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Mit rhythmischem Pfiff und jazzigen Harmonien

Abschluss des „Göttinger Psalters“ Mit rhythmischem Pfiff und jazzigen Harmonien

Mit einem außergewöhnlichen Konzert in der Göttinger Johanniskirche unter der Leitung von Bernd Eberhardt wurde am Sonntag der Abschluss des „Göttinger Psalters“ begangen. Thema dieser ein Jahr währenden ökumenischen Aktion waren die 150 Psalmen der Bibel, mit denen sich Göttinger Christen auf verschiedene Weise beschäftigten.

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Hochkonzentriert mit sehr farbigen Ausdrucksqualitäten: die Choristen der Göttinger Stadtkantorei mit dem Göttinger Symphonie-Orchester.

Quelle: Heller

Dabei spielte die Musik, genauer: Psalmvertonungen, eine besondere Rolle. Zwei solche Werke wurden am Sonntag von der Göttinger Stadtkantorei uraufgeführt: Kompositionen von Martin Torp und Torsten Laux, die in einem von der Kantorei ausgeschriebenen Wettbewerb ausgezeichnet worden sind. Torp und Laux erhielten jeweils einen zweiten Preis, ein erster Preis wurde nicht vergeben.

Der Berliner Kirchenmusiker Torp, Jahrgang 1957, vertont den 103. Psalm „Lobe den Herrn, meine Seele“ vergleichsweise konservativ. Ihm liegt daran, einen „symphonischen Fluss und Atem ununterbrochen im Fluss zu halten“, wie er schreibt. Dieser Fluss strömt manchmal etwas bemüht, aber oft auch recht munter dahin. Zwei breit ausgeführte Chor­fugen sowie deutliche Choralzitate geben Orientierungspunkte.

Hier und da lassen ungewohnte Töne aufhorchen, etwa ein geflüstertes „f“, mit dem die Choristen den Wind darstellen, der über die Felder streicht.

Der 47-jährige Laux, Professor für Orgel an der Düsseldorfer Musikhochschule, will in seiner Vertonung des 118. Psalms „Der Herr ist auferstanden“ sein Publikum vor allem mit rhythmischem Pfiff und jazzigen Harmonien gewinnen. Das gelingt ihm zweifellos, auch wenn sich der in Kirchenmusik ungewohnt swingende Effekt des Jazz Waltz nach einer Weile etwas abnutzt.

Beide Komponisten verlangen viel vom Chor und von den Solisten, die nicht etwa Arien  singen, sondern als Widerpart des Chores fungieren. Diese Aufgaben bewältigten der flexible Bariton Jürgen Orelly und die höhenfreudige Sopranistin Danuta Dulska mit großem Engagement und Präzision, wobei Laux etwas unbarmherzig der Solosopranistin auch in tieferen Stimmlagen ein reich besetztes Tutti gegenüberstellt. Orelly hatte es da in Torps 103. Psalm etwas leichter.

Die Choristen der Göttinger Stadtkantorei widmeten sich den Uraufführungen hochkonzentriert mit sehr farbigen Ausdrucksqualitäten. Sie schlossen den Abend mit drei strahlend schön gesungenen Psalmvertonungen Mendelssohns ab: mit dem A-cappella-Satz „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“, in dem sie ihre große Intonationssicherheit unter Beweis stellten, sowie den Psalmen 91 und 8 aus dem Oratorium „Elias“.

Nicht minder engagiert und konzentriert beteiligte sich das Göttinger Symphonie-Orchester an diesem Konzert, das den Abend mit einer bravourösen, in den Bläserstimmen hell leuchtenden Aufführung von Mendelssohns Reformationssymphonie eröffnet hatte. Am Schluss gab es in der nur mäßig besetzten Kirche reichen Beifall. Er galt Solisten, Chor, Orchester, dem umsichtigen Dirigenten Bernd Eberhardt und den beiden Komponisten gleichermaßen.

Von Michael Schäfer

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