwähnt Distelmeyer sichtlich berührt. Zeit ihres Lebens sei sie auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit gewesen, ohne diese wirklich zu finden.

Innere Zerrissenheit

Viele meist kurze Beziehungen mit namhaften Künstlern zeugen von ihrer inneren Zerrissenheit. Diese wird gegenwärtig in dem 1971 veröffentlichten Album „Blue“, das mit seiner schonungslosen Offenheit in den Texten einen ersten Höhe- und Wendepunkt in Mitchells Karriere darstellt. Es sei wichtig für einen Musiker, Stücke in uns fühlen zu lassen, wer wir sind und was wir brauchen, so Distelmeyer, die Arbeit eines Künstlers sei die Arbeit an sich selbst. Immer wieder hebt Distelmeyer die große Musikalität Michells hervor, die sich mehr und mehr dem Jazz zuwendet und auf dem Album „Hejira“ mit dem Jazz-Bassisten Jaco Pastorius einen inspirierenden Partner findet.

Bei allem, was man von Mitchell nicht verstehe, sei er dankbar, ihre Musik zu Hause hören zu können, resümiert Distelmeyer. Ein unterhaltsam informativer Abend endet mit dem eindrucksvollen Michell-Song „Both Sides Now“ in einer Orchesterversion, bei dessen Aufnahme einige der Londoner Symphoniker geweint haben sollen. Am 7. November feiert Joni Mitchell ihren 75. Geburtstag.

Von Jörg Linnhoff

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