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Minimale Kommunikation

„Stochern“ Minimale Kommunikation

Die Theatergruppe M21, die aus dem 2000 geschlossenen Hildesheimer „Theater Mahagoni“ hervorgegangen ist, hat unter der Leitung von Joachim von Burchard mit ihrer aktuellen Produktion „Stochern“ eine fast schon therapeutische Installation geschaffen, die den Fokus der Sinnsuche nicht aufs Finden, sondern endlich einmal aufs Suchen verlagert.

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Auf Sinnsuche: Imme Beccard (links) und Johannes Nehlsen bei ihrer „meditativen Installation für zwischendurch“.

Quelle: Simon

Göttingen. Und das ist angesichts der Ratgeber­inflation und New-Age-Seifenblase überaus wohltuend. Petra (Imme Beccard) und Peter (Johannes Nehlsen) haben sich gerade erst gefunden – online natürlich, wie man das heute eben so macht, der Effizienz wegen. Das Paar, so wird schnell klar, ist eigentlich nur ein Produkt der rastlosen Unzufriedenheit von zwei Individuen. Ein soziales Nullsummenspiel, das sich bald in der selben trügerisch-harmonischen Gewohnheit einpendeln wird wie jede Beziehung.

Sparsam gehaltene Dialoge

Bis es so weit ist, lassen Beccard und Nehlsen ihr Publikum an der distanzierten Höflichkeit teilhaben, derer sich das Paar auch trotz der aufregenden Neuheit ihrer Körper nicht erwehren kann. Johannes Nehlsens Pathos ist insbesondere in der ersten Hälfte mit Pausen durchsetzt, die jedes seiner sorgsam gewählten Worte voneinander trennen. Die ohnehin sparsam gehaltenen Dialoge reduzieren die Kommunikation auf ein Minimum.

Erst im Laufe der kurzweiligen Stunde öffnen sich die beiden einander, wobei Imme Beccards Ausraster beim Marmeladenkauf nur einer der denkwürdigen Momente ist, die das Ensemble immer wieder aus dem Nebel des Alltags aufblitzen lässt. Themen des Konsums durchziehen das Stück in Regelmäßigkeit, meist um auf ihre zerstreuende Wirkung abzuzielen. Dass man ein ganzes Tischgespräch mit der Beschreibung von unterschiedlichen Kartoffelsorten bestreiten kann, ist dabei nur eine geschickt herausgearbeitete Pointe. Auch die Tatsache, dass die abstrahierten Möbelstücke des Bühnenbilds verspiegelt sind, weist auf das Projektions­bedürfnis des Menschen hin, der sich selbst noch am ehesten in den Dingen erkennt, die er sich einmal gekauft hat.

Gelungenes Projekt

Angekündigt wird das überaus gelungene Projekt als „eine meditative Installation für zwischendurch“. Das ist trotz aller Kürze eine bescheidene Beschreibung. M21 gelingt hier eine besondere Präsentation des menschlichen Suchens, die auch ohne Finden als Ganzes daherkommt.

Termine am 12., 18. und 19. Januar um 20.30 Uhr sowie am 13. Januar um 19.30 Uhr in der Galerie „Supplement“, Burgstraße 37a. Karten unter Telefon 05 51 / 508 56 24 oder per E-Mail unter info@theater-m21.de

Von Jonas Rohde

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