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19:41 28.12.2009
Der Dirigent Gustav Mahler: Schattenrisse von Otto Böhler. Quelle: EF
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Die prominentesten Jubilare des Jahres 2010 heißen Schumann, Chopin und Mahler. Robert Schumann und Frédéric Chopin, beide 1810 geboren, haben vor allem auf dem Gebiet der Klaviermusik die Epoche der Romantik entscheidend geprägt, Schumann darüber hinaus als Liederkomponist, Kammermusiker und Symphoniker. Ob es gelingen wird, in diesem Jubiläumsjahr die Bewertung seines Spätwerks – lange Zeit verzerrt durch den Hinweis auf die 1854 ausgebrochene Geisteskrankheit – zurechtzurücken, sei dahingestellt. Chopins Beliebtheit kennt kaum Konjunkturschwankungen. Er darf sich am 1. März zu seinem 200. Geburtstag gern feiern lassen, hat aber dies als Popularitätsschub gewiss nicht nötig.

Ähnliches gilt für Gustav Mahler, der vor 150 Jahren am 7. Juli 1860 geboren wurde. Seine Symphonien und Lieder gehören heute zum unverzichtbaren Bestand des Repertoires, nachdem der Komponist die Blessuren der antisemitischen Propaganda der Nazizeit (die bis in die Konzertführer der frühen 1950er Jahre hineinreichte) überstanden hat. Niemand spricht bei ihm mehr abschätzig von Kapellmeister­musik, niemand behauptet mehr, er habe mehr gewollt, als er kompositorisch zu leisten imstande gewesen wäre. Er hat tatsächlich, wenn er Symphonien schrieb, Welten geschaffen.

Viel mehr Gedenk- und Geburtstage gibt es noch zu feiern im neuen Jahr. Beispielsweise wird eine stattliche Zahl renommierter Sänger 75 Jahre alt: von Martti Talvela (4. Februar) und Mirella Freni (27. Februar) über Teresa Berganza (16. März), Anna Moffo (27. Juni) und Peter Schreier (29. Juli) bis zu Luciano Pavarotti (12. Oktober). Ihren 75. Geburtstag feiern auch die Dirigenten Gerd Albrecht (19. Juli) und Seiji Ozawa (1. September). 100. Geburtstag haben Rudolf Kempe (14. Juni) und Rolf Liebermann (14. September), der 125. Geburtstag von Otto Klemperer wird am 14. Mai gefeiert.

Richtig spannend aber wäre es dann, wenn ein Jubiläum den Anlass bietet, neue Aufmerksamkeit auf vergessene Musiker zu richten. Wer kennt heute noch die einst geachtete Komponistin Johanna Kinkel (200. Geburtstag am 8. Juli), von Schumann hochgelobt, eine Weggefährtin Ferdinand Freiligraths? Jeder kann Lieder wie „Alle Jahre wieder“ oder „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ nachpfeifen. Dass diese populären Melodien von Friedrich Silcher stammen, dessen 150. Todestag am 26. August (sicher auch von vielen Gesangvereinen) begangen wird, ist so gut wie vergessen.

Kaum einer außer Musikwissenschaftlern befasst sich mit dem frühbarocken Komponisten Johann Kuhnau (350. Geburtstag am 6. April), der mit seinen „Biblischen Historien“ für Cembalo frühe Beispiele der Programmmusik geliefert hat. Kuhnau war der unmittelbare Vorgänger Johann Sebastian Bachs im Amt des Leipziger Thomaskantors.

Apropos Bach: Dessen ältester Sohn Wilhelm Friedemann, nicht ganz so genial wie Carl Philipp Emanuel oder Johann Christian, aber eindeutig des Kennenlernens wert, feiert am 22. November 2010 seinen 300. Geburtstag, ebenso wie Giovanni Battista Pergolesi, dessen Geburtstag schon in wenigen Tagen bevorsteht: am 4. Januar. Halb so alt, nämlich 150 Jahre, werden die Spätromantiker Hugo Wolf (13. März), Isaac Albéniz (29. Mai), Gus­tave Charpentier (25. Juni), Ignacy J. Paderewski (6. November) und Edward MacDowell (18. Dezember).

Und mit Georg Friedrich Händel ist es 2010 ja doch nicht ganz zu Ende. Nachdem wir im zu Ende gehenden Jahr seinen 250. Todestag begangen haben, können wir ihn am 23. Februar noch einmal gebührend feiern – dann zu seinem 325. Geburtstag. War da nicht noch jemand aus dem Jahrgang 1685? Richtig: Johann Sebastian Bach hat ebenfalls 325. Geburtstag – am 21. März. Und Domenico Scarlatti zieht am 26. Oktober nach. Happy Birthday.

Michael Schäfer

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