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Melodie-Zitate und wirkungsvolle falsche Töne

Kammermusik Melodie-Zitate und wirkungsvolle falsche Töne

Das Streichquartett ist eine der intellektuell anspruchsvollsten Sparten der Kammermusik: Da geht es weniger um Genuss als um „Arbeiten des Geistes in geistfähigem Material“, wie es Eduard Hanslick einmal ausgedrückt hat.

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Spielt mit Spaß und Genuss: Geigenhofquartett mit Wojtek Bolimowski, Dmitry Feinschmidt, Lucile Chaubard und Oksana Labach (von links) im Alten Rathaus.

Quelle: Hinzmann

Doch in der Serenade mit dem Göttinger Geigenhofquartett am Montag im gut besetzten Alten Rathaus ging es eher um Spaß und Genuss als um Arbeit.

Das Eröffnungsstück des Abends, das „Sonnenquartett“ von Joseph Haydn, war eine Reverenz an den Schöpfer dieser Gattung. Paul Hindemiths 1923 komponiertes Spaß-Stück „Minimax“, ein „Repertorium für Militärmusik“, stand im Zentrum. Zitate populärer Melodien, wirkungsvoll eingesetzte falsche Töne, Endlos-Kadenzen und vieles andere mehr machen dieses sechssätzige Werkchen zu einer Schmunzel- und Lachnummer ersten Ranges.

Primarius Wojtek Bolimowski und sein Geigenkollege aus dem Göttinger Symphonie Orchester Dmitry Feinschmidt, Oksana Labach an der Viola und Lucile Chaubard am Violoncello hatten ebenfalls sichtlich Vergnügen an der Musik, die sie dem Publikum präsentierten. Schwer zu sagen, welchem Satz die Krone gebührt: vielleicht dem „Abend an der Donauquelle“, ein „Intermezzo für zwei entfernte Trompeten“. Dabei werfen sich je zwei Musiker, räumlich getrennt aufgestellt, musikalisch die Bälle zu und jubilieren, dass es eine Freude ist.

Dabei bot Lucile Chaubard die sehr lebendige, hier und da sogar swingende Basis. Satte Mittelstimmen liefern Bratsche und zweite Geige. Und Primarius Bolimowski spielt nicht nur behend Geige (bisweilen mit etwas schmalbrüstigem Ton), sondern ist auch ein sehr kompetenter Arrangeur. Das zeigte er im zweiten Teil des Abends an populären Stücken aus dem Bereich der Unterhaltungsmusik – von Scott Joplins „Entertainer“ über Hits der Beatles („Michelle“, „Yesterday“ und andere) und Evergreens von Henry Mancini („Pink Panther“) bis zu Songs von George Gershwin.

Von Michael Schäfer

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