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Luise Kinseher zu Gast im Apex

"Einfach reich" Luise Kinseher zu Gast im Apex

"Einfach reich“ heißt das Programm, das Luise Kinseher am Sonnabend im ausverkauften Apex präsentiert hat. In breitem Bayerisch und stets genüsslich gerolltem R ulkte und ratschte sie sich durch den Abend, bis das Publikum begeisterte Zugaben forderte.

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Schlüpft in viele Rollen: Kabarettistin Luise Kinseher.

Quelle: Heller

Kinseher gibt eine schwer begüterte Karrierefrau in schwarzem Hosenanzug, mit neuem Porsche vor der Tür und einem Haus, das bis zur Decke mit Dingen voll gestopft ist, die sie eigentlich nicht braucht, aber doch hat. Wie etwa die 17 Korkenzieher, von denen einer so praktisch und modern ist, dass er von der Küche bis ins Wohnzimmer reicht oder dem metallischen Ding mit Loch in der Mitte, das keinen Namen hat und von dem auch niemand so recht weiß, was es nun eigentlich sein könnte – ein Diätlöffel oder doch eher eine Stehhilfe für Männer, deren Manneskräfte schwinden?

Wie es bei den wirklich Reichen dann oft kommt: Auch Kinseher begreift, dass all der Tand und Putz keinen wirklichen Wert hat und braucht dringend eine Auszeit. Vor allem von ihren Mitarbeiterinnen Frau Rösch und Frau Lachner, die sich überengagiert und feurig zu streiten beginnen, wenn es um die Frage nach dem Verbleib der Abendkasse oder dem Bestand vermeintlich reicher Männer in den ersten Reihen des Publikums geht. Dazu gibt auch die angezwitscherte Maria ihren Senf und die alte Frau Frese, die von ihrem 88-jährigen, faltigen Mann Heinz erzählt, dass er inzwischen aussehe, als sei er sich selbst zwei Nummern zu groß geworden.

Auf sie alle will Kinseher nun nicht mehr hören. Sie hat es so richtig satt und will weg. Statt auf dem Jacobsweg zu pilgern, hat sich die verwöhnte Karrierefrau eine Alm gekauft, um so richtig arm und glücklich sein zu können, um ein einfaches Leben zu leben: „Auf der Alm, da habe ich meine Hütte und meine Kuh. Mehr brauche ich nicht. Außer vielleicht meine EsprPessomaschine.“ „Auf der Alm, da gibt’s dann nur noch ehrliches Essen: Almkäs’ und Brrrot. Und vielleicht mal ein Steinpilzcarpaccio.“

All diese überaus kommunikativen Figuren mit ihren kurios losen Mundwerken bekommt Kinseher mühelos unter einen Hut und schlüpft in sekundenschnelle von der einen in die andere Figur, verwandelt sich nur mit Hilfe von Mimik und Stimme in Hochgeschwindigkeit von der einen Spinatwachtel in die nächste. Ob sie laut und ordinär muht, ausdauernd und schrill jodelt oder im Hosenanzug über die Bühne stöckelt. Die Vollblutkabarettistin geht in diesem ausufernden Figurenszenario so richtig auf und nimmt die Bühne mit ihrer ganzen Person und vor allem ihrer kräftigen Stimme ohne Zimperlichkeiten ein. Wenn alle so unaffektiert wären wie Kinseher, wäre meine Forderung: mehr Frauen auf die Kabarettbühnen!

von Indra Hesse

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