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14:45 03.12.2017
Gleich zwei Marilyns posieren für die Kamera: Roman Majewski (André de Dienes), Angelika Fornell (Marilyn Monroe), Gaia Vogel (Marilyn Monroe jung). Quelle: Thomas.M.Jauk
Göttingen

Hier geht auf erfreulich unterhaltsame Weise alles durcheinander: Realitätsfetzen aus Marilyns Leben, üble Nachreden, die Rätsel um ihren Tod, die drei Ehen der Monroe, verschiedene Verschwörungstheorien, die undurchsichtige Rolle von Monroes Psychiater Ralph R. Greenson, die ungeklärten Verhältnisse zu US-Präsident John F. Kennedy und seinem Bruder Robert – alles das hat Klimke zu einem ungewöhnlichen Musical mit Revue- und Vaudeville-Zügen verarbeitet. Für die Uraufführung in Göttingen ist Erich Sidler als Regisseur verantwortlich. Und das luftige Bühnenbild (zentrales Element: Marilyns Bett) stammt von Florian Barth.

Damit hat es sich aber auch hier mit den klaren Zuweisungen der Göttinger Aufführung. Die Monroe gibt es auf der DT-Bühne gleich zweifach – einmal als alternde Marilyn (Angelika Fornell) und einmal als junger, aufstrebender Star (Gaia Vogel). Jackie Kennedy wird gleich von fünf Schauspielern (vier Frauen, ein Mann) Andersherum spielen so gut wie alle Schauspieler und Sänger mehrere Rollen in dem deshalb aber durchaus nicht verwirrendem Musical.

Das Ganze funktioniert vielleicht nicht mit Stringenz und Logik, dafür aber mit Tempo und Witz. „Magic Michael and his Marvelous Masters“, nicht mehr als ein Oktett, lieferten einen beeindruckend dynamischen Bigband-Sound als Grundlage für die vielen ebenso druck- und schwungvoll vorgetragenen Solo-Nummern, die regelmäßig für Zwischenapplaus sorgten. Dass es dabei vereinzelte Stimmwackler gab: geschenkt. Die Stimmung riss das alles locker raus. Und die Vielfalt und Widersprüchlichkeit der einzelnen Elemente und Figuren spiegelte bemerkenswert gekonnt die Zerrissenheit der Figur Marilyn wider, die sich immer wieder in ihr Leitmotiv „Ich möchte doch einfach nur wunderbar sein“ rettete.

Also alles gut. Nicht aber in den letzten 40 Minuten, in denen sich Klimke und/oder Sidler nicht verkneifen konnten, die nächste prominente US-amerikanische Blondine auf die Bühne zu hieven: Das Auftauchen einer Donald-Trump-Figur scheint derzeit in jedem satirischen oder sonstwie kulturellen Bemühen, sich den USA wie auch immer zu nähern, irgendwie unvermeidbar zu sein, was sich ja bereits im Titel des Musicals andeutete. Auch wenn es hinten und vorne nicht passt. Wie beispielsweise hier.

Das polit-plakative Trump-Trara zerstörte schnell die fragile und gerade deshalb so charmante Balance des äußerst unterhaltsamen Aufeinandertreffens eigentlich kaum miteinander vereinbarer Ansätze, sich der komplexen Figur Monroe zu nähern. Irgendwie ärgerlich.

Und wenn man unbedingt noch etwas zum Meckern finden will, dann vielleicht dies: Für manchen Geschmack war das Drehbuch mit ein bisschen zuviel Küchenpsychologie und der berüchtigten „German Angst“ abgeschmeckt.

Aber vielleicht ist es besser, sich der Göttinger Uraufführung von „America First“ mit nicht soviel Gedankenballast zu nähern, sondern das Zweieinhalb-Stunden-Stück einfach als intelligente, weil vielschichtige Nummern-Revue zu genießen. Denn das funktioniert auch – bestens und sogar ganz bis zum Schluss.

Dies auch deshalb, weil jedem Zuschauer, der sich gewundert hat, warum der Marilyn-ikonische Song „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“ in den gesamten knapp 150 Minuten nicht vorkam, des Rätsels Lösung am Ende präsentiert wurde: „Diamonds“ gab es nach dem Schluss – als Zugabe. Das Publikum schmolz dahin.

Die weiteren Termine:

Freitag, 8. Dezember, 19.45 Uhr. Dienstag, 12. Dezember, 19.45 Uhr.

Mittwoch, 20. Dezember, 19.45 Uhr.

Silvester-Sonntag, 31. Dezember, 16 und 19.45 Uhr.

Karten und Infos unter Telefon 0551/4969-300 und dt-goettingen.de.

Von Matthias Heinzel

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