Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Literaturherbst: Wallwitz über David Hilbert
Nachrichten Kultur Regional Literaturherbst: Wallwitz über David Hilbert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:04 13.10.2018
Eröffnung des 27. Literaturherbstes in der Paulinerkirche. Der Autor Georg von Wallwitz stellt sein Buch "Meine Herren, dies ist kein Badeanstalt" vor. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Bevor Wallwitz sein detailreiches Tableau der Mathematiker-Zunft zur Zeit Hilberts ausbreitete, führten Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Kreisrat Marcel Riethig, beide SPD, ein Podiumsgespräch mit den Literaturherbst-Machern Stephan Lohr (Organisator) und Johannes-Peter Herbold (Geschäftsführer). Einig waren sie sich in der Kritik an der „bescheidenen“ (Lohr) Förderung, die das Land Niedersachsen dem Festival zukommen lasse. Riethig: „Das Land ist in der Pflicht. Wir setzen auf unsere Abgeordneten.“ Herbold zeigte sich hoch erfreut über den Publikumszuspruch: Zu Festivalbeginn sei bereits ein Drittel der Veranstaltungen ausverkauft.

Eberhard Bodenschatz, Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation und mithilfe des Deutschen Theaters kostümiert als David Hilbert mit weißem Stehkragen und Hut, führte ins Thema des Abends ein. Dafür hatte er eine historische Kostbarkeit mitgebracht: eine Rundfunkaufnahme mit einem Ausschnitt der Rede „Naturerkennen und Logik“, die Hilbert 1930 auf dem Kongress der Gesellschaft der Naturforscher und Ärzte gehalten hat. Sie endet mit dem selbstbewussten Bekenntnis „Wir müssen wissen. Wir werden wissen.“ Das Tondokument ist im Internet zugänglich.

Revolution von Hilberts Schreibtisch aus

Sein Buch über Hilbert sei kein wissenschaftliches Werk, er habe es eher essayistisch angelegt, sagte der studierte Mathematiker Wallwitz. Wenn man literarisch schreibe und nicht wissenschaftlich, könne man weitere Bögen spannen, ohne alles mit Fußnoten belegen zu müssen. Einen solchen weiten Bogen beschrieb Wallwitz gleich zu Beginn seines zugleich unterhaltsamen und fundierten Vortrags. Die mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Revolution des 20. Jahrhunderts sei im Grunde von Hilberts Schreibtisch ausgegangen. „Ob Atombombe oder Computer: Überall hat Hilbert seine Finger dran gehabt.“

Er stellte den Lebensweg des 1862 in Königsberg geborenen Mathematikers im Kontext seines wissenschaftlichen Umfelds vor. Wohl am wichtigsten für Hilbert war der Kommilitone Hermann Minkowski, mit dem er beim Mathematikstudium in Königsberg „meistens auf Spaziergängen gelernt“ habe. Dabei habe er erfahren, wie wichtig es sei, seine Gedanken im Dialog zu entwickeln.

Taktgeber der Mathematik

Bald habe Hilbert die Fachwelt auf sich aufmerksam gemacht, sodass ihn Felix Klein 1895 nach Göttingen holte. Hier habe Hilbert dann sein Lebensthema gefunden, ein System voneinander unabhängiger Axiome, von denen aus lückenlos geführte Beweisketten möglich seien. Mit der Formulierung von 23 mathematischen Problemen, die Hilbert 1900 in Paris präsentierte, sei er endgültig „der Taktgeber der Mathematik des 20. Jahrhunderts“ geworden.

Als 1902 auch Minkowski nach Göttingen kam, seien hier mit Klein, Hilbert, Minkowski und Carl Runge „die mächtigsten Hirne ihrer Zeit“ auf dem Gebiet der Mathematik versammelt gewesen – die ihre Gedanken immer donnerstags pünktlich um drei Uhr bei Spaziergängen auf dem Hainberg austauschten.

Von Michael Schäfer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Lesung mit Astrophysiker Harald Lesch in Duderstadt fällt aus. Sie müsse wegen einer Erkrankung verschoben werden, heißt es vom Veranstalter.

13.10.2018

Das für die Kombination aus Barock- und Folkmusik bekannte Trio „Gentle Spirits“ hat in der Klosterkirche St. Christophorus in Reinhausen in dieser Woche Aufnahmen für eine neue CD eingespielt.

13.10.2018
Regional Literaturherbst - Vortrag über Hilbert

Der Göttinger Literaturherbst wurde am Freitagabend eröffnet. Georg von Wallwitz sprach über David Hilbert.

12.10.2018