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Mehler inszeniert Brecht

Kultur / Deutsches Theater Göttingen Mehler inszeniert Brecht

Nein, ein Brecht-Spezialist sei er nicht, sagt Regisseur Christoph Mehler. Aber er mag Brecht-Stücke. Und deswegen inszeniert er „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ im Deutschen Theater (DT) Göttingen. Premiere ist am Sonnabend, 14. Oktober im Großen Haus.

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Lust auf Klassiker: Christoph Mehler.
 

Quelle: Swen Pförtner

Göttingen.  Es ist Mehlers dritter Brecht. „Baal“ habe er am Deutschen Theater Berlin auf die Bühne gebracht, „das war ich noch sehr jung“. In Weimar dann später „Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. Jetzt also den Puntila, und Mehler meint: „Es ist fantastisch.“ Er „inszeniere gerne Klassiker“, sagt Mehler. Bei den neuen Stücken sei es „selten, dass etwas so viel Wucht hat - und so viel aushält“. Mehler schätzt die kantige Sprache, „Steine, die man im Mund hat. Ich arbeite extrem über Sprache.“

Brecht schreibe fürs Theater, erklärt Mehler und listet die Vorzüge der Texte auf: Pathos, Größe, Rhythmus, Humor. Und: „Brecht denkt in Bildern.“

Nur vier Schauspieler sind bei der Produktion besetzt. Mit Gabriel von Berlepsch („Er ist ein Freund geworden“) und Dorothée Neff hat er bereits bei der Inszenierung „Wunsch und Wunder“ im DT zusammengearbeitet. Neu im Ensemble sind Volker Muthmann und Judith Strößenreuter. „Beide sind ein Megagewinn“, meint Mehler. Berlepsch, im richtigen Leben schlank, wird den Puntilla mit viel Leibesfülle spielen, Muthmann gibt den Knecht Matti. Neff ist Tochter Eva, die den Attaché heiraten soll. Der wird gespielt von Strößenreuter, einer Frau. „Brecht lässt das sofort zu“, sagt Mehler, die Bühnefigur auch. Sie sei eine „Fake-Existenz“. Doch Mehler arbeitet nicht nur mit den vier Profis, er hat auch einen 18-köpfigen Chor aus Theaterlaien zusammengestellt, „die Arbeiter des Puntila-Hofes“. 18 Leute zu dirigieren, „das ist irrsinnig viel Arbeit.“

Über seine Regie-Handschrift sagt Mehler: „Ich bin kein Freund von Trump-Perücken oder AfD-Videos.“ Auf die Wurzeln des Theaters will er sich besinnen, „ich suche Theater wieder dort, wo es herkommt“. Die Bühne sei komplett nackt, Mehler setzt auf Schauspielkunst.

Er sei kein politischer Regisseur, erklärt Mehler und setzt doch politische Statements. „Wenn Puntila heute etwas wäre, wäre er ein Großkonzern, und die Knechte wären wir.“

Die Premiere der Inszenierung „Herr Puntila und sein Knecht“ am Sonnabend, 14. Oktober, im Großen Haus des Deutschen Theaters Göttingen, Theaterplatz 11, beginnt um 19.45 Uhr. Karten: telefonisch unter 05 51 / 49 69 300 oder online im GT-Ticketshop

Von Peter Krueger-Lenz

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