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Regional Markus Dietz inszeniert Puccinis Oper „Turandot“ im Staatstheater Kassel
Nachrichten Kultur Regional Markus Dietz inszeniert Puccinis Oper „Turandot“ im Staatstheater Kassel
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16:57 31.03.2015
Turandot (Kelly Cae Hogan) und Calaf (Hector Sandoval). Quelle: Klinger
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Kassel

Präsentiert wurde die vor 13 Jahren von Luciano Berio komplettierte Fassung.

Regie führte Markus Dietz, Oberspielleiter des Kasseler Schauspiels, der sich seit einigen Jahren auch dem Musiktheater zuwendet. War das Publikum von der Musik einhellig begeistert, so schieden sich an der Inszenierung die Geister: Die Buhrufe beim Erscheinen des Regisseurs waren unüberhörbar, das zustimmende Echo allerdings überwog.

Dietz liebt das Plakative, ins Auge Springende, die große Geste. Er stellt gern Szenen, die die gesamte Bühnenbreite ausnutzen und mittels einer mit Leuchtröhren bestückten Decke, die sich schräg über die Spielfläche senken kann, in der Vertikalen verengt sind. So entsteht eine echte Breitwand-Turandot. Was durchaus zum pompösen musikalischen Stil Puccinis passt, keine Frage.

Die Bühne, entworfen von Ines Nadler, ist kahl. Sie wird aber des Öfteren hochgefahren oder abgesenkt, sodass sich Räume verändern. Dies bietet viel Platz für den Chor, der in dieser Oper eine der Hauptrollen spielt. Die bühnenbreite Hinterwand nehmen Projektionen ein: fließende rote Farbe, also Blut, der Sternenhimmel, der Mond, das Gesicht der Prinzessin, am Ende die Antworten auf ihre drei Rätselfragen: Sangue (Blut), Speranza (Hoffnung), Turandot.

Es war nicht genau auszumachen, woran sich die Buhrufer störten. Möglicherweise an der Kargheit, die eine derart stilisierte Inszenierung mit sich bringt: Orientalischen Zauber mag man in dieser Umgebung vermissen. Aber für traditionelle Märchenbuch-Illustrationen eignet sich der Turandot-Stoff kaum. Eines allerdings gibt zu denken: Mit dem Breitwand-Charakter dieser Inszenierung korrespondiert im musikalischen Bereich eine bisweilen ungehemmte Liebe zum Forciert-Lauten. Zumindest in der ersten Hälfte vermisste man angesichts der ausgedehnten Fortissimo-Strecken zurückgenommenere Töne, für die Dirigent Patrik Ringborg sonst eher ein Garant ist.

Sei’s drum, die Klänge des dritten Aktes zeigten sehr wohl, dass das Ensemble zu mannigfachen musikalischen Differenzierungen in der Lage ist. Das bewiesen auch die drei Protagonisten der Oper: die Met-erfahrene amerikanische Sopranistin Kelly Cae Hogan mit enormer Stimmkraft und glänzender Höhe in der Titelpartie, der aus Mexico stammende Tenor Hector Sandoval als Calaf, der den Puccini-Hit „Nessun dorma“ ausgesprochen kultiviert, durchaus mit metallener Stärke, aber ohne Kraftprotzerei präsentierte, und als zutiefst bewegende Liù die Sopranistin Ani Yorentz, der eigentlich noch mehr lyrische Weichheit zu Gebote steht, als sie in diesem Umfeld einzusetzen wagte. Die drei subtil komischen Männer Ping, Pang und Pong, dramaturgisch fein zu den wilden Gefühlsstürmen im Hauptgeschehen kontrastierend, waren mit Espen Fegran, Tobias Hächler und Paulo Paolillo kompetent und ausgesprochen farbig besetzt.

Seine Riesenaufgabe bewältigten Chor und Extrachor des Staatstheaters (Einstudierung Marco Zeiser Celesti) nicht immer mit Bravour, aber durchweg mit Konzentration und ohne hörbare Anstrengung trotz des geforderten großen Stimmvolumens. Ein Sonderlob gebührt dem Kinder- und Jugendchor Cantamus (Einstudierung Maria Radzikhovskiy) für seine hervorragende Leistung. Das exquisite fernöstliche Klangbild der Turandot-Partitur zeichnete das Orchester unter dem leidenschaftlichen Dirigat Ringborgs nuancenreich nach.

Die nächsten Vorstellungen: 4., 10.und 29. April, 16. und 26. Mai, 3., 6. und 27. Juni, 10. und 23. Juli um 19.30 Uhr sowie am 3. Mai um 18 Uhr und am 21. Juni um 18 Uhr in der Staatsoper Kassel, Friedrichsplatz. Kartentelefon: 05 61 / 10 94 222.

Von Michael Schäfer

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