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„Mal sehen, wie mich die Muse küsst“

Tageblatt-Interview mit Katharina Franck „Mal sehen, wie mich die Muse küsst“

Vor 23 Jahren gründete Katharina Franck die Band Rainbirds. 1987 veröffentlichte sie ihren kommerziell erfolgreichsten Hit „Blueprint“. Heute ist die Liedermacherin mit Band unterwegs und gastiert bei der „Night of the Clubs“ am Sonnabend, 14. November, in Göttingen. Vorab hat Corinna Berghahn mit ihr über frühe Hits und ihre aktuelle Musik gesprochen.

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Aufgewachsen in Portugal: Katharina Franck.

Quelle: EF

Sie kommen am Sonnabend in die Alte Mensa Göttingen zur „Night of the Clubs“. Sind Sie davor schon mal in Göttingen aufgetreten?
Ja, das ist aber sehr lange her. Wenn mich nicht alles täuscht, war das mit den Rainbirds 1998 oder 1999 im Moments.

Spielen Sie auf den Konzerten noch das Lied „Blueprint“?
Ja. Zu meinen Konzerten kommen einerseits Leute, die immer wiederkommen, und wissen, dass ich es spiele. Und es gibt Leute, die vielleicht annehmen, dass ich es nicht mehr spielen will. Manche sind dann überrascht und freuen sich.

Das Lied war die erste Single und gleichzeitig verkaufstechnisch ihr größter Erfolg. Ärgert sie das?
Nö, wieso soll mich das ärgern? Gleich zu Anfang bin ich ziemlich groß eingestiegen, aber das macht mir das Leben nicht schwer. Im Übrigen war ja nicht „Blueprint“ allein, sondern das ganze Album erfolgreich. Als ich angefangen habe mit dem Musizieren, hatte ich nicht die Vorstellung: „Ich stürme die deutschen Charts und bleib da für immer drin.“

Und was haben sie sich am Anfang vorgestellt?
Meine Vorstellung war, Sängerin und Songwriterin zu werden, meine eigenen Songs zu spielen und dann mit ihnen auf Tour zu gehen. Und das war für ein Mädchen, dass in den 1960/1970er Jahren im konservativen Portugal groß geworden ist, eine ganz schön gewagte Formulierung. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich tatsächlich meine eigene Band, die Rainbirds, gegründet habe, mit der ich auch ausschließlich eigene Sachen gespielt habe. Dann kam sofort der große Erfolg. Aber es ging ja von da an weiter. Und wenn man mit dieser Einstellung an die Sachen ran geht, ist man auch nicht gleich enttäuscht, wenn es mal nicht so gut läuft.

Sie sind seit mehr als 20 Jahren im Musikgeschäft – was hat sich da für Künstler am meisten geändert?
An meiner Arbeitsweise hat sich nicht so viel geändert. Abgesehen davon, dass ich natürlich viel mehr Erfahrung habe und dass ich vielleicht auch hier und da noch konkreter weiß, wie man an bestimmt Dinge heran geht. Ich bin ja inzwischen auch die Produzentin meiner eigenen Alben. Und bei meinen anderen Projekten, den Hörspielen, bin ich auch als Produzentin verantwortlich. Das sind natürlich Sachen, die man erst im Laufe der Zeit machen kann und sich auch zutraut.

Inwiefern hat sich die Musikbranche gewandelt?
In den 1980er Jahren war das A und O für einen Künstler, bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag genommen zu werden. Jetzt ist es so, dass die großen Plattenfirmen von ihren Künstler immer mehr Selbstständigkeit erwarten, der Künstler aber teilweise einen sehr hoher Prozentsatz seiner Einnahmen an die Plattenfirma abgibt. Deshalb ist es für Leute, die selbstständig bleiben oder mit einer Gruppe von Freunden ihre eigenen kleinen Labels gründen, eine sehr, sehr gute Zeit.

Welche Auswirkungen hat das Internet auf diese Entwicklungen?
Das Internet ermöglicht es, unabhängig von großen Firmen sein Publikum zu erreichen. Das bedeutet aber nicht, dass es einfacher ist, denn durch die Menge an Plattformen und die Masse an Informationen ist es schwierig, immer dafür zu sorgen, dass die Leute mitkriegen, was man gerade macht und wo man gerade ist. Früher hieß es auch, man solle oder könne gar immer nur rund um eine neue Veröffentlichung touren, weil sich darauf schließlich die gesamte Promopower konzentriert. Und so habe ich das auch meistens gehalten. Diesen Sommer hab ich mir jedoch eine Konzertagentur gesucht, die viel mehr Konzerte für mich bucht. Denn es macht mir Spaß zu spielen, inspiriert mich und ich kann auch mal neue Sachen vorspielen, die noch nicht erhältlich sind.

Wie unterscheidet sich ihre damalige Musik von der heutigen?
Ich finde eigentlich nicht, dass es sich so wahnsinnig unterscheidet. Einfluss auf meine Songs haben natürlich auch die Hörspiele und die Arbeit mit Sprache. Ich habe mich auch früher schon nicht immer an die typische Popsong-Abfolge gehalten, aber ich setze das jetzt viel bewusster ein. Auch bei der Zusammenarbeit mit anderen Musikern weiß ich genauer, wohin ich mit dem Song möchte, oder kann meine Vorstellungen konkreter ausdrücken.

Woran arbeiten Sie aktuell?
Im Augenblick vertone ich deutsche Texte, die für mich geschrieben wurden, und schreibe auch selber Songs auf Deutsch. Ich habe keinen Plan dafür, aber möglicherweise wird eine nächste Veröffentlichung von mir, ob nun als Album auf CD oder als einzeln produzierte Stücke, die man sich im Internet runterladen kann, auf Deutsch sein. Mal sehen, wie mich die Muse küsst.

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