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Mit 62 Jahren immer noch ein Friesenjung

Otto Waalkes in der Lokhalle Mit 62 Jahren immer noch ein Friesenjung

Otto. Das sind vier Buchstaben und ein Original. Vorwärts oder rückwärts, der Name des Emdener Multitalents, Dauerbrenners und preisgekrönten „Blödelbarden“, wie er sich selbst gerne nennt, ist aus der deutschen Comedy-Szene seit 40 Jahren nicht mehr wegzudenken.

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Geboren, um zu blödeln: Otto Waalkes präsentiert ein Potpourri aus alten und neuen Witzen.

Quelle: Heller

Unter dem Titel „Ostfriesisch Temperamentvoll Total Onverwüstlich“ gastierte Otto Waalkes mit seiner aktuellen Live-Tournee am Freitag in der ausverkauften Göttinger Lokhalle und erntete für seine One-Man-Show Standing Ovations.
Die erste Amtshandlung des Publikums bestand darin, Otto per Countdown auf die Bühne zu zählen – natürlich auf Befehl des Entertainers höchstpersönlich. Viel erklären musste der Komiker dennoch nicht, die Gäste wussten, was zu singen, zu rufen oder auch zu tun war. Interaktion par excellence, ein Erfolgsrezept: Jung und Alt waren gekommen, um den mittlerweile 62-jährigen „Friesenjung“ mit den Bollerhosen zu sehen. Wie viel Kritik an der Kultfigur Otto im Laufe der Jahre auch immer aufgekommen sein mag, Waalkes darf sich der wohl stabilsten Fan-Gemeinde rühmen, die sich ein Künstler seiner Profession nur wünschen kann. Wäre Originalität ein Schulfach, hätte sich Otto wohl eine Eins mit dutzend Sternchen verdient.

Den Wert von Routine und Erfahrung demonstrierte Otto bei seinem rund zweistündigen Auftritt, während er mit dem Publikum als Tanzpartner eine flotte Sole aufs Parkett legte, gekonnt. Nicht ein einziges Mal trat er seinem Gegenüber auf die Füße. Waalkes gestaltete sein Programm vielfältig: Er erklärte mithilfe eines Ottifanten die wichtigsten ostfriesischen Redewendungen „Moin“ und „Moin Moin“, erzählte ein – zugegeben etwas grabbelkistiges – Potpourri alter und neuer Witze, gab traditionellen Englischunterricht („iPod“ bedeutet Eierbecher) und versuchte sich als zweiter Horst Lichter, in dem er aber möglichst alle Zutaten seines Menüs „Pommes de Bordell“ (Kartoffelpuffer) über den ersten Reihen verstreute und seine helle Freude am kreischenden Publikum hatte. Diese letzte Instanz auch für den Künstler echter Innovation ist es, die ihn antreibt und seine Performance strahlen lässt – mit dem Publikum als Partner ist Otto stark.

Das uralte aber allen bekannte Märchen „Hänsel und Gretel“ diente dem „Göttinger Elch“-Preisträger, der seine Flügel-Kappe irgendwann in die Ecke pfefferte und seinen Auftritt halbglatzig fortsetzte, als Vorlage, um es in abgewandelter Form von unterschiedlichsten Interpreten vortragen zu lassen. Lena mit „Satellite“, Laserkraft mit „Nein, Mann!“ kamen dabei genauso zum Einsatz wie der Hamburger Ex-WG-Kollege Udo Lindenberg und sein Titel „Wenn du durchhängst“. Auch das Liedmaterial von „Unheilig“ interpretierte der Comedian in „Geboren um zu Blödeln“ um. Diese Momente waren klare Highlights im Programm. Doch der Spaßvogel ließ sich eine Hintertür offen: „Wenn es ihnen gefallen hat: mein Name ist Otto. Wenn nicht: Hansi Hinterseer.“

Von Anna Kleimann

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