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Marc-Uwe Kling liest „Känguru“-Geschichten

Beuteltier gegen Kapitalismus Marc-Uwe Kling liest „Känguru“-Geschichten

"Ich lebe mit einem Känguru zusammen“, sagt Marc-Uwe Kling. Kling hat die „Känguru-Chroniken“ geschrieben und weitere Kapitel mit dem Beuteltier nachgelegt. In kurzen, aber zahlreichen Abschnitten erzählt er vom Leben mit dem Känguru, einem aufdringlichen und ziemlich direkten Vieh, das oft nervt – vor allem, wenn es nicht da ist.

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Seltener Moment: Marc-Uwe Kling lächelt auf der Göttinger Lesebühne.

Quelle: Vetter

Göttingen. Jetzt war Kling auf Einladung des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses der Göttinger Universität zu Gast im Zentralen Hörsaalgebäude, eine mehr als ausverkaufte Veranstaltung.

Zwei Gitarren und ein E-Piano auf der Bühne? Kling kann mehr als nur lesen. Ein bisschen Saiteninstrumente, etwas mehr Klavier und selbst geschriebene Liedtexte ohne Känguru, aber genauso intelligent wie mit. Nach Peter Licht klingen Klings Lieder über das Leben. Über das von Christian Wulff beispielsweise, wenn er von den christlichen Unternehmerfreunden singt, die er sich wünscht, weil sie so großzügig und selbstlos sind. Im Zentrum bleibt aber das Känguru.

Wer kennt denn das Tier nicht, will Kling zu Beginn wissen. Einer meldet sich. „0,3 Prozent also“, notiert der Känguru-Erfinder, „vielleicht aber auch ein Scherzkeks“. Also wissen mehr als 99 Prozent der Besucher an diesem Abend Bescheid, „es ist ja auch ein Programm für Fortgeschrittene“, erklärt Kling – und führt den Pinguin ein, ein Nachbar von Känguru und Kling, ein spionierender. Das Känguru geht in den Untergrund, Kling bleibt traurig zurück.

Partys und Punk, Therapie und Leben

Das ungefähr ist der Rahmen für absurde kleine Geschichten voller Freundschaft und Zusammenleben, Partys und Punk, Therapie und Leben. Brisant wird das Ganze, weil Kling ein kleiner, aber gemeiner Gesellschaftskritiker ist. Sein Känguru ist Kommunist und entlarvt den Kapitalismus, alles schön durch die Hintertür. Das hat Substanz und vor allem ganz viel Witz.

Kling liest mit großer Lakonie. Er bleibt dauergelassen, bewegt sich wenig, auch im Gesicht. Manchmal schmunzelt er, manchmal bewegt er die feingliederigen Hände durch die Luft. Aber nur ein bisschen.  Dafür ist er umso wacher. Mittendrin vermittelt er Mitfahrgelegenheiten nach Kassel und Hildesheim oder improvisiert beim Lesen, weil irgendwer schon mal die Reinigungsmaschine in Gang gesetzt hat.

Und dann bringt er immer wieder echte Zitate, die er Fremdsprechern in den Mund gelegt hat. Das Wittgenstein-Zitat „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“, lässt er Fußballnationalspieler Lukas Podolski sagen. Und den Werbespruch „Have a Break. Have a Kit Kat“, schreibt er dem außerirdischen Katzenfreund Alf zu. Kleine, aber feine Schmankerl.

„Nicht witzig“

Am Eingang übrigens erhielten alle Besucher zwecks Identifizierung einen Stempel auf die Hand gedrückt. „Nicht witzig“ stand darauf sehr pessimistisch zu lesen. Auch Kling hatte einen dabei und markiert mit „witzig“ seine Zettel mit Programmpunkten, die beim Publikum ankamen. Wohl kaum einer blieb ungestempelt.

Aber Kling kann auch streng sein. Er mache jetzt ein bisschen russische Folklore, sprachs, griff sich die Gitarre und legte los. Einige Besucher wollten ihn nicht hängen lassen und starteten rhythmisches Klatschen. Kling stockte: „Das ist mir jetzt zu viel Folklore.“ Danke.

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