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Malerische Ausbildung in Rom und Bologna

Kunstwerk des Monats Malerische Ausbildung in Rom und Bologna

Jeden Monat präsentiert die Kunstsammlung der Universität Göttingen im Alten Auditorium am Weender Tor ein Objekt aus ihren Beständen. Es wird mit einem Einführungsvortrag vorgestellt. Diesmal: Johann Dominicus Fiorillos „Heilige Familie“.

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1820 von Fiorillo gemalt: „Heilige Familie“.

Quelle: EF

Fiorillo dürfte vielen Göttingern kein Unbekannter sein, ist doch sogar eine Straße der Stadt nach ihm benannt. Doch dass eines seiner Bilder als Kunstwerk des Monats vorgestellt wird, mag manchen erstaunen, ist doch der Göttinger Professor als Kunsthistoriker weitaus bekannter denn als bildender Künstler. So gilt Fiorillo heute als Begründer der universitären Kunsthistoriografie. Dies liegt auch begründet in seiner reichen und unermüdlichen publizistischen Tätigkeit. Aus dem malerischen Werk des ersten Kustos der Universitätskunstsammlung sind leider nur wenige Exemplare bekannt. Es stellt also einen ausgesprochenen Glücksfall dar, dass sich die von Fiorillo 1820 geschaffene „Heilige Familie“ ausgerechnet im Besitz der Universitätskunstsammlung Göttingen befindet.

1781 kam Johann Dominicus Fiorillo als Zeichenlehrer an die Universität Göttingen, sein Tätigkeitsfeld weitete sich schnell aus, so dass er bald auch Kunstgeschichte unterrichtete. Fiorillo nutzte die seit den Schenkungen Uffenbach (1770) und Zschorn (1796) im Besitz der Universität befindliche Graphik- und Gemäldesammlung intensiv für die Lehre. Ein Schwerpunkt Fiorillos lag dabei auf der Kunst der Renaissance. Er wurde damit zu einem der wichtigsten kunsthistorischen Vermittler für einige der führenden Köpfe der Frühromantik. Unter ihnen war beispielsweise Heinrich Wackenroder, dessen Schriften wichtige Impulsgeber der Nazarener werden sollten. In dieser Konstellation ist die spannende künstlerische und kunsttheoretische  Auseinandersetzung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere auf dem Feld der religiösen Malerei, bereits vorgezeichnet.

Fiorillo selbst gehörte in seinen Auffassungen und Darstellungsmodi im Wesentlichen noch dem 18. Jahrhundert an. Seine malerische Ausbildung in Rom und Bologna in den 1760er Jahren hat er nie verleugnet, dementsprechend ist sie auch in der gut fünfzig Jahre später entstandenen Göttinger „Heiligen Familie“ evident. Im Œuvre Fiorillos gibt es – soweit heute bekannt – kein weiteres Gemälde religiösen Inhalts. Dies legt einen besonderen Impuls für die Auseinandersetzung mit der Thematik nahe. Interessante Aspekte ergeben sich ebenfalls in ikonografischer Hinsicht, so beispielsweise aus der Tatsache, dass diese Heilige Familie dem Betrachter zunächst gar nicht so heilig entgegentritt, aber trotzdem als solche erkannt wird. Fiorillo konnte mit der Kunst, die sich aus den literarischen Einflüssen seiner Schüler in Rom mit der nazarenischen Bewegung entwickelte nichts anfangen. Er polemisierte in seinen Schriften heftig gegen die jungen Künstler. In diesem Zusammenhang stellt das Göttinger Gemälde in seiner gesamten Erscheinung und im Entstehungskontext ein programmatisches Bild im Zuge der künstlerischen Auseinandersetzungen der Zeit dar.

Julia Diekmann stellt den Johann Dominicus Fiorillo im die religiöse Malerei im 19. Jahrhundert am Sonntag, 7. Oktober, vor. Beginn der Veranstaltung ist um 11.30 Uhr im Hörsaal Audi 11, Weender Landstraße 2 in Göttingen.

Von Julia Diekmann

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