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Mitsummen beim Kampf der Jugend-Gangs

Bad Hersfelder Festspiele Mitsummen beim Kampf der Jugend-Gangs

Mit der Premiere des Musicals „West Side Story“ sind die Festspiele in Bad Hersfeld am Dienstagabend, 16. Juni, fortgesetzt worden. Temporeich hat Regisseur Matthias Davids die moderne „Romeo und Julia“-Geschichte inszeniert. Sein internationales Ensemble agiert professionell.

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Rachegelüste: Maria (Leah Delos Santos) bedroht Chino (Nielson Soares), den Mörder ihres Freundes Tony.

Quelle: Festspiele

Festspielproduktionen stehen nicht in dem Ruf, Theater neu zu erfinden. Und wenn auch noch ein Musical-Klassiker wie „West Side Story“ auf dem Programm steht, kann es nur um eines gehen: um Unterhaltung. Die bietet die Inszenierung von Matthias Davids reichlich. 

Sie stehen sich also mal wieder gegenüber, die beiden Jugend-Gangs in den Straßen New Yorks. Auf der einen Seite die einheimischen Jets, natürlich Kinder von Einwanderern, auf der anderen Seite die Sharks, die als eingewanderte Puertoricaner als Ausländer gelten. Prügeleien zwischen den Parteien sind an der Tagesordnung. Zur Katastrophe kommt es, als der coole Tony, Mitbegründer der Jets, und Maria, Schwester des Sharks-Bosses, sich ineinander verlieben. Eine Welle der Gewalt rast durch die Straße.

Christian Alexander Müller spielt jenen Tony, der die anderen um Haupteslänge überragt und ihnen in der Erkenntnis des Unfugs mehr als eine Nasenlänge voraus ist. Eigentlich schon ausgestiegen aus der Gang, gerät er doch zwischen die Fronten.

Müller ist ein typischer Musical-Darsteller. Er neigt zur großen Geste und verfügt über eine starke und gut ausgebildete Stimme. Das musicaltypische Vibrato setzt er üppig ein. Leah Delos Santos spielt mit ausdrucksstarkem Sopran eine bezaubernde Maria. Vom blauäugigen Teenager entwickelt sie sich in der gut zweistündigen Inszenierung zu einer überraschend starken jungen Frau. Einen noch stärkeren Eindruck hinterlässt eine andere: Maaike Schuurmans, die als Anita auch Opfer von Gewalt wird. 

Großer Wiedererkennungswert

Intendantin Elke Hesse ist es gelungen, die Rechte der originalen Broadway-Produktion zu bekommen, für die Arthur Laurents das Buch, wichtiger noch, Leonard Bernstein die Musik geschrieben hat. Regisseur Davids und der musikalische Leiter Christoph Wohlleben folgen also der Vorlage, was einen großen Wiedererkennungswert befördert. Man könnte mitsummen.

Zum 23-köpfigen Festspiel gehört übrigens auch ein Göttinger: der Geiger Henning Vater. Die rund 1600 Premierengäste bejubelten schließlich eine Produktion, die schon jetzt Kassenschlager ist. Laut der Intendantin sind bereits alle 30 Vorstellungen ausverkauft.

Von Peter Krüger-Lenz

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