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00:19 15.09.2017
Noch bis zum 24. September in der Galerie Alte Feuerwache: Werke von Mira Stolze und Abby Schulze Quelle: Arne Bänsch
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Göttingen

Was für ein wohl geformter Rücken. Mehr gibt „Die Badende“ allerdings auch nicht von sich preis. In einer Symbiose von Mensch und Natur ist sie gerade dabei, in die gekräuselten Fluten abzutauchen. Das Original der Bronzeskulptur von Mira Stolze steht an einem vielbesuchten Ort in Göttingen, dem Foyer des Badeparadies Eiswiese.

„Blindes Vertrauen“ ist der Titel einer anderen Arbeit der Künstlerin, die zwei metallene Köpfe mit geöffneten Mündern und verbundenen Augen zeigt. Die stark reduzierten Figuren auf hölzernen Stelen stehen nebeneinander, die Gesichter einander zugewandt. Doch die Schau bietet eine Besonderheit: Besucher dürfen die gezeigten Skulpturen berühren. Und siehe da. Die Köpfe lassen sich drehen und voneinander abwenden. Am blinden Vertrauen ändert das nichts.

Der imposante Stierkopf von Abby Schulze fällt sofort ins Auge. Wuchtig, präsent, archaisch wirkt der steinerne, von zwei mächtigen Metallhörnern gekrönte Tierschädel. Gleich daneben steht der „Eggoist“. Der flamingoähnliche Vogel mit dem kreisrund gebogenen Hals ist gerade dabei, das im Legen begriffene Ei mit seinem Schnabel aufzufangen.

Schweißen, Schmieden, Arbeiten mit der Flex, mit Pressluftmeißel, auch mit Hammer und Meißel bestimmen Abby Schulzes künstlerische Tätigkeit, erläutert Jörg Dreykluft vom Team Alte Feuerwache in seiner Eröffnungsrede zu der Vernissage. So lasse der Metallkünstler und Steinbildhauer, der überwiegend figürlich arbeitet, ästhetisch funktionale Objekte entstehen oder Gegenstände des täglichen Lebens, die durch ihre Material-Entfremdung überraschen.

„Mir geht es auch häufig darum, menschliche Stärken und Schwächen in meine Figuren und in Kunst zu verpacken und zu spiegeln, auch mit einer Portion Humor“, sagt Schulze. Zudem mache er sich auch Gedanken, wie man Politisches in Formen bringen könne. „Mir geht es auch darum, das Menschliche figürlich darzustellen.“

Stein und Metall: Kunstwerk in der Galerie Alte Feuerwache. Quelle: Arne Bänsch

Häufig arbeitet Schulze mit Findlingen. Dabei sei es ihm wichtig, den Naturstein möglichst wenig zu bearbeiten. Im Zusammenspiel verwende er auch oft altes Holz, das selber eine Geschichte habe.

„Das Material nicht zwingen, sondern selbst wirken lassen und sich damit befassen“, beschreibt Stolze ihre künstlerische Herangehensweise. Die Skulpturen der promovierten Humanmedizinerin stellen vor allem den Körper in verschiedenen Situationen dar. „Mir ist es wichtig, dass alles mit wahnsinnig viel Motivation und Freude beginnt“, sagt Stolze. Von der Familie getragen, führe sie freudvolles Leben. „Ich muss keine Konflikte verarbeiten, deshalb bin ich in der Lage, mich mit Körperformen auseinanderzusetzen.“

In ihrer künstlerischen Freundschaft verfolgen Schulze und Stolze ihre Grundideen weiter und arbeiten sie dann mitunter auch gemeinsam aus. Wobei sie sich in ihrer künstlerischen Arbeit „auch gegenseitig befruchten“.

Die Ausstellung „Skulpturen“ wird bis Sonntag, 24. September in der Alten Feuerwache in Göttingen, Ritterplan 4, gezeigt. Geöffnet ist die Schau Montag bis Freitag von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr sowie Sonntag 11 bis 13 Uhr.

Zur Person

Dr. Mira Stolze, geboren 1940 in Wien, hat Humanmedizin studiert und als Medizinerin in der Pharmaforschung gewirkt. 1979 erlernt sie Keramik-Arbeit, die sie seither in regelmäßiger Fort- und Weiterbildung bei namhaften Keramikern und Steinbildhauern sowie Workshops unter der Leitung national und international bekannter Künstler (zum Beispiel: „Centro Sperimentale d’Arte“ im Tessin) vertieft. 1998 beginnt die künstlerische Zusammenarbeit mit Abby Schulze mit vielen gemeinsamen Projekten; Holz und Stahl kamen als weitere Werkstoffe dazu. Stolze zeigt ihre Arbeiten bei regionalen, nationalen sowie internationale Einzel- und Gruppenausstellungen (unter anderem Museum der Charité in Berlin sowie Villa Rufolo, Ravello/Italien).

Joachim „Abby“ Schulze, Metallkünstler und Steinbildhauer, geboren 1960 in Celle, hat Agrarwissenschaften studiert, danach im Bereich Aquakultur in Fredelsloh gearbeitet. Seit 1996 ist er selbstständig im Bereich Design, Inneneinrichtung und Kunst. Erlernen der Schmiedekunst (Schweißen, Schmieden, Arbeiten mit der Flex), Arbeiten mit Stein und Fachwerkholz, „das Geschichte atmet“. Verschiedene Werke Schulzes sind als Dauerausstellung mit wechselnden Objekten im Saunabereich des Badeparadies Eiswiese zu sehen.

Von Karola Hoffmann

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