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Mit vereinten englisch-deutschen Stimmkräften

Werke von Rütti und Elgar Mit vereinten englisch-deutschen Stimmkräften

Die Masse macht’s nicht allein. Doch wenn musikalisches Niveau und Stärke der Besetzung zusammenpassen, dann kann ein Konzert zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.

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Deutsche Erstaufführung: „Missa Angelorum“ von Rütti, gesungen von Göttinger Stadtkantorei und Cheltenham Bach Choir.

Quelle: Theodoro da Silva

Das war am Sonnabend in der Göttinger Johanniskirche eindrucksvoll zu erleben. Die von Bernd Eberhardt sehr sorgfältig vorbereitete Göttinger Stadtkantorei hatte sich für ein deutsch-englisches Projekt mit dem Bach-Chor aus Göttingens Partnerstadt Cheltenham zusammengetan – übrigens bereits ein zweites Mal in der Geschichte beider Chöre nach Mendelssohns „Elias“ im Jahr 2009. Diesmal standen die „Missa Angelorum“ für elfstimmigen Chor a cappella des Schweizer Komponisten Carl Rütti und Edward Elgars hochromantische Kantate „The Music Makers“ auf dem Programm.

Rüttis Messe war – wie sich erst nach dem Konzert herausstellte – eine deutsche Erstaufführung. Wie auch Rüttis Requiem, das der Göttinger Kammerchor unter Bernd Eberhardt 2011 in einer erfolgreichen Deutschland-Premiere in St. Johannis vorgestellt hatte.

Die Musik dieser Messe ist ungemein farbig, spannend im Aufbau, von einer reichen Klangfarbenfantasie geprägt. An Abwechslung ist kein Mangel – und immer dient der musikalische Ausdruck der Textausdeutung. Der Komponist nutzt von der Solostimme über kleine Besetzung und flüsternd gesprochene Passagen bis zum machtvollen Tutti alle dynamischen Möglichkeiten, führt die Sänger hier in sich reibenden Dissonanzen, dort im tonalen Wohlklang, lässt die Rhythmen einmal trickreich swingen, dann wieder in erhabener Ruhe gleichmäßig schreiten.

Das ist eine faszinierende Musik, die sich auch dem in zeitgenössischer Tonsprache unerfahrenen Hörer unmittelbar mitteilt. Besonders dann, wenn sie derart konzentriert, ausdrucksvoll und klangschön aufgeführt wird wie von den gut 120 Choristen beider Partnerstädte. Der begeisterte Applaus der Zuhörer galt gleichermaßen den sehr engagierten Sängern, ihrem temperamentvollen englischen Dirigenten Stephen Jackson und dem Komponisten, der zu diesem Konzert eigens aus der Schweiz angereist war.

Eingeleitet hatte den Abend das Göttinger Symphonie-Orchester in reiner Streicherbesetzung mit der „Fantasia on a theme by Thomas Tallis“ des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams. Diese zarte, intensiv dem Klang nachspürende Musik war bei den GSO-Instrumentalisten in allerbesten Händen, lupenrein in der Intonation, ausdrucksstark und mit wunderbar verschmelzendem Klang auch in der solistischen Streichquartett-Besetzung.

Mit Elgars Kantate „The Music Makers“, nun in der Orchesterbesetzung auf volle spätromantische Stärke mit Holz- und Blechbläsern sowie Schlagzeug angewachsen, setzten die Musiker einen imponierenden Schlusspunkt. Jackson arbeitete die wechselnden Emotionen dieser Partitur mit großer Expressivität heraus, gab Musikern wie Zuhörern viel Gelegenheit zum schier hemmungslosen Schwelgen (wobei er hier und da die Blechbläser auch einmal hätte dämpfen können) und machte auf diese Weise den Zeitgeist der viktorianischen Epoche faszinierend lebendig.

Die Choristen konnten abermals ihr machtvoll vereintes Können mit einer auch im stimmstärksten Fortissimo nirgends rohen vokalen Kraft demonstrieren. Solistische Akzente setzte die aus England angereiste, dunkel und voll timbrierte Mezzosopranistin Deborah Miles-Johnsson mit klug ausbalanciertem Verhältnis zwischen lyrischen und dramatischen Klängen. Die Begeisterung der Zuhörer am Ende war kaum zu bremsen.

Von Michael Schäfer

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