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00:28 03.06.2018
Lebens- und überlebensgroß: Moritz Schulze spielt die Hauptrolle im Rockmusical „Spring Awakening“. Quelle: Michael Schäfer
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Göttingen

Am Sonnabend steht er in seiner letzten Premiere im Deutschen Theater in Göttingen (DT) auf der Bühne. Der Schauspieler Moritz Schulze spielt im Musical „Spring Awakening“ den Melchior – und ist außerdem für die Choreografie mitverantwortlich. Seit 2014 war er an 21 DT-Produktionen beteiligt.

„Spring Awakening“

Das Rock-Musical „Spring Awakening“ von Steven Sater und Duncan Sheik basiert auf dem 1891 herausgekommenen Theaterstück „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind. Uraufgeführt 2006 am Off Broadway, wurde es mit acht Tony Awards, unter anderem als „Best Musical“, und einem Laurence Olivier Award ausgezeichnet. Es begleitet Melchior, Wendla, Moritz und ihre Freunde durch die Pubertät, dabei geht es um sexuelles Erwachen, jugendliche Revolte und Freundschaft: ein virtuoses Rock-Musical, das tabulos, humorvoll und leidenschaftlich die zeitlose Geschichte vom Erwachsenwerden erzählt. In den Hauptrollen spielen Dorothée Neff (Wendla), Moritz Schulze (Melchior), Roman Majewski (Moritz), Gaia Vogel (Martha) und Katharina Müller (Ilse). Regie führt Niklas Richter, für das Bühnenbild ist Alexander Wolf, für die Kostüme Annegret Riedinger verantwortlich. Die musikalische Leitung hat Michael Frei.

Das DT ist das erste Theater, an dem Schulze fest engagiert war. Studiert hat der heute 28-Jährige von 2009 bis 2013 an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Das war die logische Fortsetzung einer künstlerischen Karriere, die mit dem dringenden Wunsch des Vierjährigen begann, in einem Chor mitzusingen. Das glückte tatsächlich: Moritz wurde Mitglied des Chores der Clara-Schumann-Musikschule in seiner Geburtsstadt Düsseldorf, dem er bis zum Stimmbruch treu blieb. Im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ war er in der Kategorie Ensemblegesang erfolgreich, im Landeswettbewerb im Sologesang, außerdem wurde er im Bundeswettbewerb Gesang preisgekrönt. Der Spaß am Singen hat ihn bis heute nicht verlassen.

Von der Hochschule gleich ins Burgtheater

Doch die Leidenschaft fürs Theater war dann doch größer, genährt durch zwei Filmverpflichtungen noch vor dem Schauspielstudium mit Hauptrollen in den 2008 gedrehten TV-Märchenfilmen „Froschkönig“ und „Dornröschen“. Nach dem Studienabschluss 2013 wollte es erst nicht so recht mit einem Engagement klappen. 14-mal sprach Schulze an diversen Bühnen vor und handelte sich 14 Absagen ein. Das machte ihm Angst – doch dann kam ein Stückvertrag gleich an einem der führenden deutschsprachigen Theater. Am Wiener Burgtheater spielte er 2013 in der „Hamlet“-Inszenierung von Andrea Breth den Güldenstern, umgeben von berühmten Kollegen, „deren Namen mir allein schon Angst gemacht haben“.

Nach Göttingen kam er anschließend „im Starterpaket von Erich Sidler“, der 2014 seine Intendanz am DT antrat. Eine Lieblingsrolle kann er nicht nennen, zu viele Stücke haben ihm Spaß gemacht. Etwa seine drei Rollen in „Shockheaded Peter“als Peter, Paulinchen und – zumindest erzählte er dessen Geschichte – Robert. Oder „die Tierchen und das Brüderchen“ in „Weil sie nicht gestorben sind“. Oder die Titelrolle in „Frankie Boy“. Auch die Frage nach einer künftigen Traumrolle kann er nicht eindeutig beantworten: „Es gibt jedes Jahr neue Stücke, da ist vielleicht etwas Tolles dabei.“ Dann fällt ihm doch noch ein älterer Autor ein: „Sicher Shakespeare, so’n Richard oder so. Aber das dauert noch einen Moment.“ Irgendwann möchte er auch wieder einmal singen, vielleicht einen Chansonabend geben.

Eine Stunde Mittagsschlaf

Sein Lieblingsplatz in Göttingen ist eindeutig das Theater. Gern sitzt er auf dem Wilhelmsplatz, auch im Garten vom Esprit. Von der Arbeit erholt er sich bei einem einstündigen Mittagsschlaf („da tanke ich Energie für abends“). Zu Hause hört er derzeit bevorzugt Alte Musik. Solche Erholung hat Schulze momentan nötig: Im Musical „Spring Awakening“ ist er nicht nur als Schauspieler beschäftigt, sondern auch als Choreograf. Schulzes improvisierte Tänze in „Shockheaded Peter“ („Ich bewege mich einfach gern“) hatten Regisseur Niklas Ritter gefallen.

Nach seinem Weggang von Göttingen möchte Schulze wieder in Berlin leben – als freier Schauspieler. „Ich sortiere mal, was in den vier Jahren passiert ist, ich möchte alles in Ruhe ordnen. Mal auch an der Hochschule hospitieren.“ Vielleicht möchte er dort auch unterrichten. Göttingen verlässt er auch mit einem weinenden Auge: „Die Abonnenten haben einen ins Herz geschlossen. Bei der letzten Vorstellung ,Im Weißen Rössl‘ kam mir eine Welle entgegen. Das war schön.“

Nach der Premiere am Sonnabend, 2. Juni, um 19.45 Uhr im DT steht „Spring Awakening“ bis zum 29. Juni noch 17-mal auf dem Spielplan. Karten online erhältlich unter gt-tickets.de.

Von Michael Schäfer

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