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Minguet-Quartett sorgt für reizvolles Finale

Saisonabschluss der Aulakonzerte Minguet-Quartett sorgt für reizvolles Finale

„Ausbrüche – Aufbrüche“ lautete das Thema der diesjährigen Saison der Aulakonzerte, die mit einem ausgesprochen anregenden Abend des Minguet-Quartetts am Sonntag zu Ende gegangen ist. Mit Schönbergs zweitem Streichquartett, das den Streicherklang mit einem Solosopran ergänzt, war die Saison gestartet.

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Ausgesprochen anregend: Das Minguet-Quartett gefällt mit seinen differenzierten und expressiven Werkinterpretationen.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Diesem Werk war im Schlusskonzert das „Notturno“ für Streichquartett und Bariton des Schweizer Komponisten Othmar Schoeck gegenübergestellt.

Mit einem frühen Meisterwerk dieser Gattung eröffnete das Minguet-Quartett den Abend: mit Haydns 1796/97 entstandenem D-Dur-Quartett. Die vier Musiker – Ulrich Isfort und Annette Reisinger (Violine), Aroa Sorin (Viola) und Matthias Diener (Violoncello) – nahmen das Werk sehr ernst, glätteten den Verlauf nicht in Richtung unverbindlicher Heiterkeit, sondern zeigten auch Ecken und Kanten auf, vor allem im kühnen Kopfsatz. Dem stellten sie im Fis-Dur-Largo einen ganz feierlich-lyrischen Ton entgegen, aus dem die Tanzrhythmen des Menuetts wieder in gefälligere Regionen führten.

Sehr pointiert präsentierten sie im Finale den zündenden Haydnschen Witz. Dabei sind sie musikalisch einfallsreich, virtuos und sorgen sehr umsichtig für ein genau ausbalanciertes Klangbilds. Besonders runde, weiche Klänge steuerte Aroa Sorin mit ihrer wunderbar tönenden Viola bei.

Liebe zum Detail

Da Mendelssohns Opus 81 aus Einzelsätzen verschiedener Entstehungszeiten zusammengesetzt ist, fehlt ihm doch deutlich die zwingende Dramaturgie, die Mendelssohns übrige Quartette auszeichnet. Dennoch widmeten sich die Musiker mit viel Liebe zum Detail diesen vier Miniaturen, von denen vor allem das elfenhaft huschende Scherzo und das zweiteilige Capriccio im Gedächtnis haften blieben.

Hauptwerk des Abends aber war das Notturno von Othmar Schoeck, ein Werk aus den frühen 1930er-Jahren, dem Gedichte von Nikolaus Lenau und Gottfried Keller zugrundeliegen. Schoeck komponiert abseits der Avantgarde, sein Notturno ist eindeutig tonal, auch wenn er immer wieder den Bezug zur Grundtonart verunklart. Dem textlichen Grundton, der von Trauer, Einsamkeit und Verzweiflung geprägt ist, stellt der Komponist eine nicht minder zwielichtig-dunkle Klangwelt gegenüber. Sie zieht den Hörer mehr und mehr hinein in diese düsteren Regionen, die von Herzenswunden, Tränen, Träumen und Wehmut bestimmt sind. Der weich und voll timbrierte Bariton von Thomas E. Bauer passte hervorragend zur Atmosphäre dieser Musik, die das Publikum spürbar in ihren Bann zog.

Von Michael Schäfer

► Programm-Schwerpunkt der kommenden Saison der Aulakonzerte unter dem Motto „Anglia cantat“ ist anlässlich des 100. Geburtstags von Benjamin Britten die Musik Englands. Die Saison startet am 15. September.

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