Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Mit dem Krümelmonster zum Rock’n’Roll

20 000 Fans feiern in Eschwege Mit dem Krümelmonster zum Rock’n’Roll

Und schon wieder ausverkauft: Das Open-Flair-Festival in Eschwege hat im 28. Jahr rund 20 000 Musikfans vor die drei großen Bühnen gelockt.

Voriger Artikel
Mit Fuselanleihen die Finanzkrise erklären
Nächster Artikel
Wenn auf der Bühne Geschwindigkeit regiert

Sommerliche Temperaturen beim Festival: Abkühlung aus dem Schlauch für die Besuchermenge vor der Hauptbühne.

Quelle: CM

Eschwege. Mehr als 50 Bands und Einzelkünstler hatten die Veranstalter in diesem Jahr verpflichtet. Bei sommerlichem Wetter feierten Rock’n’Roll-Freaks und Festivaljunkies eine friedliche Open-Air-Party.

Festivalpublikum mit Rucksäcken und Tetrapacks

Freunde der gepflegten Livemusik pilgern sternförmig auf die Halbinsel am Werdchen. Festivalpublikum mit Rucksäcken und Tetrapacks, mit Panzerklebeband phantasievoll zu Umhängetaschen gebastelt. Natürlich haben sich viele Besucher kostümiert, Festivals sind ja immer auch ein bisschen Karneval. Manche tragen lustige Wollmützen im Tiger- oder Eisbär-Design, andere gehen als Karotte, Pinguin, Kakerlake oder, ein Wahnsinn bei der Wärme, im dicken, plüschig-blauen Kostüm als Krümelmonster.

Freitagnachmittag: „Heaven shall burn“ aus Thüringen bringen den Platz vor der Hauptbühne mit Hochgeschwindigkeit bereits zum Kochen. Fette Riffs und Stakkato-Drums ihres Metal-Core reißen tausende von Fans zum Pogo mit. Rauchtöpfe feuern ihre Salven in den sonnigen Himmel und mischen sich mit Staubwolken, die die Tanzenden aufwirbeln. Auch „Madsen“ fahren im Anschluss einen überwiegend harten Sound und begeistern die Menge mit kritisch-poetischen Texten und viel Druck. Und Frontmann Sebastian Madsen fordert zur sofortigen Freilassung der in Russland unter Anklage stehenden Frauen-Punk-Band „Pussy Riot“ auf.

Das Open-Flair-Festival in Eschwege hat rund 20 000 Musikfans vor drei große Bühnen gelockt. Mehr als 50 Bands und Einzelkünstler traten auf. Bei sommerlichem Wetter feierten Rock’n’Roll-Freaks und Festivaljunkies eine friedliche Open-Air-Party.

Zur Bildergalerie

Danach: Party-Spaß mit den „Leningrad Cowboys“ auf der Freibühne. Gnadenlos pressen die Finnen, traditionell in Smoking, überlange Schnabelschuhe und Monstertolle gewandet, alles was ihnen unter die Instrumente kommt, in ein schwungvolles Punk-Polka-Gewand. Atemlos und ohne Pause brettern sie Rock- und Pop-Klassiker wie „Back in the USSR“, „Let there be rock“, „Easy livin’“ oder auch Kim Wildes „Kids in America“ über die Rampe. Respektlos aber gut gemacht mit Akkordeon und hervorragend besetztem Bläsersatz.

Gavin Rossdale mit neu formierter Truppe

Gavin Rossdale, Frontmann der britischen Rockband „Bush“ hat seine Truppe neu formiert und bringt die Menge am Abend in verzückte Extase. „ZSK“, nach ihrer Trennung für vorerst eine Tour wieder vereint, peitschen extatischen Oldschool-Punk durch Verstärker und Boxen, dass es eine wahre Freude ist. Staub und Stroh wirbeln durch die Luft.Die Menge pogt, was das Zeug hält.

Mehr als 30 Jahre stehen „Social Distortion“ auf den Bühnen der Welt – diesmal in Eschwege. Die Fans sind heiß darauf den charismatischen Frontmann Mike Ness live erleben zu können. Mit ihrer Mischung aus Punk, Rock’n’Roll und Rockabilly lässt das Quartett aus Florida nichts anbrennen. Der gelungene Mix aus alten und neuen Songs zündet. Der Bereich vor der Bühne gleicht einem wogenden Meer aus Körpern, wenn Ness zum Mitsingen aufruft („It’s an old german beer-drinking sing-along“). Er selbst ist nicht so textfest wie seine Fans: In Ermangelung eines Teleprompters lässt er sich bei neuen Titeln DIN-A3-große Textblätter auf die Bühne kleben.

„Ich liebe Deutschland, ich liebe Titten, ich liebe Bier“

Mit Sprüchen wie: „Ich liebe Deutschland, ich liebe Titten, ich liebe Bier“ hat Ali Tabatabaee, Sänger der US-amerikanischen Fun-Punk-Band „Zebrahead”, die Massen am Sonnabendnachmittag im Griff. Alles springt auf sein Kommando, „Jump“ heißt die Devise eine gute Stunde lang. Jennifer Weist, mittlerweile rundum tätowierte Frontfrau von „Jennifer Rostock“, gibt sich gewohnt rotzig. Nach dem zweiten Song erst mal einen Pfefferminz-Schnaps, dann Mädels auf die Bühne, die „obenrum“ blankziehen sollen, und der junge Mann aus der ersten Reihe, den sie auf die Bühne nötigt, sieht auch nicht wirklich glücklich aus, als ihm die Sängerin vor etlichen tausend Besuchern in die Hose fasst.

Danach gibt’s gecoverten Schützenfest-Metal mit „J.B.O.“, und die Partymeute geht ab wie ein Zäpfchen. Ohne Pause geht es weiter: Rund um ihren charismatischen Frontmann Sammy Amara kochen die „Broilers“ aus Düsseldorf, seit mehr als 18 Jahren im Musikbusiness, im Off-Beat die Menge vor der großen Bühne durch. Den Rausschmeißer auf der großen Bühne geben die „Beatsteaks“ aus Berlin, die in diesem Sommer mit zwei Schlagzeugern auf Tour sind. Schneller, lauter, besser scheint die Devise zu heißen.

Dass die Fans drauf abfahren, konnte man ahnen, dass die Crowdsurfer sich schon vor Beginn der Show über die Menge kraulen, verwundert selbst die Security. Die Band hat augenscheinlich viel Spaß. Mit einer grandiosen Show rockt sie die Massen in die Sommernacht, und wer genau hinschaut, kann es in der Menge hüpfen sehen – das blaue Krümelmonster.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Vier Tage, vier Bühnen
Singen von Auflaufform und Blasenschwäche: „Monsters of Liedermaching“ feierten ihr zehntes Flair-Jubiläum vor vielen tausend Fans.

Über 75 Bands und Solokünstler, mehr als 100 Auftritte an vier Tagen, 20 000 Besucher: Das 29. Open Flair Festival in Eschwege war ein voller Erfolg. Musikfans aus ganz Deutschland feierten eine friedliche Riesenparty mit Top-Acts wie „Skunk Anansie“, „NoFX“, „Casper“, „Biffy Clyro“ oder „Sportfreunde Stiller“. Christoph Mischke hat mitgefeiert und berichtet.

mehr
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag