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Regional Zwischen BAP, Cheops-Pyramide und indigenen Kulturen
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13:26 11.03.2018
Der Multiinstrumentalist Büdi Siebert an einer Guzheng, einer chinesischen Wölbbrettzither Buedi Siebert Quelle: Jörg Linnhoff
Göttingen,

Jörg-Peter „BüdiSiebert gehört seit Jahrzehnten zu den Komponisten und Musikern hierzulande, die gern und oft Genregrenzen überschreiten. Er hat mit renommierten Bands und Künstlern wie BAP, Andreas Vollenweider, Wolfgang Dauner, Anne Haigis, oder Ralf Illenberger zusammengearbeitet und auch Filmmusiken geschrieben. Die Natur und die Wirkung der Musik auf die Menschen sind zentrale Themen seines Schaffens. Dazu spielt er viele, teils sehr exotische Instrumente wie die Guzheng, eine chinesische Wölbbrettzither

Sie können inzwischen auf eine lange und bewegte musikalische Biografie zurückblicken. Wie kam es in den frühen Jahren zur Zusammenarbeit mit der Kölner Mundart-Gruppe BAP?

Ich war Teil eines Labels der Musiker in Köln genannt Eigelstein. Unsere Intention war, deutsche Pop-, Rock- und Avantgardemusik zu veröffentlichen. BAP bekam keinen Fuß in die Tür der Major Firmen und wir nahmen sie ins Programm. Auf der ersten Platte wirkte ich als Saxofonist mit und als Rockmusik-Erfahrener war meine Aufgabe dann, das Album „Affjetaut“ als Produzent zu betreuen. Das Ergebnis war dann Gold in Deutschland.

Sie leben im Schwarzwald und waren schon mehrfach Gast der Kulturinitiative Northeim an unterschiedlichen Orten in der Region. Wie ist der Kontakt entstanden?

Mein erster Auftritt war mit dem Projekt „Poesie und Musik“ Anfang der 80-er Jahre. Dort machten wir Musik zu Texten nordamerikanischer Ureinwohner. Das Projekt wurde sehr erfolgreich, ich glaube wir waren mit beiden Programmen da. Klaus Hoheisel und ich freundeten uns an und mit fast jedem Projekt wurde ich eingeladen. Der sehr gute Besuch zeigte, dass diese Zusammenarbeit über unsere Freundschaft hinaus künstlerisch fruchtbar war. Die Initiative Kunst und Kultur zeigt vorbildlich, wie eine Kulturarbeit mit langem Atem und hoher Qualität immer ein Publikum findet.

Neben Blasinstrumenten wie Querflöte und Saxophon kommen bei ihnen viele weitere teils sehr exotische Instrumente zum Einsatz. Nach welchen Kriterien wählen sie ihre Instrumente aus und fällt es Ihnen leicht, diese zu erlernen?

Ganz aus dem Bauch heraus. Instrumente sprechen mich an und ich besorge sie mir. Ich probiere sie aus, in den meisten Fällen komme ich mit ihnen zurecht und dann mache ich Musik. Es fällt mir leicht, mit Instrumenten Kontakt aufzunehmen. Ich habe klassische Querflöte studiert und mit den anderen Instrumenten spiele ich, wie es ein Kind machen würde, ich lege einfach los. Wenn ich Musik produziere, weiß ich, welches Instrument jetzt angesagt ist mit seinem Charakter und seinem Klang und dann spiele ich zur Musik.

Gibt es noch ein bestimmtes Instrument, mit dem sie sich gerne näher beschäftigen und dieses erlernen möchten?

Ich spiele für mich seit einiger Zeit eine Sitar und eine Duduk. Das armenische Blasinstrument ruft ab und zu nach mir.

Wie muss man sich ihre Herangehensweise an neue Kompositionen vorstellen?

Es kommt darauf an, ob ich mit dem Computer produziere oder, wie beim „Native Future Projekt“ direkt auf den Instrumenten. Irgendwann ist da ein Klang, eine Linie, eine Idee, ein Lebensgefühl. Und ich fange mit irgendetwas an, werde zu einem Instrument und lasse mich von der Musik spielen. Eines fügt sich zum anderen und es gibt ein klares eindeutiges Bauchgefühl, wenn es stimmt, eine Art warme, weiche körperliche Fülle, ein sanftes inneres Vibrieren. Dann weiß ich, es stimmt. Bis dahin kann es lange Zeit dauern und auch Pausen geben.

Sie haben im Laufe der Zeit mit vielen Musikern wie Andreas Vollenweider, Wolfgang Dauner, Anne Haigis oder Ralf Illenberger zusammengearbeitet. Gibt es einen Künstler, der sie besonders beeindruckt hat?

Wolfgang Dauner war der erste, der mir zeigte, wie offen und kreativ man sein kann, um dann auf der anderen Seite genau abzuwägen, ob das jetzt „gut“ genug ist. Vollenweider und Illenberger haben mich inspiriert, einfache und schöne Musik zu machen, auf eigene Art, egal was die jeweilige Mainstream Musik vorgab.

Ein besonderes Projekt waren ihre Aufnahmen in der ägyptischen Cheops-Pyramide, erschienen unter dem Titel „Pyramid Call“. Wie entstand die Idee zu dieser Aufnahme an einem ungewöhnlichen Ort und hat dieses Projekt ihre Sicht- und Arbeitsweise in ihrer Musik verändert?

Ich hatte an Meditationsreisen zu den Pyramiden teilgenommen. Und ich wurde aufgefordert, beim nächsten Mal Instrumente mitzubringen und dort zu spielen. Das tat ich dann und über besondere Kanäle bekamen wir Zeit allein in der großen Pyramide. Ich stellte mein kleines Aufnahmegerät hin, fing an zu spielen und kam in die tiefste Trance meines Lebens (und ich bin darin nicht besonders erfahren gewesen). Ich spürte deutlich, wie eine Energie mich ergriff und es war nicht beängstigend. Als ich aus dieser Trance herauskam, ging das Licht in der Pyramide wieder an und draußen fingen die Muezzins an zu singen. Es war ein magischer Moment und man kann ihn auf der CD miterleben.

Ihre heutigen Aufnahmen haben einen stark meditativen Charakter. Welche Rolle spielt dabei ihre Beschäftigung mit der Musik indigener Kulturen?

Natürlich war es nach dem Erlebnis in der Pyramide nicht mehr möglich so Musik weiter zu machen. Es ging einfach nicht mehr, ich sollte offensichtlich Musik machen, die eine besondere Wirkung auf Menschen (und auch andere Lebewesen) hat, die sie wieder näher zu sich selbst bringt in dieser lauten Welt von Stress und Ablenkung, von Lärm und Disharmonie. Die alten Kulturen wussten sehr wohl Bescheid über diese außermusikalischen Wirkungen der Musik und wandten sie an. Sie sind, wie in vielem anderen, unsere Lehrmeister, wenn wir ihnen wirklich zuhören. Sie lehren uns Mensch zu sein.

In Hardegsen werden sie gemeinsam mit dem Schlagzeuger und Multiinstrumentalisten Bodo Schopf ihr Projekt „Native Future“ präsentieren. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Bodo Schopf und was erwartet die Besucher in dem Konzert?

Bodo Schopf ist ein international arbeitender und angesehener Schlagzeuger. Auch ihn hat eine tiefe Stimme der Musik erwischt und er hat genauso angefangen, sich mit der Musik indigener Kulturen zu beschäftigen und andere Instrumente zu erlernen. Wir kannten uns schon länger, arbeiteten aber nie zusammen. Eines Tages rief er mich an, erzählte von seinen Veränderungen und wir beschlossen gemeinsam etwas auszuprobieren. Wir trafen uns ein paar Tage bei mir und dann fuhr ich für zwei Wochen zu ihm nach Sardinien. Dort haben wir dann Musik entwickelt und gleich aufgenommen. Die Chemie stimmte.

Sie haben seit fast einem halben Jahrhundert Erfahrungen mit Musik gemacht. Welche Motivation und Inspiration haben sie noch für weitere Produktionen und Projekte?

Das wird mir der Geist der Musik dann schon deutlich machen. Ich habe gelernt, offen zu sein, mich der Musik gegenüber hinzugeben und mich selbst und mein Musikerdasein nicht so wichtig zu nehmen. Dann wird genau das Projekt kommen, das für mich ansteht.

www.kunst-kultur-northeim.de oder www.thenativefutureprojekt.com

Von Jörg Linnhoff

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