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12:38 17.06.2018
Solistin Samira Spiegel im Konzert des Orchesters Göttinger Musikfreunde unter Johannes Moesus. Quelle: Schäfer
Göttingen

Der Wirbel um die Fußball-Weltmeisterschaft ließ die Musikfreunde kalt: Beim Konzert des Orchesters Göttinger Musikfreunde (OGM) am Sonnabend war die Uni-Aula gut gefüllt. Cherubini, Beethoven und Dvořák waren stärker als Peru, Dänemark, Kroatien und Nigeria zusammen.

Das Orchester besteht zum größten Teil aus Freizeitmusikern, die nur durch wenige professionelle Kollegen ergänzt sind. Doch was das OGM unter der Leitung von Johannes Moesus bot, war keinesfalls unprofessionell, im Gegenteil: Die musikalischen Leistungen der Kenner und Liebhaber auf dem Podium waren beachtlich.

Dramatisch stimmig

Das zeigte sich schon zu Beginn in der anspruchsvollen Konzert-Ouvertüre G-Dur von Luigi Cherubini. Der aus Italien stammende Musiker, zehn Jahre älter als Beethoven (den er um 15 Jahre überlebte), wirkte den größten Teil seines Lebens in Paris und erscheint heutzutage auf Konzertprogrammen viel seltener, als es seiner Bedeutung entspricht. Das machte die engagierte, dramatisch stimmige Aufführung dieses ideenreichen Werkes sehr deutlich. Das bis auf minimale Ausnahmen präzise, konturenreiche Spiel mit zahlreichen schönen Bläsersoli war ausgesprochen lebendig, wozu Moesus mit seiner energischen Zeichengebung und seiner klugen Klangfarben-Regie eine Menge beitrug.

Solistin in Beethovens viertem Klavierkonzert G-Dur op. 58 war die erst 24-jährige Samira Spiegel, die als Pianistin und als Geigerin schon viele Erfolge aufzuweisen hat. Sie hat enorme manuelle Kraft, die sie gleichwohl sehr dosiert einsetzt, eine wieselflinke, perlende Geläufigkeit und einen fein entwickelten Sinn für Ausdrucksdifferenzierung.

Pianistisches Kabinettstück

Sehr poetisch gestaltete sie den nachdenklich-zurückhaltenden Solo-Beginn, ließ die Dreiklangsbrechungen und Laufgirlanden im Kopfsatz wirkungsvoll strahlen und machte aus der wunderschön improvisatorischen Kadenz Beethovens ein pianistisches Kabinettstück. Der Dialog zwischen Klavier und Orchester im langsamen Satz war ungeheuer spannungsreich, die Melodielinien des Soloinstruments berückend sanglich. Sehr tänzerisch beschwingt und rhythmisch federnd gestaltete die Pianistin das Finale, das Geschehen immer wieder mit geschmackvoll nuancierten Tempoveränderungen belebend. Darauf reagierte Moesus ausgesprochen aufmerksam, sodass das Zusammenspiel bis auf eine kleine Inkongruenz von höchstens zwei Takten Dauer stets untadelig blieb. Für den prasselnden Beifall bedankte sich Spiegel mit Schuberts As-Dur-Impromptu als Zugabe.

Der Schluss des Abends war nicht minder anspruchsvoll: Dvořáks achte Symphonie ist ein harter Brocken, eine Partitur, die es zu erobern gilt. Mit Leidenschaft spielten die Instrumentalisten ihren schwierigen Part, ließen die Kantilenen singen, führten spannungsreiche Rhythmen vor. Gehörig gefordert sind die Blechbläser, die mit Glanz schmetterten, das fein gesponnene Gewebe der Holzbläser war stets transparent, die Streicher bestachen mit teilweise wunderschön samtenem Ton und beachtlicher Virtuosität. Moesus ordnete souverän den Fluss der vielen unterschiedlichen musikalischen Gestalten und sorgte für ein organisches Verhältnis zwischen den Steigerungen und den sich entspannenden Passagen. Ein rundum erfreulicher Abend, der vom Publikum mit lang anhaltendem Beifall honoriert wurde.

Das nächste Konzert des Orchesters Göttinger Musikfreunde mit Werken von Friedrich Witt, Honegger und Dvořák ist am Sonnabend, 25. August, in St. Sixti Northeim angesetzt. Beginn ist um 18 Uhr.

Von Michael Schäfer

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