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Meilensteine türkischer Literatur

Göttingen: Zweisprachige Lesung Meilensteine türkischer Literatur

Ein Land mit seiner Literatur erkunden: Dieses Ziel verfolgt die Robert Bosch-Stiftung mit der Publikationsreihe „Türkische Bibliothek“. Eine Lesung in türkischer und deutscher Sprache stellt vier Werke der Reihe in der Göttinger Buchhandlung Deuerlich vor. 

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Vielfalt nicht nur auf dem Umschlag: „Kultgedichte“.

Quelle: Unionsverlag

Viele Werke der gegenwärtigen türkischen Literatur dürften die meisten deutschsprachigen Leser überraschen: Sie hat sich im 20. Jahrhundert aus der islamischen Kulturgeemeinschaft gelöst, mit der Tradition ihrer höfischen Hochliteratur gebrochen. Nach Tschechien und Polen hat die Robert Bosch-Stiftung seit 2005 die Türkei und ihre Literatur im Blick. Neben der Freiburger Islamwissenschaftlerin Erika Glassen ist Jens Peter Laut, Direktor des Seminars für Turkologie und Zentralasienkunde der Universität Göttingen, Herausgeber der „Türkischen Bibliothek“. Nach seinen Angaben ist die Resonanz auf das Projekt „sehr groß“, auch in der Türkei.

Die Förderung durch die Robert Bosch-Stiftung ermöglicht dem Projekt die Zusammenarbeit mit versierten Übersetzern und ein Fachlektorat. „Türkisch ist eine schwere Sprache, sehr schwierig“, erklärt Turkologe Laut. So sei der Anspruch, eine literarisch-wissenschaftliche Übersetzung zu liefern, schon bei der Übersetzung anspruchsvoll. Dass dabei sowohl die Sprach- als auch die Literaturwissenschaftler auf ihre Kosten kommen, liegt an überraschenden Inhalten, die türkische Autorinnen und Autoren bieten. 

Wahre Herausforderungen

Herausgeber Laut, auch Experte für alttürkische und osmanische Literatur, ist begeistert ist begeistert von der Bandbreite der bisher mehr als 20 Titel, die die „Türkische Bibliothek“ bilden.  „Meilensteine der türkischen Literatur von 1900 bis in die unmittelbare Gegenwart“ präsentiertdie im Schweizer Unionsverlag erscheinende Reihe. Sie wenden sich an deutschsprachige Leser. Darunter sind auch Rezipienten türkischer Herkunft. Diese bringe die Lektüre, so Laut, „vielleict auch zurück zu türkischer Literatur“. Möglicherweise auch zu den Originalfassungen. Die aber sind oft auch für Muttersprachler wahre Herausforderungen: Die türkische Sprache ist einem schnellen Wandel unterworfen. Aktuelle Ausgaben des 1900 erschienenen Romans „A‚sk-i Memnu“ (Verbotene Lieben) haben zahlreiche Erklärungen, um die damalige Sprache verständlich zu machen. 

Aber inhaltlich ist „Verbotene Lieben“ von Halid Ziya U‚sakligil nicht nur ein Sittengemälde der Istanbuler Oberschicht, sondern literaturgeschichtlich der Beginn der modernen türkischen Literatur. Neben „Verbotene Lieben“ werden Passagen aus zwei weiteren Romanen („Die Stadt mit der roten Pelerine“ und „Die Schattenlosen“) bei der zweisprachigen Lesung vorgestellt und zwei „Kultgedichte“ aus dem gleichnamigen Band. Der ist eine empfehlenswerte Sammlung: 16 Gedichten in türkisch und deutsch folgen Kommentare dazu von bekannten türkischen Autoren.

Mitarbeiter und Studierende des Seminars für Turkologie und Zentralasienkunde gestalten die Lesung. Sie soll auch dazu beitragen, „ein Türkeibild zu präsentieren, was jenseits der üblichen Vorstellungen ist“, wie Herausgeber Laut die Zielsetzung der „Türkischen Bibliothek“ beschreibt. 

„Türkische Bibliothek“: Vorstellung von drei Romanen und einem Gedichtband am Mittwoch, 24. Juni, um 20 Uhr in der Göttinger Buchhandlung Deuerlich, Weender Straße 33. 

Von Angela Brünjes

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