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Melancholie mit Fünkchen Hoffnung

Stefan Honig mit Band Melancholie mit Fünkchen Hoffnung

Der Singer-Songwriter Stefan Honig hat nicht nur einen sympathischen Namen, der irgendwie süß klingt, sondern ist auch noch gelernter Kindergärtner und somit wohl wirklich ein liebenswerter Typ. Dazu kommt, und das ist in der weiten Welt des Indie-Irgendwas weiß Gott nicht selbstverständlich, dass er das Gitarrenspiel tatsächlich beherrscht und seine angenehme Stimme vielseitig und souverän einzusetzen weiß. Das bewies er zusammen mit seiner vierköpfigen Band in der Bar des Jungen Theaters Göttingen.

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Ex-Kindergärtner: Stefan Honig.

Quelle: Theodoro da Silva

Dennoch ist er noch nicht an einem Punkt in seiner Karriere angelangt, an dem man sein Publikum unentschuldigt 40 Minuten warten lässt. Auch die Frage, wer schon alles seine neueste Platte gekauft hat, war taktisch unklug. Selten hat eine so unschuldige Frage eine derart unangenehme Stille erzeugt. Aber genug der Unkenrufe, denn sofern Herr Honig noch ein wenig erwachsener wird, werden solche Momente bald der Vergangenheit angehören. Naja, und wenn der Drummer nicht mehr während des Konzertes aufs Klo muss – und dann auch tatsächlich geht.

Aber irgendwie war der Abend dann doch richtig gut, was sehr für die Musik spricht. Honig, der jahrelang in einer Metalband gespielt hat, scheint sich neu erfinden zu wollen: Seiner Musik mischt er eine Menge Folk bei, dem typischen Wechsel aus Strophe und Refrain zieht er oftmals lineare Formen vor, deren Intensität zum Ende kulminiert. Seine Stimme hat dabei nicht nur einen beachtlichen Tonumfang, sondern auch noch ein wandlungsfähiges Timbre. Wer sich ein wenig auskennt, hört bei seinem zweiten und neuesten Album „Empty Orchestra“ sofort die instrumentalen und stimmlichen Parallelen zum Norweger „Moddi“, obwohl Honigs Form der Melancholie immer auch einen Funken Hoffnung zu versprühen scheint und damit kein bloßer Abklatsch bleibt.

Was für ein interessanter Künstler, der gerade am entscheidenden Punkt seiner Karriere steht. Das musikalische Rüstzeug für den ganz großen Durchbruch ist vorhanden, ob der jedoch tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten. Honig selbst hat seinen Hauptberuf als Erzieher jedenfalls schon an den Nagel gehängt.

Von Jonas Rohde

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