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Pianist Benyamin Nuss zu Gast im Rathaus in Duderstadt

Internationales Programm Pianist Benyamin Nuss zu Gast im Rathaus in Duderstadt

„Exotica“ heißt die Debüt-CD des jungen Pianisten Benyamin Nuss. Exotisch war auch das Soloprogramm, mit dem sich der 25-Jährige am Sonntag im gut gefüllten Duderstädter Rathaus vorstellte: neben Debussy, Chopin und Prokofjew mit Werken südamerikanischer und japanischer Komponisten.

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Benyamin Nuss.

Quelle: Richter

Duderstadt. Nuss ist keiner der auf Virtuosität getrimmten Hochglanz-Jungstars, die einander zum Verwechseln ähneln. Zum einen ist seine Technik nicht ganz so unfehlbar, sein Anschlag nicht so perfekt kontrolliert. Zum anderen aber hat er eine ganz persönliche Note, die nicht unbedingt in jeder Phrase gefällt, mit der er aber bisweilen ganz überraschende Farb- und Klangschichten aufdeckt.

So klingt sein Chopin, vorgeführt in den vier Mazurken op. 17, hier und da befremdlich hart. Gern würde man auch der Poesie etwas mehr Raum wünschen, den verzierenden Läufen weniger Tempo, dafür eine größere Geschmeidigkeit. Doch findet Nuss für die Trostlosigkeit der abschließenden a-Moll-Mazurka einen schlichten Stimmklang, der tief zu Herzen geht.

Ähnlich Debussys „Estampes“: Hier sollte Nuss etwa in den „Pagodes“ noch intensiv am duftigen Klang arbeiten, der „Soirée dans Grenade“ noch mehr Leidenschaft verleihen. Aber aufhorchen lässt die bemerkenswerte unsentimentale Nüchternheit, mit der er die „Jardins sous la pluie“ gestaltet.

Einfallsreich und stimmungsvoll

Die bekommt auch den beiden raschen Nummern in Ginasteras „Danzas Argentinas“ zugute, während das zarte Mittelstück, die „Danza de la moza donosa“, weitgehend auf den Reiz ihrer fein geführten Mittelstimmen verzichten muss und in einem unpassenden Riesen-Ritardando verklingt.

Schöne Farben entlockt Nuss den „Impressiões Seresteiras“ des Brasilianers Heitor Villa-Lobos und den drei japanischen Klangbildern von Masashi Hamauzu. Nuss’ eigene fünf Préludes op. 1 sind einfallsreich und stimmungsvoll.

Und der tiefe Ernst, mit dem sich der Pianist Prokojews vierter Klaviersonate widmet, seine rhythmische Unerbittlichkeit, der stählerne Zugriff: Das alles erzeugt eine so große Spannung, dass sich kaum jemand vom lautstarken Geläut der Cyriakus-Kirche ablenken lässt.

Ganz zum Schluss in den Zugaben verrät Nuss ganz explizit seine Liebe zum Jazz, die sich zuvor schon in seinen Eigenkompositionen und in mancher Eigenart des Anschlags gezeigt hat: in hinreißenden Improvisationen über Jazz-Standards gemeinsam mit seinem Vater, dem Jazz-Posaunisten Ludwig Nuss.

Von Michael Schäfer

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Mehrfacher Preisträger
Preisträger: Benyamin Nuss.

Werke von Claude Debussy, Heitor Villa-Lobos, Alberto Ginastera, Frédéric Chopin, Masashi Hamauzu und Maurice Reval werden beim nächsten Rathauskonzert am Sonntag, 9. Februar, ab 17 Uhr im großen Rathaussaal zu hören sein. Gespielt werden sie vom preisgekrönten Nachwuchs-Pianisten Benyamin Nuss.

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