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Mal wieder ein Konzert zu Hause: „Stahlmann“ im Exil

Live-Auftritt Mal wieder ein Konzert zu Hause: „Stahlmann“ im Exil

Archaische Gestik, Beschwörung der Dunkelheit und Monster-Attitüde. Manche Musiker können einem richtig Angst einjagen. Die vier silbernen Männer von „Stahlmann“ arbeiten fleißig an einem gruseligen Image, sind aber wahrscheinlich nette Jungs, und gute Musiker sowieso. Die tun also nichts, die wollen nur spielen – und zwar ihr neues Album „Adamant“ im Live-Club Exil.

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Neue Deutsche Härte: Der silberner Mann am Mikrophon ist „Stahlmann“-Sänger Martin Soer.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Mit „Herzlich Willkommen in der Dunkelheit“ beginnt die Göttinger Band ihr Konzert, die seit ihrer Gründung im Jahr 2008 eine steile Karriere hingelegt hat. Sänger Mart weiß, wie man düster ins Publikum blickt. Als dann das Intro wegen technischer Probleme abgebrochen werden muss, macht sich auf seinem Gesicht aber gleich ein sympathisches Grinsen breit, das auch sein stahlharter Teint nicht zu kaschieren vermag.

Kontakt zum Publikum

Sowieso wird an diesem Abend viel gelacht, die Band pflegt den Kontakt zum Publikum gerne und ungezwungen. Ihre Musik hingegen ist da weniger versöhnlich: Wer keine brachiale Wand aus E-Gitarre, Bass und Schlagzeug mag, hat vermutlich noch weniger Freude an der reizvoll-tiefen Stimme, die von „Hass“ und vom „Engel der Dunkelheit“ kündet. Aber solche Themen gehören einfach zum Konzept der Neuen Deutschen Härte, die maßgeblich durch die Band „Rammstein“ geprägt wurde.

„Stahlmann“ ist dieses oft angeführten Vergleichs müde geworden, muss ihn sich aber weiterhin gefallen lassen. Die Songs von „Adamant“ erzeugen mit vollen Gitarren und Elektrobeats viel Energie und funktionieren gut – aber gehorchen nach eben der Logik ihres Genres, was keiner Entschuldigung bedarf.

Vorband „Märzfeld“

Bei ihrer musikalisch ebenso versierten Vorband „Märzfeld“ ließ sich eine interessante Beobachtung machen, die dieser Verbindung aus Rock und Metal schon oft zu schaffen machte: Eine Band aus offensichtlich überzeugten Franken, die sich ausgerechnet nach einen Musterungs- und Exerzierplatz der Merowinger benennt, der im Dritten Reich für Parademärsche der Wehrmacht dienen sollte, muss nicht darüber schimpfen, dass man sie vorsichtshalber gleich mal in die rechte Ecke schickt.

Vermutlich ist „Märzfeld“ in Wirklichkeit genauso lieb wie „Stahlmann“. Hofft da etwa jemand auf den Rammstein-Effekt? Schade, denn ihre Musik wäre für einen Durchbruch Grund genug.

Von Jonas Rohde

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